Wasserversorgung der Zukunft: Wenn jeder Tropfen zählt

Energiekonzepte | Innovationen | Nachhaltigkeit und Klimaschutz | Wissenswertes | Wie kann sich die Wasserversorgung der Zukunft weiterentwickeln? Welche Trends treiben diese Entwicklungen? Und welche Technologien spielen dabei eine Rolle? Um diese Fragen zu beantworten, schauen unsere Foresight-Experten in eine alternative Zukunft. Das erste mögliche Szenario: Eine Gesellschaft, die Wasser recycelt und ihr Gemüse selbst anbaut.

Frederic und Charlotte haben es geschafft. Der Softwareentwickler und die Fondsmanagerin stehen auf der Terrasse eines nagelneuen Bungalows am Stadtrand von Paris und blicken stolz auf die Blumenbeete, Stauden und kleinen Bäume ihres kleinen Gartens. Beinahe wirkt ihr Zuhause wie auf dem Land – obwohl das Pariser Zentrum mit seinen inzwischen 15 Millionen Einwohnern gerade mal zwölf Kilometer entfernt ist. Das Highlight? Der Teich mit wertvollen Koi-Karpfen, die erst heute Morgen geliefert wurden.

Einen solch grünen Garten – noch dazu mit Teich – können sich in unserem fiktiven Zukunftsszenario nur wenige leisten. Schließlich ist Wasser nach 2030 zum raren Gut geworden.Einen solch grünen Garten – noch dazu mit Teich – können sich in unserem fiktiven Zukunftsszenario nur wenige leisten. Schließlich ist Wasser nach 2030 zum raren Gut geworden.

Wasser wird zum Status-Symbol

Die beiden frischgebackenen Hausbesitzer sind erfolgreiche junge Aufsteiger. Und das zeigen sie nicht nur ihren Elektrosportwagen vor der Garage, sondern eben auch mit den rot gefleckten Edelfischen im Garten. Viel beeindruckender als die Kois ist aber der große Garten-Teich selbst. Denn Wasser ist ein ausgesprochen kostbares Gut.

Diese Entwicklung hatte sich schon lange abgezeichnet: Nach der Jahrtausendwende stieg die Weltbevölkerung immer weiter an und erreichte 2030 die Marke von neun Milliarden. Um alle Menschen und die Landwirtschaft mit ausreichend Wasser versorgen zu können, mussten die Staaten große Anstrengungen unternehmen und einen technologischen Wettbewerb für maximale Wassereffizienz starten.

Weil die Wasservorräte der Erde zukünftig für immer mehr Menschen ausreichen muss, ist Wasser-Recycling in unserem Szenario nicht nur überaus sinnvoll, sondern sogar von der Politik vorgeschrieben. Auf welche Weise die Aufbereitung geschieht? Das entscheiden die Privathaushalte, Unternehmen und Kommunen selbst.Weil die Wasservorräte der Erde zukünftig für immer mehr Menschen ausreichen muss, ist Wasser-Recycling in unserem Szenario nicht nur überaus sinnvoll, sondern sogar von der Politik vorgeschrieben. Auf welche Weise die Aufbereitung geschieht? Das entscheiden die Privathaushalte, Unternehmen und Kommunen selbst.

Geschlossene Wasserkreisläufe für effizientes Wasser-Recycling

Je nach Kontinent und klimatischen Verhältnissen entstanden so ganz unterschiedliche Lösungen, die Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit vereinen mussten. Ein Motto zog sich aber wie ein roter Faden durch alle Ansätze: So viel Recycling wie möglich, so wenig Frischwasser wie nötig. Darum sind alle Pariser Gebäude mit einem modernen Wasseraufbereitungssystem ausgestattet, das möglichst jeden Tropfen der kostbaren Flüssigkeit reinigt und wieder dem Kreislauf im Haus zuführt.

Das gilt auch für Frederic und Charlotte. Erst gestern war der große Tank-Lkw gekommen, um das Reservoir ihres Bungalows zum ersten Mal aufzufüllen. Das Wasser stammt aus dem geschlossenen Kreislauf eines benachbarten Industriebetriebs, der dank starker Regenfälle in den letzten Monaten einen Überschuss in sein System aufnehmen musste. Sonst wäre die erste Befüllung aus dem Reservoir des Stadtteils gekommen – der nächsthöheren Ebene der hierarchisch organisierten Wasserversorgung. Weil sich das Grundprinzip des geschlossenen Kreislaufs auf jeder Ebene wiederholt, sprechen Experten von einem fraktalen System.

Das Wasser-Management wird in unserer gedachten Zukunft über geschlossene Kreisläufe umgesetzt. Die verschiedenen Organisationsebenen haben dabei ihre eigenen Wasserspeicher, Kommunen zum Beispiel Reservoirs wie solche.Das Wasser-Management wird in unserer gedachten Zukunft über geschlossene Kreisläufe umgesetzt. Die verschiedenen Organisationsebenen haben dabei ihre eigenen Wasserspeicher, Kommunen zum Beispiel Reservoirs wie solche.

Urban Farming für wassersparende Lebensmittel

Über die Wasserversorgung wollen Frederic und Charlotte jetzt aber nicht nachdenken. Sie freuen sich auf die Gäste, die bald zur Einweihungsparty kommen werden. „Der Caterer hat gerade das Buffet geliefert“, sagt Charlotte. Das Obst und Gemüse in allen Farben und Formen stammt aus Urban Farming: Die Lebensmittel wurden nur wenige Kilometer entfernt in Gewächshäusern produziert – und zwar in computergesteuerten Hydrokulturen, die das kostbare Wasser optimal nutzen.

