Fabriken aus dem Cyberspace

Digitalisierung und Industrie 4.0 | Warum wir Fabriken erst am Rechner bauen? Weil unsere Kunden wenig Zeit haben!

Komplette Fertigungsstraßen herzustellen, zum Beispiel für Autobauer, kann teuer, fehleranfällig und zeitraubend sein. Muss es aber nicht, denn bei thyssenkrupp wird die Anlage erstmal am Computer konstruiert. Ist die Digitale Fabrik dann fertig, geht es wesentlich schneller bei Aufbau in der Halle. Und die Zeit bis die Anlage läuft verkürzt die Virtuelle Inbetriebnahme. Ein Anlagenstart im digitalen Raum, allerdings mit realen Bedieneinrichtungen und Steuerungsprogrammen.

Die Nachfrage ist groß: Systeme zur Echtzeitsimulation von realen Maschinen und Anlagen verbreiten sich stark in letzter Zeit. „thyssenkrupp zählt hier zu den führenden Unternehmen“, sagt Matthias Hartmann, VP Produktmanagement bei thyssenkrupp System Engineering.

thyssenkrupp System Engineering stellt Montagesysteme für den Karosseriebau sowie die Montage von Motoren und Getrieben im Automobilbau her. Weltweit arbeiten 3.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in dem Konzernbereich.

Karosserie-Rohbauanlagen zum Beispiel können eine Fläche von mehreren Fußballfeldern haben. Einige Hundert Roboter sind im Einsatz, um aus einzelnen Blechteilen eine komplette Karosserie zusammenzufügen. Hinzu kommt Fördertechnik, Fügetechnik und eine umfangreiche Steuer- und Regelungstechnik.

Ähnlich komplex ist eine schier endlose Motoren-Fertigungsanlage ab, die thyssenkrupp hier für einen Automobilhersteller testhalber montiert. Ein Jahr wird es dauern, bis sie wieder abgebaut wird und Farge verlässt. Doch Entscheidendes ist schon vor der ersten Montage geschehen: „Alle Roboter, Maschineninseln und Steuerungselemente haben wir in einer 3D-Simulation virtuell aufgebaut und getestet“, erklärt Hartmann. Das bedeutet: geringerer Entwicklungsaufwand, kürzere Inbetriebnahmezeiten sowie Sicherung der Prozess- und Produktqualität. Und natürlich weniger Produktionskosten.

„Kein Industrie 4.0-Projekt ohne Business Case!“, kommentiert Hartmann. Hauptmotivation für den Einsatz der Virtuellen Inbetriebnahme sei es aber, „mit einer virtuell abgesicherten Anlage auf die Baustelle zu kommen und dort das Risiko von Fehlern deutlich zu verringern“.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.