Wasserversorgung der Zukunft: ein Menschenrecht auf sauberes Wasser

Innovationen | Nachhaltigkeit und Klimaschutz | Technologietrends | Urbanisierung | Wissenswertes | Wie kann sich die Wasserversorgung der Zukunft weiterentwickeln? Welche Trends treiben diese Entwicklungen? Und welche Technologien spielen dabei eine Rolle? Um diese Fragen zu beantworten, schauen unsere Foresight-Experten in eine alternative Zukunft. In unserem zweiten Szenario zeigen wir eine mögliche Gesellschaft, in der niemand auf der Erde mehr an Durst leiden muss – dank zentral organisierter Wasser-Solidarität.

Joseph und Melina sind gerade vom Rad-Training in die Northern Suburbs ihrer Heimat Kapstadt zurückgekehrt. In der Hitze der südafrikanischen Metropole trainieren die beiden seit einigen Wochen gemeinsam für die „Cape Town Cycle Tour“. Das weltweit bekannte Radrennen ist auch im Jahr 2033 noch eine feste Größe im internationalen Sportgeschehen. „Ich verdurste fast“, stöhnt Joseph. „Soll ich dir deine Wasserflasche auch noch einmal vollmachen, Melina?“

Wasserversorgung weltweit garantiert

Joseph und Melina können sich auf ihre Wasserversorgung verlassen. Das war nicht immer so: Noch vor zehn Jahren ist Wasser in Südafrika ein extrem knappes Gut, und es bildeten sich lange Schlangen an den wenigen Ausgabestellen in den Städten und auf dem Land. Und das hat einen guten Grund: Um das wertvolle Gut Wasser waren sogar Kriege ausgebrochen – eine Folge des Klimawandels. Nach dem Ende der Wasserkriege hatten die Vereinten Nationen die Versorgung mit Trinkwasser zum Menschenrecht erklärt.

Nachdem die fossilen Rohstoffe der Erde aufgebraucht waren, standen die mächtigen Öltanker zunächst ihrer Verschrottung. Das Wasser-Versorgungsnetz der World Water Inc. gab den Schiffen aber eine vollkommen neue Bestimmung.Nachdem die fossilen Rohstoffe der Erde aufgebraucht waren, standen die mächtigen Öltanker zunächst ihrer Verschrottung. Das Wasser-Versorgungsnetz der World Water Inc. gab den Schiffen aber eine vollkommen neue Bestimmung.

Auf einer feierlichen Vollversammlung in Nairobi hatte die UN eine völlige Neuordnung der Wasserversorgung beschlossen. „Wir lassen niemanden mehr verdursten“, erklärte Generalsekretärin Valentina Romanov damals unter tosendem Applaus der Delegierten.

Pipelines und Wassertanker – zentral organisiert

Eine zentrale UN-Agentur, im Volksmund World Water Inc. genannt, ist seit 2028 dafür zuständig, allen Menschen sauberes Wasser zu bringen. Damit niemand mehr Durst leiden muss, hat die Organisation ein gigantisches, weltumspannendes Netz aus Pipelines gebaut, mit dem das kostbare Nass auch in einstmals trockene Gebiete transportiert werden kann – kombiniert mit einer Flotte von Trinkwassertransportschiffen. Praktischerweise war das fossile Zeitalter kurz zuvor zu Ende gegangen und viele Öltanker warteten auf eine neue Aufgabe.

Ein Teil des gigantischen Netzwerks zur Wasserversorgung der World Water Inc ist ein weltumspannendes Pipeline-System – eines der größten Infrastrukturpojekte der Geschichte.Ein Teil des gigantischen Netzwerks zur Wasserversorgung der World Water Inc ist ein weltumspannendes Pipeline-System – eines der größten Infrastrukturpojekte der Geschichte.

Wasser-Solidarität schafft Frieden und Wohlstand

Heute sorgen die Tankschiffe und Pipelines dafür, dass alle Menschen Trinkasser von bester Qualität zu erschwinglichen Preisen beziehen – subventioniert durch Ausgleichszahlungen von Ländern, die klimatisch günstiger gelegen sind. „Solidarität schafft Frieden und Wohlstand – Konkurrenz schafft Leid und Konflikte“, lautete der Slogan der UN. Davon profitieren auch Joseph und Melina in Kapstadt.

