Wegweisende Entdeckungen: Fünf Nobelpreis-Träger, die unsere Technologien erst möglich gemacht haben

Innovationen | Wissenswertes | Für die fortschrittlichsten Köpfe der Wissenschaft ist der Nobelpreis die höchste Auszeichnung ihrer Zunft – und ein heiß umkämpfter Ritterschlag: Der Amerikaner Edward Kendall bekam den Preis beispielsweise erst 38 Jahre nach seiner ersten Nominierung. Ramon Gaston wurde 155 Mal vorgeschlagen – bekam ihn aber nie. Trotz seiner bahnbrechenden Erfindung, der Impfung gegen Diphterie und Tetanus. Aber eines steht fest: Wer mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde, hat unsere Welt nachhaltig verändert. Wir stellen euch die Erkenntnisse fünf historischer Preisträger vor, die aus dem Alltag unserer Ingenieure nicht mehr wegzudenken sind.

Mit meinem […] Vermögen soll auf folgende Weise verfahren werden: das Kapital […] soll einen Fonds bilden, dessen Zinsen jährlich als Preis an diejenigen ausgeteilt werden sollen, die im vergangenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen erbracht haben.

Dieser Auszug aus dem Testament des Schweden Alfred Bernhard Nobel markiert die Geburt der berühmtesten Auszeichnung, mit der ein einzelner Mensch geehrt werden kann: dem Nobelpreis. Nobel legte dabei fünf Kategorien fest: Physik, Chemie, Medizin, Literatur und Friedensbemühungen. Seit 1901 kommt die Nobelstiftung dem letzten Willen seines berühmten Namensgebers nach.

Das 18-köpfige Kuratorium der Schwedischen Akademie in Stockholm wählt den jährlichen Nobelpreisträger für Literatur. Ihr könnt euch vielleicht denken, dass dies eine der Nobelpreis-Disziplinen ist, von der wir bei thyssenkrupp nicht direkt profitieren. Ganz im Gegensatz zu Physik und Chemie!
Das 18-köpfige Kuratorium der Schwedischen Akademie in Stockholm wählt den jährlichen Nobelpreisträger für Literatur. Ihr könnt euch vielleicht denken, dass dies eine der Nobelpreis-Disziplinen ist, von der wir bei thyssenkrupp nicht direkt profitieren. Ganz im Gegensatz zu Physik und Chemie!

Auch wir bei thyssenkrupp wären ohne diese großen Vordenker ziemlich aufgeschmissen – besonders, wenn es um Physik und Chemie geht. Jeden Tag nutzen unsere Ingenieure die Erkenntnisse zahlreicher Nobelpreis-Träger als Grundlage für die Entwicklung und die Produktion unserer Innovationen.

Qualitätsprüfung: Ohne Ruska und Röntgen hält kein Riesenbagger lange durch

Vielleicht habt ihr schon einmal ein Bild der handelsüblichen als auch gigantischen Kettenbagger gesehen, die auf Baustellen oder in großen Bergbaugebieten zum Einsatz kommen, um Hunderte Tonnen an Erdaushub abzutransportieren. Damit die Betreiber die verschleißintensive Arbeit der Baumaschinen lange nutzen können, kommt es auf die Robustheit und Bruchfestigkeit der einzelnen Bauteile an. Alle Komponenten müssen höchste Qualitätsanforderungen erfüllen. In Norditalien stellen unsere Schmiedespezialisten als einer der weltweit größten Hersteller für Laufwerkskomponenten genau diese her. Um zu garantieren, dass unsere Produkte den Einsatzherausforderungen viele Jahre standhalten, erforschen unsere Spezialisten das bruchmechanische Verhalten der Fahrwerkssysteme und prüfen in hochmodernen Laboren, ob das eingesetzte Material die nötige Qualität besitzt.

