Unternehmen im Wandel

Innovationen | Karriere bei thyssenkrupp | Menschen bei thyssenkrupp | Was ändert sich bei thyssenkrupp Materials Services – und aus welchem Grund? Chief Transformation Officer Ilse Henne spricht im Interview über Chancen, die sich durch Veränderung ergeben.

Als Chief Transformation Officer von Materials Services bestimmt Ilse Henne Tempo und Richtung der strategischen Veränderung. Im Interview spricht sie über Wandel und Wachstum beim größten Werkstoffhändler und -Dienstleister der westlichen Welt.

thyssenkrupp Materials Services stellt sich gerade neu auf. Wie erklären Sie, was da vor sich geht?

Wir kommen aus dem klassischen Handelsgeschäft mit Material. Darin war schon immer eine Service-Komponente enthalten, die wir jetzt ausbauen und eng mit unserem Kerngeschäft verzahnen. Dieses Zukunftsmodell nennen wir Materials as a Service oder kurz: MaaS. Es geht uns dabei nicht nur um die Lieferung von Material, sondern um alle anderen Dienstleistungen, die Kunden vielleicht brauchen: das logistische Managen der Bestände und der Versorgungskette oder eine bestimmte Verarbeitung der Produkte.

Die Veränderung vollzieht sich auf drei Ebenen: Zunächst geht es um die Transformation unserer Organisation. Wir müssen anders zusammenarbeiten, um schneller und flexibler zu werden. Die zweite Ebene betrifft den Bereich Rohmaterialien. Wir müssen im Materialhandel die Dienstleistungskomponente immer im Auge behalten. Drittens ist Digitalisierung ein Veränderungsmotor. Ohne IT gibt es eigentlich kein Geschäft mehr. Sie bietet uns viele Möglichkeiten, unsere Lösungen anders zu gestalten und damit auch mehr Kunden zu erreichen.

Warum ist dieser Wandel nötig?

Der traditionelle Materialhandel macht immer noch unseren Kern aus. Unsere große Stärke ist Präsenz in der Breite und die langen Beziehungen zu vielen unserer Kunden. Davon wollen wir auch nicht weg. Trotzdem müssen wir uns verändern, weil sich Umfeld, in dem wir uns bewegen, ebenfalls ändert.

Zum Beispiel haben unsere Kunden aus der produzierenden Industrie früher selbst entschieden, welche Produkte sie auf den Markt bringen. Heute sagt aber oft der Handel an, welche Produkte gewünscht sind. Dieser Wandel von Push zu Pull bewirkt, dass die Hersteller – und damit auch wir – nicht mehr langfristig planen können, wann welches Material gebraucht wird.

Diese Kunden kommen dann zu uns und fragen: Wie können wir das gemeinsam managen? Dann liefern wir am Ende nicht nur das Material, sondern auch den Service und IT-Lösungen. Wir finden heraus, wie und wann wir das Material den Kunden am besten zur Verfügung stellen.

Auch einen nachhaltigen Umgang mit Ressourcen wollen wir mitgestalten. So können wir beispielsweise dafür sorgen, dass wir das richtige Material in der richtigen Menge auf dem kürzesten Weg transportieren. Digitale Lösungen für die Versorgungskette helfen dann, unnötigen CO2-Ausstoß zu verhindern.

Wie sieht Materials Services am Ende der Transformation aus?

Ich glaube, wir sollten uns nicht so sehr auf ein Ende konzentrieren. Das gibt es wahrscheinlich nicht. Die Bedürfnisse der Kunden werden immer wieder wechseln und wir werden uns immer wieder neu darauf einstellen. Das haben wir in den vergangenen 100 Jahren auch getan. ‚Materials as a Service‘ bezeichnet eher den Weg als das Ziel. Wir möchten unseren Kunden zuhören und flexibel reagieren. Und das werden wir können, weil wir jetzt Tools und Lösungen für die aktuellen Herausforderungen erarbeiten.

Die meisten Kunden haben derzeit die gleichen Fragen: Wie kann ich meine Qualität erhöhen? Wie gehe ich mit dem Wandel bei der Planbarkeit um? Wo kann ich vernünftige Partnerschaften in der Versorgungskette ausbauen? Wo kann ich digitalisieren? Unsere Aufgabe ist es, darauf gute und immer bessere Antworten zu finden. Klar ist aber auch: Wir haben noch einen langen Weg vor uns.

Wie reagieren Mitarbeiter auf die Veränderung?

Es gibt Menschen, die Lust darauf haben, andere Dinge oder Dinge anders zu machen. Von diesen Pionieren haben wir sehr viele. Dann gibt es diejenigen, die sich das erst einmal anschauen. Oder jene, die signalisieren, auf bestimmte Veränderungen keine Lust zu haben. Ich respektiere diese Reaktionen und halte sie alle für wichtig.

Begründeter Widerstand ist auch ein Zeichen von Intelligenz, denn dafür muss man erst einmal eine Veränderung in ihrer ganzen Tragweite begreifen. Um zu überzeugen, muss ich also schlüssig erklären, wie Veränderung unser Geschäftsmodell nachhaltig sichert.

Meistens treffe ich allerdings Leute, die der Transformation sehr offen gegenüberstehen. Und das meine ich wirklich querbeet durch die Organisation, in allen Altersstufen. Viele dieser Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten eng mit den Kunden zusammen und wissen, dass sich dort viel verändert hat. Dann ist es einfacher, den Wandel bei den eigenen Aufgaben zu akzeptieren.

Was sind die nächsten konkreten Schritte?

Wir verzahnen weiter Materialhandel und Services und schauen uns dabei genau an, wie wir performen. Wenn unsere Profitabilität in bestimmten Servicebereichen steigt, ist das ein Beweis dafür, dass wir die Transformation hier geschafft haben.

Es bleibt wichtig, auf unsere Kunden hören. Was uns nicht passieren darf, ist, dass wir anfangen, neue Lösungen oder IT-Tools zu bauen und vergessen, für wen wir die eigentlich bauen. In diesem Zusammenhang möchten wir in der Organisation mehr Raum für agiles Arbeiten schaffen.

 

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Ingenieurskunst | Innovationen | Karriere bei thyssenkrupp | Menschen bei thyssenkrupp | Bis heute sind Frauen in vielen Bereichen unterrepräsentiert - auch in Industrieunternehmen wie thyssenkrupp. Zum Internationalen Frauentag sprachen wir mit Dr. Anika Stein über ihre Leidenschaft für den Sondermaschinenbau. Als Leiterin des Bereichs Defense Systems bei thyssenkrupp Marine Systems in Kiel leitet sie ein Team von hochkarätigen Ingenieuren und Technikern. Gemeinsam mit ihren Kollegen baut Dr. Stein U-Boote. Dabei erklärt sie, warum jedes U-Boot ein einzigartiges Ergebnis von technischem Know-how und Teamarbeit ist - und warum sie ihre Karriere in einer männlich dominierten Branche verfolgt. Dabei erklärt sie, warum jedes U-Boot ein einzigartiges Ergebnis von technischem Know-how und Teamarbeit ist - und warum sie ihre Karriere in einer männlich dominierten Branche verfolgt.