Wie der Großvater, so der Enkel

Geschichte | Menschen bei thyssenkrupp | Als Servicemeister montiert David Sudan große Anlagen wie Zementwerke auf Baustellen rund um den Globus – ein Job, den auch schon sein Großvater und sein Onkel gemacht haben.

David Sudan steht vor einem Drehofen, dem Herzstück eines jeden Zementwerks. „Beim Bau einer Zementanlage wird so ein Drehrohrofen in 8 bis 12 Teilen auf die Baustelle geliefert, je nach Größe und Transportmöglichkeiten“, erklärt David Sudan. „Der größte Ofen, den ich bisher montiert habe, steht in China und hat einen Durchmesser von 6,8 Metern und eine Länge von 98 Metern.“ Mit diesem Ofen lassen sich bis zu 12.000 Tonnen Zementklinker pro Tag herstellen.

Dieser Ofen hier ist wesentlich kleiner und gehört zum Zementwerk Phönix in Beckum. „Ich kann mich noch erinnern, wie mein Großvater Ernst, damals Montagemeister bei Polysius, mich einmal auf dem Arm unter diesem Ofen hergetragen hat. Die abstrahlende Wärme hat mich damals sehr beeindruckt.“

Schon mein Großvater Ernst und auch mein Onkel waren in der ganzen Welt unterwegs, um Zementwerke zu bauen.

David Sudan

Heute, einige Jahrzehnte später, gehört es zu David Sudans Job bei thyssenkrupp, die Montage und Inbetriebnahme solcher Zementanlagen für Kunden auf der ganzen Welt zu überwachen und zu optimieren. Achtzig Prozent des Jahres ist er dafür unterwegs. Seine Familie macht diesen Job in der dritten Generation – erst sein Großvater, später sein Onkel und jetzt er.

Schon David Sudans Großvater Ernst und auch sein Onkel haben Zementwerke in der ganzen Welt gebaut. Dieses Foto zeigt Ernst Sudan bei einer Getriebeinspektion im Jahr 1958. (© David Sudan)

Zementanlagenbau mit Tradition: Schon David Sudans Großvater Ernst und auch sein Onkel haben Zementwerke in der ganzen Welt gebaut. Dieses Foto zeigt Ernst Sudan bei einer Getriebeinspektion im Jahr 1958. (© David Sudan)

Erstaunlich viel weiß der Enkel heute noch über die Arbeit seines Großvaters. Wie die damals aussah, zeigt ein Blick in die Fotokiste: „Ich habe noch Baustellenbilder aus den 60er und 70er Jahren in Saudi Arabien und Jordanien. Das Zimmer meines Großvaters war bestückt mit Bett, Tisch und Stuhl; später kam noch ein Weltempfänger dazu, um einmal täglich die Nachrichten aus der Heimat zu hören. Das nächste Telefon war damals auch schon mal 150 km entfernt. Von Satellitenfernsehen oder gar Mobiletelefonen oder Internet träumte noch niemand. Damals fing Luxus schon mit dem Erhalt eines Baustellen-Kühlschranks und vielleicht einer Aircondition an. Das kann man sich heute kaum vorstellen.“

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Genau wie seinen Großvater, zog es auch David Sudan früh in die Ferne: Nach seiner Ausbildung bei Polysius (heute thyssenkrupp Industrial Solutions) und dem Zivildienst, reiste er im südlichen Afrika umher: „Menschen, Länder, Abenteuer – als junger Mann findet man das toll“, sagt er. Mit Mitte 20 entscheid er sich endgültig in die Fußstapfen von Großvater und Onkel zu treten. Mittlerweile arbeitet er in seinem Beruf seit fast zwei Jahrzehnten. Dabei hat er bisher 28 Länder bereist und fast 80 verschiedene Flughäfen gesehen. „Zuletzt war ich in der Türkei bei der Montage der bisher größten Zementofenlinie des Landes dabei.“

Menschen, Länder, Abenteuer – als junger Mann findet man das toll.

David Sudan

Eine solche Zementanlage zu montieren dauert heute circa 15 Monate. „Auf der Baustelle haben wir einen ganz normalen Arbeitstag, von 8 bis 18 Uhr, manchmal auch am Wochenende“, erzählt David Sudan. Bei Reparaturen werde auch schon mal durchgearbeitet, 24 Stunden in zwei oder drei Schichten. „Wenn eine Anlage stillsteht, setzen wir alles daran, unseren Kunden schnell und unkompliziert zu helfen.“ Das sei heute eigentlich nicht anders als damals“, meint er.

Zurzeit montiert David Sudan eine Zementlinie in Mexiko. Wir sind gespannt, wohin es ihn danach verschlägt.

Montage eines Zahnkranzes auf einer persischen Baustelle (1959) (© David Sudan)

Montage eines Zahnkranzes auf einer persischen Baustelle (1959) (© David Sudan)

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