Wassermann und Manndecker

Geschichte | Menschen bei thyssenkrupp | Zurück am Hochofen: MSV-Kultkicker Joachim Hopp mit ehemaligen Kollegen.

„Das klingt jetzt Banane, aber für mich war es Entspannung“, sagt er. So wird der Arbeitsplatz am Hochofen auch nicht oft beschrieben. Aber nach adrenalintreibenden Bundesligamatches konnte Duisburgs Kult-Kicker Joachim Hopp (49) auf Schicht ein bisschen „runterfahren“. Trotzdem: Er gab immer alles und brachte das Kunststück fertig, den Job am Hochofen und die Fußballkarriere unter einen Hut zu bringen.

Jetzt besuchte er seine alte Arbeitsstätte. Ali Güzel, damals „Hoppis“ Kollege am Hochofen und jetzt Betriebsrat bei Steel Europe hatte eingeladen. Vor Ort, an der Gießbühne des Hochofens, wo das flüssige Roheisen vorbeifließt, kamen Erinnerungen an die alte Zeit hoch. Hopp hat für die Hochofenkühlung gearbeitet, war einer der so genannten „Wassermänner“. Er hatte den Hochofen auf Glut- und Heißstellen zu kontrollieren und überprüfte die Leitungssysteme.

Das war schon echte Maloche, vor allem bei Reparaturarbeiten, wenn die glühende Schlacke genau vor meiner Nase blubberte.

Joachim Hopp, Duisburgs Kult-Kicker

Er arbeitete Wechselschicht: Frühschicht, Spätschicht, Nachtschicht. „Als ich bei den Amateuren des MSV-Duisburg anfing, ging das dann nicht mehr, also habe ich meinen Vorgesetzten gefragt, ob ich nicht nur noch die Frühschicht übernehmen dürfte. Der war – wie alle anderen – MSV-Fan und hatte damit kein Problem. Das hieß für mich: Von 5.30 Uhr bis 13.30 Uhr Schicht bei Thyssen und dann zum Training“, erinnert sich das Duisburger Original. Dann hieß es jahrelang: morgens auf Schicht am Hochofen, nachmittags Manndecker auf dem grünen Rasen. „Erst als mich Ewald Lienen und Präsident Fischdick 1993 zum Profi machen wollten, hieß es aus der Chefetage: ‚Hoppi, mach mal Schluss am Hochofen.‘ Hopp absolvierte seine letzte Frühschicht gab fortan Vollgas für seinen MSV. 1997 beendete der Duisburger Publikumsliebling seine Profikarriere. Heute arbeitet er für ein Duisburger Unternehmen und hat zwischenzeitlich die Mannschaft von Hamborn 07 trainiert.

Yüksel Kilic freute sich daher besonders über den Besuch von „Hoppi“. Der 29-jährige ist im zweiten Jahre zur Ausbildung als Verfahrensmechaniker bei Steel Europe und hat bei Hamborn 07 gespielt. Trainer seinerzeit: Joachim Hopp. „Hochofen und Fußball – wohl eine gute Kombination“, resümiert die Duisburger Fußball-Legende.

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