Zukunft der Energieversorgung: Drahtlose Energie für alle!

Energiekonzepte | Smart Energy | Wie entwickelt sich das globale Energiesystem bis zum Jahr 2050? Auf diese schwierige Frage gibt es keine eindeutige Antwort. Aber wir können alternative Entwicklungen beschreiben – genau das tun wir mit unserer Foresight-Serie. In unserem ersten Szenario ist die Welt dank gesellschaftlicher Weitsicht, politischer Vernunft und zielstrebig vorangetriebener Innovationen zu einem lebenswerten Platz für alle geworden. Kollaboration hat Konkurrenz abgelöst.

Carla Benedetti liebt diesen Anblick. Von hier oben, 500 Meter über dem UN-Gebäude am Hudson River, ist Manhattan immer wieder ein Erlebnis, das ihr Herz schneller schlagen lässt. Dabei hat sie diese Aussicht schon viele Male erleben können – fast zwanzig Mal ist die italienische Ministerin für internationale Kooperation schon für Sitzungen und Verhandlungen nach New York gereist.

Heute aber ist ein ganz besonderer Tag: Nachdem die Weltgemeinschaft sich vor zehn Jahren auf eine globale Sprache geeinigt hatte, ist heute der letzte UN-Dolmetscher symbolisch und feierlich in den Ruhestand geschickt worden. Inzwischen können sich die meisten Menschen neben ihrer Muttersprache auch fließend in „Spachenglisch“ unterhalten, einer Kombination aus Spanisch, Chinesisch und Englisch. Aus diesem besonderen Anlass lässt die UN einen Dokumentarfilm über die Geschichte des politischen Einigungsprozesses produzieren. Carla soll darin erklären, wie die Revolution im Energiesektor zustande gekommen ist.

Alle Energie aus einer Hand

Unter ihr taucht der Wolkenkratzer von „Global Energies Inc.“ auf, vollständig bedeckt von Solarzellen. Dieses weltumspannende Unternehmen ist für die globale Energieversorgung zuständig, die seit rund einem Jahrzehnt ausschließlich auf elektrischem Strom beruht.

„Nach spektakulären Durchbrüchen bei Solarzellen und künstlicher Fotosynthese hat sich die Weltgemeinschaft schon 2030 darauf geeinigt, voll auf die Umwandlung von Sonnenlicht in Energie zu setzen“, spricht sie in die Kamera. „Riesige Solarfarmen rund um den Globus sollten Strom produzieren, der so gut wie nichts kostet und durch ein weltweites Netz von Leitungen zu den Verbrauchern kam – natürlich auch nachts.“

Verzicht auf Zwischenspeicher

Carla erinnert sich noch genau daran, wie sie für die italienische Regierung in Lissabon an der Eröffnung des ersten transatlantischen Hochspannungs-Kabels teilnahm. Viele weitere folgten, zum Beispiel die „Eurasische Magistrale“ und die „Voltamericana“, die sich von Kanada bis Argentinien erstreckte.

Von den großen Verteilkabeln verzweigte sich das Energienetz in immer filigranere Ausläufer, bis der elektrische Strom nahezu allgegenwärtig war. Tragbare Geräte wie die winzigen Kommunikatoren für Sprache und Daten beziehen ihre Energie auf der letzten Meile direkt aus einem elektromagnetischen Feld, das von zahllosen Antennen erzeugt wird und bis in den letzten Winkel reicht. Einige Antennen sind an „Energie-Ballons“ befestigt, die energiereiche Strahlung gezielt nach unten verteilen. Batterien sind daher seit vielen Jahren überflüssig, Stromkabel und Steckdosen Museumsstücke. Auch der Helikopter, in dem Carla und das Filmteam sitzen, ist elektrisch angetrieben. Und auch er braucht keine Batterie mehr – denn ein konzentrierter Strahl elektromagnetischer Energie folgt ihm auf seinem Weg und versorgt die Elektromotoren.

„Dass jeder Mensch und jede Maschine ununterbrochen Energie erhalten, ist nur durch die Unterstützung unserer zentralen künstlichen Intelligenz möglich“, erklärt Carla. „Sie kennt jederzeit Angebot und Nachfrage an allen Orten der Welt und steuert das Energienetz permanent so, dass der lebensnotwendige Strom immer verfügbar ist.“

Die Weltgemeinschaft hat sich zusammengeschlossen

All das ist nur möglich geworden, weil sich die Weltgemeinschaft beim Kampf gegen den Klimawandel vereint und eine neue Weltordnung ins Leben gerufen hat: Zusammenarbeit statt Konkurrenz, so lautet die Devise. Die UN gibt verbindliche Rahmenbedingungen vor, die die einzelnen Regionen dann je nach ihren besonderen Gegebenheiten umsetzen. „Stabile und bezahlbare Energieversorgung als Grundrecht“ lautet die ambitionierte Vision – und das natürlich immer nachhaltig. Nachdem man zunächst verschiedene Technologien untersucht hatte, entschied sich die Weltgemeinschaft, zur Versorgung der Menschheit komplett auf Solarenergie zu setzen und alle Entwicklungen darauf zu konzentrieren.