Dass wir diese Möglichkeiten haben, verdanken wir nicht zuletzt zwei Nobelpreis-Trägern: 1986 erhielt der deutsche Elektroingenieur Ernst Ruska die Auszeichnung für seine mehr als fünf Jahrzehnte zurückliegende Erfindung. Er entwickelte das Elektronenmikroskop – ein mächtiges Analysewerkzeug, mit dem wir bei thyssenkrupp dank bis zu 500.000-facher Vergrößerung selbst winzigste Verunreinigungen nachweisen können. Bereits 85 Jahre zuvor ehrte die Nobelstiftung Wilhelm Conrad Röntgen. Mit seiner Entdeckung der Röntgenstrahlung hat er nicht nur die Diagnose von Knochenbrüchen revolutioniert. Er lässt uns auch die chemische Zusammensetzung unserer Metall-Legierungen genau analysieren. Danke Ernst, danke Conrad!

thyssenkrupp verarbeitet jährlich 160.000 Tonnen Stahl zu 200.000 Raupenketten-Elemente, 1.000.000.000 Laufrollen, 120.000 Leiträder und 5.000.000.000 Bodenplatten für kettengetriebene Baumaschienen. Dank Ruska und Röntgen können unsere Ingeieure stets garantieren, dass jedes Teil hochzuverlässig ist.
thyssenkrupp verarbeitet jährlich 160.000 Tonnen Stahl zu 200.000 Raupenketten-Elemente, 1.000.000.000 Laufrollen, 120.000 Leiträder und 5.000.000.000 Bodenplatten für kettengetriebene Baumaschienen. Dank Ruska und Röntgen können unsere Ingeieure stets garantieren, dass jedes Teil hochzuverlässig ist.

 HoloLinc: Von Gábors Holografie-Theorie zum digitalen Liftservice von morgen

Auch in unseren digitalen Innovationen schlägt das Herz vieler Nobel-Vordenker immer wieder mit. Am anschaulichsten wird das bei HoloLinc, einer unserer neuesten Entwicklungen. Die Technologie macht es möglich, mithilfe von Microsofts Augmented-Reality-Brille HoloLens, Treppenlifte vor dem eigenen Auge zu visualisieren – und zwar, noch bevor sie produziert sind. Und bei der Wartung von Aufzügen sind unsere Servicetechniker mithilfe der HoloLens heute in der Lage sein, die Kenndaten eines Aufzugs bereits vor einem Einsatz zu visualisieren – und ihre Arbeit so bis zu vier Mal schneller zu erledigen.

Dass wir mit der Brille überhaupt ein Objekt aus Licht in der Umgebung sehen, ist die historische Leistung von Dennis Gabór: 1947 entdeckte der Ingenieur das Prinzip der Holografie – 1971 erhielt der englische Staatsbürger mit ungarisch-deutscher Vergangenheit den Physik-Nobelpreis dafür.

24.000 unserer Aufzug-Techniker arbeiten dabei bereits mit HoloLens, um Probleme im Vorfeld eines Auftrags visualisieren und vor Ort Fernzugriff auf alle wichtigen Informationen zu haben. Ohne den Erfindergeist von Dennis Gábor wäre das heute nicht möglich.
24.000 unserer Aufzug-Techniker arbeiten dabei bereits mit HoloLens, um Probleme im Vorfeld eines Auftrags visualisieren und vor Ort Fernzugriff auf alle wichtigen Informationen zu haben. Ohne den Erfindergeist von Dennis Gábor wäre das heute nicht möglich.

Carbon2Chem: Aus CO2 etwas Wertvolles machen – dank Ostwald’scher Katalyse

Nachhaltigkeit und Klimaschutz sind uns wichtig. Da ist es gut, dass die industriellen Abgase unseres Stahlwerks chemische Elemente wie Stickstoff oder Wasserstoff mit dem richtigen Prozess zu so genannten Synthesegasen verarbeitet werden können. Das sind Vorprodukte für Chemikalien wie Ammoniak, Methanol, Polymere oder höhere Alkohole. Aber auch CO2 ist Bestandteil unserer Hüttengase.

Sowohl CO2 als auch die anderen Stoffe in etwas Wertvolles zu verwandeln, genau das ist der Anspruch unseres Großprojekts Carbon2Chem. Im Technikum in Duisburg stellen wir nachhaltiges Methanol aus Hüttengasen her – eine grüne Weltpremiere. Kaum andere Lehrsätze der Chemie sind dabei so wichtig für Carbon2Chem wie die beiden folgenden:

Katalyse ist die Beschleunigung eines langsam verlaufenden chemischen Vorgangs durch die Gegenwart eines fremden Stoffes.

