Vom Abgas zum Rohstoff

Nachhaltigkeit und Klimaschutz | Zukünftig könnten Millionen Tonnen an CO2 eingespart werden. Denn mit dem Projekt Carbon2Chem will thyssenkrupp das bei der Stahlherstellung anfallende Hüttengas für die Chemie-Industrie als Rohstoff nutzbar machen.

Wer viel bewegen will, benötigt gute Partner: Bei Carbon2Chem arbeitet thyssenkrupp branchenübergreifend mit mehr als ein Dutzend Partner aus der Grundlagen- und Anwendungsforschung sowie verschiedenen Industriebranchen zusammen. Gemeinsames Ziel ist es, Gase aus der Stahlproduktion in chemische Grundstoffe umzuwandeln – einschließlich des darin enthaltenen CO2. „Eine innovative Entwicklung, die im Optimalfall jährlich mehrere Millionen Tonnen CO2 in der gesamten Stahlindustrie einsparen könnte“, sagt Markus Oles, Head of Innovation Strategy & Projects bei thyssenkrupp.

Doch damit nicht genug: Um auch den Prozess möglichst CO2-neutral zu gestalten, soll die dafür benötigte Energie aus erneuerbaren Quellen stammen. Zumindest wenn die Solar- und Windkraftanlagen auf Hochtouren laufen und damit einen Stromüberschuss produzieren. Damit würde Carbon2Chem einen Beitrag zur Netzstabilität leisten, da ganz flexibel große Mengen Energie abgenommen werden können.

Potenzial von Hüttengas voll ausschöpfen

Bisher werden Hüttengase ausnahmslos zur Stromerzeugung für den Fertigungsprozess genutzt. Im Rahmen von Carbon2Chem soll sich das jedoch ändern. Hierbei sollen die Gase den Ausgangsstoff für eine chemische Wertschöpfungskette bilden. Das bietet sich an, weil Hüttengase mit Wasserstoff, Stickstoff und Kohlenmonoxid- und -dioxid die Grundlage verschiedener chemischer Produkte enthalten.

„Die Erfolgsaussichten für Carbon2Chem sind deshalb so gut, weil die grundlegenden chemischen Abläufe und die benötigten Technologien weitestgehend bekannt sind“, so Oles. Bereits heute ist es möglich, aus den Prozessgasen Ammoniak als Vorstufe für Düngemittel zu gewinnen. Dieses Verfahren ist jedoch noch nicht wirtschaftlich genug für einen flächendeckenden Einsatz. Was auch bei Carbon2Chem mitentscheidend sein wird, ob das Projekt Erfolg hat.

 „Es entsteht etwas Großes“

Ab 2014 leistete das Max-Planck-Institut für Chemische Energiekonversion und thyssenkrupp zwei Jahre lang die planerische und wissenschaftliche Vorarbeit. Oles erinnert sich noch an das erste Gespräch: „Allen Beteiligten war direkt klar: Wenn das klappt, entsteht etwas Großes.“ Doch aller Anfang ist schwer: „Erst einmal musste eine ,gemeinsame Sprache’ gefunden werden. Wenn wir von Hüttengas sprechen, wissen unsere Partner nicht automatisch, was das ist. Daher lautete das Motto: fortlaufend kommunizieren, um die Herausforderungen der Partner zu verstehen.“

Die Erfolgsaussichten von Carbon2Chem werden nicht nur von den Projektpartnern als vielversprechend bewertet. Allein das Bundesministerium für Bildung und Forschung stellt mehr als 60 Millionen Euro an Fördergeldern bereit. Zudem investiert thyssenkrupp 30 Millionen Euro in den Bau einer Testanlage, Technikum genannt. Oles: „Um die Entwicklungen und Lösungen aus Carbon2Chem möglichst zügig voranzutreiben, gilt es, zeitnah an realen Hüttengasen testen zu können – das geht nur mit dem Technikum. Seit vergangenem Herbst rollen die Bagger in Duisburg.“ Geplant sind mehrere Objekte: ein Büro- und Laborgebäude, eine Werkstatt sowie eine Wasser-Elektrolyse mit bis zu zwei Megawatt.

Windenergie soll bei Carbon2Chem in großen Mengen zum Einsatz kommen.

Autor

Michael Höckmann
  • geschrieben von Michael Höckmann
  • 11. November 2017

Manchmal sollte etwas auch durchgezogen werden wenn es keinen Gewinn bringt sondern sich nur selber trägt. Oder mit Verlusten, aus Verantwortung der einen Erde gegenüber die wir halten oder zerstören können.

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