Die beiden sind aber nicht nur als private Konsumenten auf eine sichere Wasserversorgung angewiesen – auch als Besitzer einer großen Gemüsefarm im Umland von Kapstadt profitieren sie von der World Water Inc. Zwar sind die riesigen Gewächshäuser mit ihren Hydrokulturen und den gentechnisch optimierten Pflanzen auf maximale Effizienz getrimmt, aber in der afrikanischen Hitze kann selbst das modernste Recyclingsystem einen gewissen Prozentsatz an Wasserverlust nicht verhindern.

Im Jahr 2030 macht die neue Gewächshaus-Klasse „Humid Pro“ den Anbau von gentechnisch optimierten Hydrokulturen selbst in Wüsten möglich.Im Jahr 2030 macht die neue Gewächshaus-Klasse „Humid Pro“ den Anbau von gentechnisch optimierten Hydrokulturen selbst in Wüsten möglich.

Wolkenfabriken für zielsicheren Regen

Seit einem Jahr beteiligen sich die beiden Agrarunternehmer darum an einem UN-Projekt, das die weltweite Wasserversorgung auf eine völlig neue Stufe heben soll: „Cloud Factory“ nennt die Presse das einzigartige Vorhaben. Die Idee dahinter: In regenreichen Regionen nahe dem Äquator stellen Fabriken zunächst maßgeschneiderte Wolken her. Diese steigen dann in die Atmosphäre auf und reisen – passende Winde vorausgesetzt – nach Südafrika. Dort sorgen sie am Ende für Regen, und zwar punktgenau. „Wann können wir mit der Wolke rechnen?“, fragt Melinda während einer Telefonkonferenz den Projektleiter Wu Xi. „Laut Wettervorhersage können wir morgen starten, und übermorgen am späten Nachmittag müsste sie bei euch eintreffen“, antwortet er.

Im Jahr 2029 rief die UN die Mission „Cloud Factory“ ins Leben. Das Ziel des Megaprojekts: Künstliche Wolken zu erzeugen, die gezielt über den Trockengebieten der Erde abregnen.Im Jahr 2029 rief die UN die Mission „Cloud Factory“ ins Leben. Das Ziel des Megaprojekts: Künstliche Wolken zu erzeugen, die gezielt über den Trockengebieten der Erde abregnen.

Blick in die Zukunft unserer Wasserversorgung

Den Menschen in der Welt von Joseph und Melina geht es gut. In ihrer Gesellschaft übernimmt der Staat viele zentrale Aufgaben – die Kräfte des Markts spielen nur eine untergeordnete Rolle. Die Experten von thyssenkrupp haben die hoffnungsvolle Zukunftsvision in Kapstadt „Sustainable Flatrate“ genannt.

Natürlich kann die Welt nach 2030 aber auch ganz anders aussehen als in dieser Geschichte, die unsere Zukunftsforscher im Rahmen der Foresight-Arbeit zum Thema „Water Management“ entwickelt haben. Als Innovationsmanager koordiniert der Physiker Dr. Andreas Meschede den konzernweiten Foresight-Prozess bei thyssenkrupp. Dabei entwerfen internationale Experten mögliche Szenarien der Zukunft, etwa zur Entwicklung der Mobilität, den Städten von morgen oder der sich verändernden Arbeitswelt in der Produktion.

Andreas Meschede verfolgt eine klare Mission: unsere Zukunft vorzudenken – und das Verständnis seiner Kollegen für den ständigen Wandel zu schärfen.
Andreas Meschede verfolgt eine klare Mission: unsere Zukunft vorzudenken – und das Verständnis seiner Kollegen für den ständigen Wandel zu schärfen.
Bei der Foresight-Arbeit lädt Andreas Meschede Kollegen aus allen Fachbereichen ein. Einzige Voraussetzungen: eine eigene Meinung und ein gewisser fachlicher Bezug zum Thema.
Bei der Foresight-Arbeit lädt Andreas Meschede Kollegen aus allen Fachbereichen ein. Einzige Voraussetzungen: eine eigene Meinung und ein gewisser fachlicher Bezug zum Thema.