So könnte die Zukunft der Lebensmittelversorgung aussehen: Obst und Früchte wie Erdbeeren werden in riesigen Gewächshäusern angepflanzt – teilweise mitten in den Städten. Um beim "Urban Farming" möglichst viel Wasser zu sparen, setzen die Hersteller auf hydroponische Systeme, bei denen Wasser- und Nährstoffzufuhr automatisiert überwacht und optimiert werden.So könnte die Zukunft der Lebensmittelversorgung aussehen: Obst und Früchte wie Erdbeeren werden in riesigen Gewächshäusern angepflanzt – teilweise mitten in den Städten. Um beim „Urban Farming“ möglichst viel Wasser zu sparen, setzen die Hersteller auf hydroponische Systeme, bei denen Wasser- und Nährstoffzufuhr automatisiert überwacht und optimiert werden.

Nur noch selten kommen die Nahrungsmittel von weiter entfernten Hightech-Farmen. Seit dem verstärkten Klimawandel können nur solche Großbetriebe die aufwendigen Anlagen unterhalten, die mithilfe erneuerbarer Energien Feuchtigkeit aus der Luft filtern und zum Bewässern der Pflanzen nutzen.

Nachhaltige Utopie durch grüne Innovationen

In der fiktiven Welt von Frederic und Charlotte geht es den Menschen gut – der Lebensstandard ist so hoch wie nie. Dank global gültiger Regeln ist Nachhaltigkeit eine Selbstverständlichkeit, wobei die Regierungen es den Menschen und Unternehmen überlassen, mit welchen Technologien sie die Umweltstandards einhalten.

Die Experten von thyssenkrupp haben die hoffnungsvolle Zukunftsvision in Paris „Artainabl€ I$lands“ getauft, weil vieles hier ebenso künstlich (artificial) wie nachhaltig (sustainable) ist und die Wasserversorgung aus einzelnen Inseln (islands) besteht.

Blick in die Zukunft unserer Wasserversorgung

Natürlich kann die Welt nach 2030 auch ganz anders aussehen als in dieser Geschichte, die unsere Zukunftsforscher im Rahmen der Foresight-Arbeit zum Thema „Water Management“ entwickelt haben.

Als Innovationsmanager koordiniert der Physiker Dr. Andreas Meschede den konzernweiten Foresight-Prozess bei thyssenkrupp. Dabei entwerfen internationale Experten mögliche Szenarien der Zukunft, etwa zur Entwicklung der Mobilität, den Städten von morgen oder der sich verändernden Arbeitswelt in der Produktion. So stellt sich der Konzern schon heute auf mögliche Entwicklungen im Jahr 2030 und danach ein.

Als Koordinator des Foresight-Prozesses von thyssenkrupp entwickelt Andreas Meschede mit rund 160 Kollegen aller Geschäftsbereiche, externen Experten und Querdenkern Szenarien für das Leben, Arbeiten und Wohnen im Übermorgen. Die Themen sind vielfältig – von Megacitys und Mobilität über Landwirtschaft, Luft und Wasser bis hin zur Energie.Als Koordinator des Foresight-Prozesses von thyssenkrupp entwickelt Andreas Meschede mit rund 160 Kollegen aller Geschäftsbereiche, externen Experten und Querdenkern Szenarien für das Leben, Arbeiten und Wohnen im Übermorgen. Die Themen sind vielfältig – von Megacitys und Mobilität über Landwirtschaft, Luft und Wasser bis hin zur Energie.

Foresight-Prozess: wegweisende Kundenlösungen als Ziel

„Mit Foresight ordnen wir zunächst unterschiedliche Bilder der Zukunft, um sie in einem zweiten Schritt zu Szenarien zu erweitern“, beschreibt Andreas Meschede. „Am Ende haben wir so die Möglichkeit, wegweisende Lösungen für unsere Kunden zu finden.”

Das gilt auch für die Frage der Wasserversorgung – ein Thema, das nicht erst in der Zukunft akut wird, sondern jetzt schon viel diskutiert wird. „Es ist eine Grundvoraussetzung für jeden Staat, seinen Bürgern ausreichend Wasser zur Verfügung zu stellen. Nicht umsonst sprechen viele in den aktuellen Debatten vom Menschenrecht auf Wasser. Als Technologiekonzern und speziell mit unseren Lösungen für eine nachhaltige Landwirtschaft ist diese Frage für uns und unsere Kunden von entscheidender Bedeutung.“

Zukunftsvisionen mit fachübergreifender Expertise

Das Foresight-Team entwirft seine Szenarien zum Thema Wasser-Management aber nicht als losgelöste Gruppe, die fernab des Konzerns agiert. Für die Foresight-Szenarien führt Andreas Meschede vielmehr das Know-how aus dem gesamten thyssenkrupp Kosmos zusammen: “Ich stelle zwar die Methodik zur Erstellung unserer Zukunftsszenarien zur Verfügung“, erklärt der Innovations- und Foresight Manager. „Aber die Inhalte, die Expertise und das Bauchgefühl steuern meine Kollegen aus den unterschiedlichsten Fachrichtungen bei. Durch die Diskussion der verschiedenen Sichtweisen erschließen wir ganzheitliche Bilder, wie unsere Zukunft aussehen könnte – und leiten daraus ab, wie wir bei thyssenkrupp unseren positiven Beitrag zur Gestaltung dieser Zukunft leisten können.”

Die Geschichte von Frederic und Charlotte ist nur eine von drei möglichen Szenarien – in diesem Fall sind Unternehmen kreativ und die Menschen nachhaltiger geworden. So haben sie weiterhin ausreichend Wasser. Welche alternativen Versionen die Zukunft der Wasserversorgung bereithalten könnte, erfahrt ihr in unseren nächsten beiden Foresight-Szenarien.

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