 Ein Katalysator ist jeder Stoff, der, ohne im Endprodukt einer chemischen Reaktion zu erscheinen, ihre Geschwindigkeit verändert.

Diese Sätze Wilhelm Ostwalds sind heute Eckpfeiler der Chemie – und seine Arbeiten über chemische Gleichgewichtsverhältnisse und Reaktionsgeschwindigkeiten sind besonders wertvoll für Carbon2Chem. Weil wir mit metallischen Katalysatoren á la Ostwald die chemischen Reaktionen bei der Herstellung und der Reinigung der Hüttengase entscheidend beschleunigen. 1909 erhielt der in Litauen geborene Chemiker für diesen historischen Beitrag zur Wissenschaft den Chemie-Nobelpreis.

In unserem Carbon2Chem-Technikum in Duisburg CO2 und andere Abgase aus der Stahlproduktion in etwas wertvolles zu verwandeln, das wäre ohne die Forschungen von Ostwald zur Katalyse nur ein Traum.
In unserem Carbon2Chem-Technikum in Duisburg CO2 und andere Abgase aus der Stahlproduktion in etwas wertvolles zu verwandeln, das wäre ohne die Forschungen von Ostwald zur Katalyse nur ein Traum.

Düngemittelproduktion: Mit Haber und Bosch zum Ammoniak

Auch unsere letzten beiden Nobelpreis-Träger sind Stars der Chemie. Ihre Namen: Fritz Haber und Carl Bosch. Als enge Partner entwickelten sie ihr Haber-Bosch-Verfahren, für das Fritz Haber 1918 mit dem Chemie-Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Heute ist der Prozess als Grundlage für die Synthese von Ammoniak aus Luftstickstoff einer der weltweit wichtigsten chemischen Produktionsprozesse.

Als Spezialist für Düngemittel produzieren wir das Salz Ammoniumsulfat, eine Mischung aus Ammoniak und Schwefelsäure. Dank des Haber-Bosch-Verfahrens können unsere Experten das benötigte Ammoniak vollkommen synthetisch herstellen.
Als Spezialist für Düngemittel produzieren wir das Salz Ammoniumsulfat, eine Mischung aus Ammoniak und Schwefelsäure. Dank des Haber-Bosch-Verfahrens können unsere Experten das benötigte Ammoniak vollkommen synthetisch herstellen.

Nicht verwunderlich, dass Fritz Haber so auch unseren Düngemittelanlagen seinen Stempel aufgedrückt hat. Denn dort stellen wir mit dem Haber-Bosch-Verfahren aus Stickstoff und Wasserstoff zunächst Ammoniak her, das wir dann in Mineraldünger verwandeln – eine wichtige Voraussetzung für die Ernährung eines Großteils der Weltbevölkerung.

Der Nobelpreis – ein Symbol des Fortschritts

 Auch heute ist der Nobelpreis nach wie vor ein wichtiges Zeichen für Fortschritt, die Zusammenarbeit, den Frieden und das technologische Vermögen der Wissenschaft. Die Erkenntnisse der Preisträger verändern unsere Welt, unsere Innovationen – und eben auch unsere Arbeit bei thyssenkrupp und die unserer Kunden

Autor

Lukas Traussnig
  • geschrieben von Lukas Traussnig
  • 10. Dezember 2018

Tja, für die wohl wichtigste Erkenntnis in den Materialwissenschaften gab es leider keinen Nobelpreis!

Warum sind unsere Alltagsmaterialien (zB. Stahl) nicht so fest wie sie theoretisch sein könnten?

Da kommen die Versetzungen ins Spiel, dieses Modell erklärt warum der Schermodul nicht mit dem theoretisch über 20.000 mal höheren Wert übereinstimmt!

So gesehen, einen Nobelpreis gibts nicht immer für wichtige und alltagsbedeutsame Entdeckungen!

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