Foresight-Projekt: viele schlaue Köpfe für eine bessere Zukunft

Seit 2015 entwirft thyssenkrupp die Foresight-Szenarien, um sich so schon heute auf mögliche Entwicklungen im Jahr 2030 und danach einzustellen. Andreas Meschede erklärt, dass es bei der Zusammenstellung des Foresight-Teams vor allem auf Vielfalt im Denken ankommt: „Für jedes Szenario treffen wir uns mit etwa 25 bis 30 Menschen, die sowohl eine Meinung zum Thema haben als auch eine gewisse fachliche Expertise mitbringen. Unser Ziel: eine gute Mischung von Ansichten, Expertisen und Fachrichtungen.“

Foresight: vordenken, was in Zukunft möglich ist

Auch, wenn Geschichten wie die von Joseph und Maria durchaus denkbar sind – dem Expertenteam um den 41-jährigen Innovationsmanager geht es nicht darum, realistische Szenarien zu entwerfen: „Wir wollen nicht die Zukunft vorhersagen. Wir wollen vielmehr aufzeigen, was möglich ist. Und bewusst Gedanken zuzulassen, die im ersten Moment vielleicht nicht ganz klar, logisch oder wahrscheinlich sind, aber dennoch möglich. Es geht um das Vordenken alternativer Zukünfte, darum, die Sinne dafür zu schärfen, dass sich unsere Welt verändern kann. Und so auf diese Veränderungen vorbereitet zu sein. Dazu gehört auch, aus dem klassischen Ingenieurs-Denken auszubrechen.“

Um im Team die Art zu denken gezielt zu hinterfragen, scheut es Andreas Meschede nicht, die Teilnehmer zu irritieren, zu inspirieren und auch spielerische Elemente einzusetzen.
Um im Team die Art zu denken gezielt zu hinterfragen, scheut es Andreas Meschede nicht, die Teilnehmer zu irritieren, zu inspirieren und auch spielerische Elemente einzusetzen.
Grau ist alle Theorie: In der Foresight-Arbeit geht es auch darum, die erdachten Zukunftsszenarien zu verbildlichen, die Charaktere der Geschichte zu entwickeln und Zusammenhänge zu visualisieren.
Grau ist alle Theorie: In der Foresight-Arbeit geht es auch darum, die erdachten Zukunftsszenarien zu verbildlichen, die Charaktere der Geschichte zu entwickeln und Zusammenhänge zu visualisieren.
Diskutieren, einen Schritt zurückgehen, gemeinsam Ideen entwickeln und Gelerntes immer wieder kritisch infrage zu stellen – um diese Erkenntnisse geht es im Foresight-Projekt.
Diskutieren, einen Schritt zurückgehen, gemeinsam Ideen entwickeln und Gelerntes immer wieder kritisch infrage zu stellen – um diese Erkenntnisse geht es im Foresight-Projekt.

Blick in die Zukunft – spielerisch und ohne Denkverbote

Dabei versucht das Projektteam die Bewertung der entworfenen Szenarien auszublenden und die Welt zunächst neutral zu betrachten. Zwar gibt es gewisse Regeln, aber keine Denkverbote – alles ist erlaubt. Andreas Meschede setzt dafür unter anderem auf Inspiration und Irritation, um die Denkweise seiner Kollegen ganz gezielt herauszufordern und in eine Welt jenseits von Zahlen, Daten und Fakten einzutauchen.

Und so ist der Erfahrungsgewinn der Teilnehmer im Rahmen der Foresight-Zusammenarbeit ein ganz eigenes Ziel des Projekts sagt Andreas Meschede: „Genauso wichtig wie die entworfenen Szenarien sind die Erkenntnisse, die die Kollegen während der Foresight-Arbeit mitnehmen – sei es in Sachen Mindset, Zukunftsarbeit, Vernetzung im Konzern oder fachübergreifender Zusammenarbeit. Das hilft einem Konzern wie thyssenkrupp enorm dabei, neue Lösungen zu entwickeln, die Mehrwert für unsere Zukunft bringen.“

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