Vision klimaneutraler Stahl: Erneuerbare Energien als Möglichmacher

Energiekonzepte | Nachhaltigkeit und Klimaschutz | Zukunft der Produktion | Um die Stahlproduktion nachhaltiger zu gestalten, arbeitet thyssenkrupp schon heute an vielversprechenden Technologien auf Wasserstoffbasis. Entscheidend für die großindustrielle Umsetzung: der umfangreiche Ausbau der erneuerbaren Energien, denn die Herstellung von Wasserstoff braucht viel Strom. Bei ihrem Besuch unseres Stahlstandorts Duisburg erklärte Bundesforschungsministerin Anja Karliczek, dass diese Herausforderung nur gemeinsam gelöst werden könne – und zeigte sich beeindruckt von thyssenkrupps Zwei-Säulen-Strategie für grünen Stahl.

Sauber und unerschöpflich – an diese Eigenschaften denken die meisten Menschen, wenn es um das Thema „erneuerbare Energien“ geht. Und es stimmt: Während fossile Träger wie Kohle, Gas und Öl eines Tages vollständig aufgebraucht sein werden, können wir die Wärme der Sonne und des Erdinnerns praktisch ewig nutzen – genau wie die Kraft des Windes oder fließenden Wassers. Der größte Vorteil der Erneuerbaren ist aber, dass wir ihre Energie nutzen können, ohne dass dabei klimaschädliche Gase wie CO2 in unsere Atmosphäre gelangen. So liegt die mächtigste Waffe im Kampf gegen den Klimawandel schon heute in unserer Hand.

Um genügend Wasserstoff für die Herstellung klimaneutralen Stahls herzustellen, muss der Ausbau erneuerbarer Energien aus Windkraft, Solaranlagen und Co konsequent vorangetrieben werden

Um genügend Wasserstoff für die Herstellung klimaneutralen Stahls herzustellen, muss der Ausbau erneuerbarer Energien aus Windkraft, Solaranlagen und Co konsequent vorangetrieben werden

Deshalb ist der konsequente Ausbau erneuerbarer Energien zu einem der dringlichsten Aufgaben unserer modernen Gesellschaft geworden. Um die Auswirkungen des Klimawandels zu minimieren, haben sich 197 Staaten mit dem Übereinkommen von Paris dazu verpflichtet, besonders ein Ziel zu erreichen: Die weltweite Temperatur soll zukünftig nicht mehr als 1,5 Grad Celsius höher liegen als zur Zeit vor der Industrialisierung.

Klima-Fahrplan der Bundesregierung: 80 Prozent klimaneutraler Strom bis 2050

Im Zuge der Pariser Klimaziele hat auch die Bundesregierung die Energiewende ausgerufen. Der Plan ihres Erneuerbare-Energien-Gesetzes: Bis 2050 sollen 80 Prozent des deutschen Stroms aus klimaneutralen Energiequellen kommen – immer unter der Voraussetzung, dass diese Energie bezahlbar bleibt und die Versorgung durchgehend gesichert ist. Auf diesem Weg hat die deutsche Politik bereits einige Kilometer zurückgelegt: War zur Jahrtausendwende lediglich 6 Prozent des Stroms „grün“, kam im Jahr 2018 bereits 38 Prozent aus Wind- und Wasserkraft, Photovoltaik und Biomasse. Bis 2025 sollen es 40 bis 45 Prozent sein. Und in Studien spricht das Umweltbundesamt davon, dass bis zur Mitte des Jahrhunderts auch die 100-Prozent-Marke erreichbar ist.

Klar ist, dass die Mission Energiewende uns vor komplexe Herausforderungen stellt. Denn ehe sich grüne Energiequellen rechnen, müssen viele Milliarden Euro in ihren Ausbau und die benötigte, hochkomplexe Infrastruktur investiert werden. Genauso entscheidend ist die Frage, inwieweit der Abbau der für viele grüne Technologien benötigen Ressourcen nicht selbst umweltschädigend ist – die Akkus für die Elektromobilität sind hier das prominenteste Beispiel. Und zuletzt müssen Politik, Industrie und Zivilgesellschaft gemeinsam an einem Strang ziehen, damit die zahlreichen Veränderungen in unserem Alltag auch angenommen und unterstützt werden.

