#tkGarage – Das Innovatoren-Battle

Auf den heutigen Tag haben sie und die anderen hingearbeitet: Es ist „Demo Day“ – so etwas wie die „Höhle der Löwen“ im Konzern. Die Teams sind zusammengekommen, um ihre Businesses zu präsentieren und die eingeladenen Investoren für sich zu gewinnen. Die Investoren? Wesentliche Entscheider und Mitglieder der Führungskräfte-Mannschaft des Konzerns. Der Wettbewerb ist spürbar, denn das Budget, das jeder Investor in seinem eigenen Geschäftsbereich für die #tkGarage freigeschaufelt hat, ist begrenzt. Einen zentralen Budgettopf gibt es bewusst nicht – ein Investor, der in ein Start-up investiert, verzichtet damit gleichzeitig in seinem Bereich auf andere wichtige Projekte.

Innovation

thyssenkrupp verwandelt Mitarbeiter in Innovatoren

Agilität und Innovation in einem Konzern aufrechtzuerhalten, ist eine enorme Herausforderung. Richtlinien, Prozesse und komplizierte Abstimmungswege bedeuten oft das Aus für gute Ideen. Deswegen gründen immer mehr Unternehmen Hubs, in denen externe Start-ups außerhalb fester Konzernstrukturen an neuen Lösungen forschen. Sie sind schneller und sollen den Unternehmen helfen, sich im Wettbewerb mit innovativen Start-ups zu behaupten. Die Ergebnisse sind für die Konzerne oft ernüchternd – ein echter Transfer findet allzu selten statt.

Anders als die meisten, sourct thyssenkrupp mit der Garage Kreativität und Einfallsreichtum nicht aus, sondern verwandelt die eigenen Mitarbeiter in Unternehmer. Raus aus der gewohnten Umgebung in homogenen Teams, rein in eine Gruppe aus verschiedenen Funktionen, Geschäftseinheiten, Altersgruppen und Hierarchiestufen. 200 Kolleginnen und Kollegen haben sich in diesem Jahr beworben. Neben ihrem eigentlichen Job haben 45 von ihnen in den vergangenen sechs Monaten Ideen entwickelt und Prototypen gebaut. Weil es Spaß macht und weil es ein ganz besonderes Gefühl ist, ein eigenes Unternehmen im Unternehmen zu entwerfen.

Innovation

Sarah-Kristins Team „tynkr“ steht kurz vor dem Pitch. Ihr Team stellt den Investoren heute seine Produktidee vor. „Wir haben es geschafft, einem schlecht greifbaren Problem mit einer greifbaren Lösung zu begegnen“, erzählt die 31-Jährige, die sich in ihrem eigentlichen Job bei thyssenkrupp mit Nachhaltigkeit, Umwelt- und Klimaschutz beschäftigt. Das Problem: Häufig kommt es in einer späten Phase des Produktdesigns zu zeitaufwändigen Änderungen, weil Anforderungen nicht von Anfang an klar sind. „Das kann daran liegen, dass anfangs noch nicht alle Informationen vorliegen oder manchmal erst ein gemeinsames Verständnis geschaffen werden muss.“ Mit ihrem intelligenten digitalen Assistenten könnte dies bald einfacher werden. Mithilfe von Spracherkennung und einem Algorithmus ermöglicht er, unstrukturierte Informationen zu filtern und in ein strukturiertes Meeting-Protokoll zu überführen. Mithilfe des kleinen Helfers könnte schneller aufgezeigt werden, an welchen Stellen noch wichtige Informationen fehlen und welche Referenzenprojekte als Inspiration für das Projekt dienen könnten. „Das System ist präzise und es lernt. Nach einer Anlaufzeit könnte unser Produkt administrative Aufgaben übernehmen, während sich unsere Vertriebsmitarbeiter voll und ganz auf den Kunden konzentrieren können.“

Intelligent ist auch die Idee von Team „myndpool“, dem auch Jakob Barzel angehört. Normalerweise kümmert sich der 28-Jährige um die politische Kommunikation des Konzerns. Heute stellen sein Team und er ein Knowledge-Sharing-Tool vor, das Mitarbeiter, die voneinander profitieren können, ganz einfach zusammenführt. „Unser Co-Founder Ben von Marine Systems hatte die Idee, dass thyssenkrupp viel besser wissen muss, was thyssenkrupp alles weiß“, erzählt Jakob. „myndpool erlaubt es Dir, in Sekundenschnelle und genau dann, wenn du nicht weiterkommst, denjenigen im Unternehmen zu finden, der Dir helfen kann. Du kannst mit dem myndpool Concierge sprechen, chatten oder mailen, so wie mit einer echten Person. Wir nutzen künstliche Intelligenz, um die Inhalte zu interpretieren und die richtigen Verbindungen zwischen Personen herzustellen.“ Lag der Aufwand solcher Tools bisher immer beim Nutzer, zum Beispiel, indem er dazu gezwungen war, sein Wissen in einem Intranet aufwändig abzulegen, verlagert myndpool den Aufwand nun auf die Maschine. „Die App stellt dem Nutzer immer wieder mal kurze Fragen, um den Mitarbeiter und seine Expertisen kennenzulernen“, berichtet Jakob. Mit jeder Interaktion werde das System ein bisschen schlauer und könne Personen, die voneinander profitieren würden, noch besser matchen. „Myndpool ist die neue Standardantwort auf die Frage: ,Wer könnte mir da denn wohl weiterhelfen?‘“

Künstliche Intelligenz, Big Data, nachhaltige Energie oder autonomes Fahren – auch die sechs anderen Teams haben sich mit den großen Fragen beschäftigt und zum Beispiel einen Fitness-Tracker für Automobilkomponenten entwickelt, der den exakten physischen Zustand eines Fahrzeugs berechnet.

