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Zukunft der Produktion | Industrie 4.0 in Europa, Asien, USA

Natürlich ist Deutschland nicht der einzige Standort, an dem sich Unternehmen und Forscher Gedanken über die Zukunft der Industrie machen. „Überall auf der Welt stellt man sich in Politik und Wirtschaft die gleichen Fragen“, berichtet Professor Jürgen Jasperneite vom Institut für industrielle Informationstechnik an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe und dem Lemgoer Fraunhofer-Anwendungszentrum Industrial Automation. „Im Mittelpunkt steht die zunehmende Digitalisierung und ihre Auswirkungen auf Produktionsprozesse und Industrien.“ Kein Wunder also, dass auch anderswo Regierungen und Unternehmen einschlägige Forschungsprogramme gestartet haben.

In der Zielsetzung sind sich alle einig: Die Produktion der Zukunft soll effizient, umweltschonend und hochgradig individualisierbar sein – das sind auch die zentralen Anliegen des deutschen Projektes „Industrie 4.0“. Allerdings haben die einzelnen Länder unterschiedliche Ausgangspositionen, die einen Einfluss auf die Schwerpunkte ihrer Forschungsprogramme haben. Während Deutschland als traditioneller „Ausrüster der Welt“ gilt und darum stark auf sein umfassendes Know-how aus einzelnen Branchen setzt, haben die USA den Ruf als „Vernetzer der Welt“ und betonen stärker die IT-Aspekte des Themas. Das zeigt sich auch am Namen und an den Mitgliedsunternehmen des „Industrial Internet Consortiums“, das das US-Gegenstück zur Initiative Industrie 4.0 in Deutschland ist.

Experten glauben, dass die einzelnen Initiativen auf ähnlichen Basistechnologien aufsetzen werden – zum Beispiel auf dem Internet der Dinge als Plattform für die Vernetzung von Sensoren, Produkten und Anlagen. Und es ist durchaus wahrscheinlich, dass viele Länder einen Beitrag zur Produktion der Zukunft leisten werden. Dazu müssen aber grundlegende Standards definiert werden, um beispielsweise die Kommunikation von Maschinen untereinander zu ermöglichen. „Wir wollen Leitmarkt und Leitanbieter für die Produktionstechnik der Zukunft werden“, betont Professor Wolfgang Wahlster, Vorsitzender der Geschäftsführung des Deutschen Zentrums für Künstliche Intelligenz in Saarbrücken, Kaiserslautern, Bremen und Berlin. „Davon werden auch andere Länder profitieren, weil sie durch Industrie 4.0 ihre Produktion auf ein neues Niveau heben können.“

 

USA: Industrial Internet Consortium

In den USA hat sich im März 2014 das Industrial Internet Consortium (IIC) gegründet, in dem mehr als 100 Unternehmen wie General Electric, IBM, Intel, AT&T und Cisco an Technologien für die Produktion der Zukunft arbeiten – unter ihnen auch deutsche Schwergewichte wie Siemens und Bosch. Da viele IT-Spezialisten am IIC beteiligt sind, liegt einer der Schwerpunkte auf dem Internet der Dinge und der Vernetzung der künftigen Fabriken. Die Vision des IIC deckt sich weitgehend mit den Zielen von Industrie 4.0: Die Produktion soll effizienter und Wertschöpfungsketten sollen optimiert werden, darüber hinaus streben die Unternehmen eine höhere Verfügbarkeit von Maschinen und die wirtschaftliche Herstellung individualisierter Produkte an.

 

Europa: Initiativen auf EU- und Länderebene

Neben dem deutschen Projekt „Industrie 4.0“ haben die EU und einzelne Länder des Kontinents eigene Aktivitäten ins Leben gerufen, um die Produktion der Zukunft vorzubereiten. Auf europäischer Ebene ist in den ICT Labs des European Institute of Innovation & Technology (EIT) eine „High Impact Initiative“ mit dem Namen „Industrie 4.0: Powering Europe“ unter deutscher Leitung gestartet, die einen Rollout cyber-physischer Plattformen in europäischen Smart Factories zum Ziel hat. Daneben gibt es die Öffentlich-private Partnerschaft „Factories of the Future“, die vor allem kleine und mittelständische Unternehmen dabei unterstützen will, auf den Weltmärkten auch künftig erfolgreich zu sein. Einzelne Länder sind ebenfalls aktiv: Finnland will für sein „Industrial Internet Program“ bis 2019 rund 100 Millionen Euro ausgeben, Österreich für seine Version von Industrie 4.0 etwa 250 Millionen. Auch Frankreich, Großbritannien und die Niederlande haben eigene Initiativen gestartet.

 

Asien: Aufholjagd bei Kerntechnologien

Die chinesische Regierung will intelligente Produktionssysteme auf der Basis allgegenwärtiger Informations- und Kommunikationssysteme aufbauen – das sieht ihre „Advanced Manufacturing Technology Roadmap“ vor, die bis ins Jahr 2050 reicht und Meilensteine für die Jahre 2020 und 2030 definiert. Ziel des Landes ist es, bei Kerntechnologien für die Produktion – beispielsweise in der Automobilbranche – weniger abhängig von Importen zu werden. Das spiegelt sich auch im aktuellen Fünfjahresplan wider, in dem „Advanced Manufacturing Equipment“ zu den Tätigkeitsfeldern mit besonders hoher Priorität zählt. Wenig bekannt ist über die Aktivitäten anderer Länder wie beispielsweise Japan oder Südkorea. Der Besuch zahlreicher Delegationen in Deutschland zeigt aber, dass das Interesse an diesem Thema auch dort sehr groß ist.

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