Vision klimaneutrale Industrie – mit innovativen Technologien von thyssenkrupp

Für eine klimafreundliche Industrie übernehmen auch wir bei thyssenkrupp Verantwortung und gehen aktiv voran. Bereits bis 2030 haben wir uns in Anlehnung an das Pariser Abkommen das klare Ziel gesetzt, rund 30 Prozent unserer klimaschädlichen Emissionen einzusparen. Bis 2050 wollen wir unser gesamtes Unternehmen vollständig klimaneutral machen. Das bedeutet: Unsere Produktionsprozesse kommen ohne klimaschädlichen Emissionen wie etwa CO2 aus – genauso wie die Nutzung unserer Produkte und Lösungen. Darüber hinaus möchten wir bis dahin nur noch klimafreundlich erzeugte Energie beziehen.

CO2 recyceln: Ein Pfeiler der Zwei-Säulen-Strategie für klimaneutrale Stahlproduktion ist das Carbon2Chem-Projekt – hier verwandeln wir CO2 und andere Hüttengase in wertvolle Rohstoffe für die Chemieindustrie

CO2 recyceln: Ein Pfeiler der Zwei-Säulen-Strategie für klimaneutrale Stahlproduktion ist das Carbon2Chem-Projekt – hier verwandeln wir CO2 und andere Hüttengase in wertvolle Rohstoffe für die Chemieindustrie

Für dieses Ziel müssen wir besonders unsere Stahlproduktion völlig neu denken, denn allein ihre energieintensiven Prozesse machen über 90 Prozent unserer direkten Emissionen aus. Dafür setzen wir als weltweit einziges Unternehmen gleich auf zwei Säulen: In unserem Projekt Carbon2Chem verwandeln wir CO2 und weitere Hüttengase in wertvolle Rohstoffe für die Chemie-Industrie – ein Ansatz, der in über 50 Stahlwerken weltweit verwirklicht werden könnte und auch auf andere CO2-intensive Industrien übertragbar ist. Und bei der sogenannten „Wasserstoffroute“ setzen wir statt auf Einblaskohle künftig auf Wasserstoff als Reduktionsmittel in unseren Hochöfen.

Forschungsministerin Anja Karliczek besucht Stahlstandort Duisburg persönlich

Neben unseren eigenen Investitionen unterstützt auch die deutsche Politik den grünen Wandel unseres Stahls und hat das Potenzial unserer Technologien erkannt: Das Bundesministerium für Bildung und Forschung förderte den Bau unseres Carbon2Chem-Technikums in Duisburg mit 60 Millionen Euro. Nachdem Bundesforschungsministerin Anja Karliczek bereits bei der Eröffnungsfeier des Technikums im September 2018 dabei war, besuchte sie unseren Stahlstandort Duisburg am 9. Juli 2019 erneut. Zusammen mit rund 30 Pressevertretern besichtigte die Ministerin sowohl das Carbon2Chem-Technikum als auch unseren Hochofen 9, wo wir in einer ersten Projektphase aktuell den Einsatz von Wasserstoff an einer von 28 Blasformen testen.

Spätestens im Jahr 2050 sollen unsere Hochöfen in Duisburg statt Kohelnstaub Wasserstoff als Reduktionsmittel nutzen. Bundesforschungsministerin Anja Karliczek unterstützt die Klimastrategie von thyssenkrupp explizit
Spätestens im Jahr 2050 sollen unsere Hochöfen in Duisburg statt Kohelnstaub Wasserstoff als Reduktionsmittel nutzen. Bundesforschungsministerin Anja Karliczek unterstützt die Klimastrategie von thyssenkrupp explizit
In der Wasserelektrolyseanlage von Carbon2Chem sprachen Vorstandsmitglied Donatus Kaufmann, Bundesforschungsministerin Anja Karliczek, thyssenkrupp CEO Guido Kerkhoff und Stahlchef Premal Desai (v.l.n.r.) über die grüne Zukunft der Stahlindustrie
In der Wasserelektrolyseanlage von Carbon2Chem sprachen Vorstandsmitglied Donatus Kaufmann, Bundesforschungsministerin Anja Karliczek, thyssenkrupp CEO Guido Kerkhoff und Stahlchef Premal Desai (v.l.n.r.) über die grüne Zukunft der Stahlindustrie
Ansporn aus der Politik: Bei ihrem Besuch an unserem Stahlstandort Duisburg fand Bundesforschungsministerin Anja Karliczek für unser Gästebuch die richtigen Worte
Ansporn aus der Politik: Bei ihrem Besuch an unserem Stahlstandort Duisburg fand Bundesforschungsministerin Anja Karliczek für unser Gästebuch die richtigen Worte