#tkGarage – „Bestes Digitallabor der deutschen Industrie“

Es ist der einzigartige Ansatz, Innovationsgeist durch die eigenen Mitarbeiter in die Organisation zu bringen, der die #tkGarage zum Sieger kürte: Die Zeitschrift Capital vergab den Preis des „besten Digitallabors der deutschen Industrie“ an thyssenkrupp. Dabei landet die thyssenkrupp Garage in vier Kategorien auf dem 1. Platz: die bahnbrechendsten Innovationen, die beste Methodik, die beste Steuerung und die beste Integration in die eigene Organisation. Die Institution soll nicht die Forschungs- und Entwicklungsfunktion des Konzerns ersetzen, dafür jedoch Impulse setzen, Highlight-Projekte hervorbringen und ganz besonders wichtig: die Innovations-Kultur verändern. „Wir haben echte Unternehmer-Talente unter unseren Kollegen. Und mit der #tkGarage haben wir ein erstklassiges Konzept, dieses Potenzial ans Licht zu fördern“, sagt Patric Hellermann, Leiter der thyssenkrupp Garage.

Innovation

Auf der Tribüne wird es wuselig. Das Innovatoren-Battle geht in die finale Runde. Die Investoren haben sich in der vergangenen Stunde beraten. Ihnen steht frei, ob sie überhaupt in eine Idee investieren möchten. Ohne Investment heißt es für die Teams: Aus der Traum vom selbst entwickelten Produkt. In die nächste Runde der Garage und damit einen Schritt näher zur Produktfertigstellung schaffen es nur Teams, die ihre weiteren Entwicklungskosten decken können. Am Ende passiert etwas Unerwartetes: Anders als in der ersten Garage 2016, können diesmal alle Teams überzeugen – auch wenn die genaue Summe des Investments für zwei der acht Teams in einer separaten Finanzierungsrunde festgelegt werden muss. Sarahs Team „tynkr“ erhält 80.000 Euro und „myndpool“ sogar 125.000 Euro – beide Teams können damit ihre digitalen Start-ups weiter aufziehen. „Die Garage fühlt sich ziemlich gut an“, sagt Jakob und lächelt zufrieden. „Die Arbeit in so einem bunt gemischten Team macht Spaß. Eigentlich kann es so einfach sein: Man nehme eine gute Idee, vier Leute, die Lust haben etwas zu bewegen und etwas Freiraum, die Idee schnell zu testen und umzusetzen. Zudem ein paar gute Mentoren und „zack“ – fertig ist die #tkGarage.“

Verfolgen Sie die Reise der Teams auch unter https://www.thyssenkrupp.com/garage/. Demnächst gib’t dort auch Live-Blogs der Teams.

Und wie haben sich die anderen Teams am Demo Day geschlagen?

oXeanpedia

Mit Investment ging auch das Team von „oXeanpedia“ nach Hause, dem „Google der Ozeane“. Das Team hat eine Datencloud zur Erfassung von maritimen Parametern entwickelt. Auf diese Weise können beispielsweise Fischvorkommnisse besser ermittelt werden.

Mastermined

Mit dabei war auch Team „Mastermined”. Die Idee: Den Abbau von Materialien aus Minen einfacher und umweltfreundlicher zu gestalten. Kleinere und mobilere Standardmaschinen mit integrierter Materialsortierfunktion sollen es möglich machen.

Poseidon Energy

Mit dem erhaltenen Investment kann das Team von „Poseidon Energy“ sein ambitioniertes Ziel weiterverfolgen: Ein System zu entwickeln, das erneuerbare Energie auf Offshore-Inseln speichert und transportiert, indem es die Energie in chemische Stoffe umwandelt.

tkPI

Team „tkPI“ hat ebenfalls Investment erhalten, um sein Big Data-Start-up voranzutreiben. Das Ziel des Teams ist es mit Hilfe eines Algorithmus, Real-Time-Daten von Großanlagen zu monitoren und dem Kunden so zu jeder Zeit den besten Service rund um seine Anlage bieten zu können.

accyo

Um das Autonome Fahren so angenehm wie möglich zu gestalten, hat Team „accyo“ einen intelligenten Sitz entwickelt, der die weitverbreitete Kinetose, also Reisekrankheit, minimiert. In diese Idee investiert der Konzern in einer separaten Finanzierungsrunde.

carValoo

Auch carValoo hat sich die Automotive-Branche vorgeknöpft: Mit seinem smarten Tracker kann das Team den physischen Zustand jedes Fahrzeugs messen. Die Konzern-Investoren entscheiden auch hier noch einmal separat über die Höhe des nötigen Investments.

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