„Durch den massenhaften Einsatz der neuen Solartechnologien sind die Preise der Komponenten extrem gesunken, sodass sich Strom nahezu zum Nulltarif produzieren lässt“, so Carla. „Dadurch und dank unseres Ultimate Grid sind hohe Energiekosten ebenso kein Thema mehr wie die Erwärmung des Klimas.“ Und weil man auf diesem Gebiet so gute Erfahrungen gemacht hatte, wurde auch die globale Ökonomie durch eine künstliche Intelligenz neu organisiert. Spötter sprachen zuerst von „Planwirtschaft 4.0“, mussten dann aber einsehen, dass das zentral unterstütze Modell dem reinen Markt überlegen war.

Die Zukunft unserer Energieversorgung – ein Foresight-Projekt von thyssenkrupp

Unser hier gezeigtes Szenario einer globalen Kooperation ohne Wettbewerb ist nur eine mögliche Zukunftsvision unserer Energieversorgung. Im Rahmen unseres Foresight-Prozesses haben unsere Experten Entwürfe ganz unterschiedlicher Zukünfte entwickelt. Sie beschreiben Zukunftswelten, die genauso eintreten könnten. Das heiß nicht, dass sie genauso eintreten werden. Es ist auch nicht so, dass unser aus vielen verschiedenen Fachexperten bestehende Foresight-Team bestimmte Szenarien bevorzugen würde. Wichtig ist ihnen allein, dass wir verstehen, was werden könnte – und so entscheiden zu können, wohin der Weg gehen soll. So ermöglicht die Foresight-Arbeit, unsere Zukunft aktiv zu gestalten.

Andreas Meschede verfolgt eine klare Mission: unsere Zukunft vorzudenken – und das Verständnis seiner Kollegen für den ständigen Wandel zu schärfen.

Andreas Meschede verfolgt eine klare Mission: unsere Zukunft vorzudenken – und das Verständnis seiner Kollegen für den ständigen Wandel zu schärfen.

„Was können wir heute anders machen, um in Zukunft erfolgreich zu sein?“

Die Komfortzone verlassen und über den Tellerrand hinausblicken: Dazu lädt der Foresight-Prozess ein. Für Andreas Meschede, Innovationsmanager bei thyssenkrupp, sind dabei entworfenen Szenarien viel mehr als nur Science-Fiction-Geschichten: „Alle geschilderten Inhalte sind technisch möglich und in sich widerspruchsfrei. Darauf haben wir bei der strukturierten Erstellung der zugrunde liegenden Szenarien geachtet. Geschichten wie die von Carla Benedetti geben natürlich nicht alle Details unserer Szenarien wider, sie laden aber besonders dazu ein, in diese Welten der Zukunft einzutauchen.“

Die Ergebnisse nutzt thyssenkrupp zum Beispiel für Ideen-Workshops. Dort treffen sich Vertreter aller Geschäftsfelder und unterschiedlichster Funktionen – etwa aus der Technik, dem Marketing oder der Personalabteilung. „Im Mittelpunkt steht die Frage: Was muss thyssenkrupp heute anders machen, um in der Szenario-Welt der Zukunft erfolgreich sein zu können?“, erklärt Andreas Meschede.

Um im Team die Art zu denken gezielt zu hinterfragen, scheut es Andreas Meschede nicht, die Teilnehmer zu irritieren, zu inspirieren und auch spielerische Elemente einzusetzen.

Um im Team die Art zu denken gezielt zu hinterfragen, scheut es Andreas Meschede nicht, die Teilnehmer zu irritieren, zu inspirieren und auch spielerische Elemente einzusetzen.

Ziel des Foresight-Teams ist es, die Szenarien auf breiter Front und in allen Unternehmensbereichen zu nutzen, darunter auch für Diskussionen mit Kunden und Lieferanten. Entscheidend für den Foresight-Manager? „Dass wir durch diese Methode immer wieder unsere Komfortzone verlassen und kreativ in die Zukunft denken.“

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