Nach dem Termin zeigte sich Anja Karliczek beeindruckt von beiden Technologien – und unterstrich ebenso das globale Potenzial für eine klimaneutrale Industrie: „Ich glaube, dass wir hier bei thyssenkrupp gemeinsam einen Prototypen entwickeln, der es uns ermöglicht, das Thema Klimaschutz weltweit ganz anders auf die Tagesordnung zu setzen. Das muss das Ziel sein – hier in Deutschland Innovationen zu entwickeln, die zeigen, dass nachhaltiges Wirtschaften möglich ist.“

Angesprochen auf die Klimastrategie von thyssenkrupp im Stahlbereich schätzte sie das Zwei-Säulen-Modell mit der Wasserstoffroute und Carbon2Chem als richtigen Weg zur Klimaneutralität ein: „Ich denke, dass die Umsetzung der Klimaziele von thyssenkrupp nur im Dreiklang ‚Vermeidung, Umwandlung und Speicherung‘ funktioniert. Natürlich muss man schauen, wo man CO2-Emissionen vermeiden kann. Wo man sie nicht vermeiden kann, sind gerade Projekte wie Carbon2Chem eine wunderbare Möglichkeit, um diese Klimaziele zu erreichen.“

Anja Karliczek sieht Wasserstoff-Ausbau als internationale Aufgabe

Die größte Hürde bei der Umsetzung der gesetzten Klimaziele ist aber die Erzeugung ausreichender Mengen an Wasserstoff, den wir für Carbon2Chem und unsere Wasserstoffroute benötigen. Denn: Damit wir und perspektivisch die gesamte deutsche Stahlindustrie wirklich klimaneutral produzieren können, muss die Energie für die Wasserstoffherstellung zwingend aus erneuerbaren Energien kommen. Die benötigten Kapazitäten sind enorm: Um allein die deutschen Stahlwerke 100 Prozent grün zu machen, braucht es in etwa die Menge der gesamten erneuerbaren Energien, die aktuell in Deutschland zur Verfügung stehen.

Anja Karliczek betonte bei dieser Mammutaufgabe die Notwendigkeit der Zusammenarbeit zwischen Industrie und Politik – und ergänzte: „Wir können diese Herausforderung nicht national lösen, sondern müssen darüber sprechen, ob wir die benötige grüne Energie international produzieren können. Da bewegen wir uns zum Beispiel im Bereich Offshore-Erzeugung. Genauso kann man darüber nachdenken, ob grüner Wasserstoff etwa auch in Afrika produziert werden könnte. Hier brauchen wir einen langfristigen Plan zur stabilen Umsetzung der Wertstoffketten.“

Klimaziele von thyssenkrupp: herausfordernd, aber realistisch

Das Ziel von thyssenkrupp ist klar: eine klimaneutrale Stahlproduktion. Dafür müssen in den nächsten Jahrzehnten die erneuerbaren Energien konsequent und im großen Maßstab ausgebaut werden – nicht nur in Deutschland, sondern weltweit.

Dass diese Mission möglich ist, zeigt ein spannender Fakt: Anfang März 2019 lag der Anteil erneuerbarer Energien an der Nettostromerzeugung in Deutschland laut des Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme bei stolzen 64,8 Prozent. Diesen Wert über das ganze Jahr zu halten ist aktuell noch Zukunftsmusik – und doch zeigt diese Zahl eindrücklich, dass die klimaneutrale Stahlproduktion langfristig kein Traum bleiben muss.

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