tech tube: YouTube für die Fabrik

Digitalisierung und Industrie 4.0 | Zukunft der Produktion | In der Fertigung der Zukunft versorgen Datenbrillen die Mitarbeiter mit zusätzlichen Informationen – etwa aus der filmbasierten Wissensdatenbank tech tube, die thyssenkrupp gerade testet.

Der Übergang zur Elektromobilität, steigende Stückzahlen, hohe Komplexität der Einzelteile und viele Fahrzeugvarianten: Die Automobilbauer stehen derzeit vor großen Herausforderungen. Das gilt auch für die Mitarbeiter in der Produktion, die in Zukunft flexibel an verschiedenen Arbeitsplätzen in der Fabrik eingesetzt werden sollen und dennoch alle Vorgaben des Herstellungsprozesses präzise einhalten müssen. thyssenkrupp will die Menschen in dieser neuen Arbeitswelt unterstützen. Darum hat das Team die Idee und Vision der „Future Automotive Factory“ entwickelt, die digital vernetzt und wissensbasiert ist.

Augmented Reality für die Fabrik

Ein wichtiges Hilfsmittel in dieser Fabrik der Zukunft werden neue Applikationen aus dem Bereich Augmented Reality (AR) sein – zum Beispiel Datenbrillen, die die Mitarbeiter in Echtzeit mit zusätzlichen Informationen über Werkstücke, Maschinen oder Arbeitsabläufe versorgen. Schon heute kommen sie beim Anlernen neuer Kollegen zum Einsatz – bald soll die Qualitätskontrolle folgen. „Mit Hilfe von AR wollen wir die Produktivität steigern und die Qualität sicherstellen“, sagt Dr. Matthias Hartmann, Head of Technology and Innovation bei thyssenkrupp System Engineering. „Einen wichtigen Beitrag leistet dabei das Projekt tech tube.“

Erweiterter Blick: Die Datenbrillen kommen bereits beim Anlernen zum Einsatz, bald soll die Qualitätskontrolle folgen.Erweiterter Blick: Die Datenbrillen kommen bereits beim Anlernen zum Einsatz, bald soll die Qualitätskontrolle folgen.

Video-Wissen to go

Der Name erinnert nicht zufällig an die bekannte Internet-Plattform YouTube, wo jedermann selbst erstellte Videos mit der ganzen Welt teilen kann. Diese Idee will thyssenkrupp aufgreifen, um eine filmbasierte Wissensdatenbank aus Sicht der Mitarbeiter zu erstellen – eben eine Art „YouTube für die Fabrik“, die dann innerhalb des Unternehmens genutzt wird. Technische Grundlage dafür ist die Videokamera, die in jeder Datenbrille eingebaut ist. „Ob ganze Wertschöpfungsketten, aufwändige Fertigungs- und Arbeitsprozesse oder bewährte Problemlösungen: Mit der Datenbrille können wir alle Abläufe in der Produktion aufzeichnen – immer aus dem Blickwinkel des Menschen in der Produktion“, sagt Jens Stolzenburg, verantwortlich für Sonderprojekte bei thyssenkrupp System Engineering. „Dieses wertvolle Wissen können wir an Standorte weltweit transferieren und als Fotos oder Videos akkurat dokumentieren.“

Derzeit können sich die Kollegen lediglich in nächster Nähe direkt austauschen – zukünftig soll tech tube ihnen aber ermöglichen, Arbeitsabläufe über Abteilungen und Ländergrenzen hinweg in Echtzeit abzurufen und zu koordinieren.Derzeit können sich die Kollegen lediglich in nächster Nähe direkt austauschen – zukünftig soll tech tube ihnen aber ermöglichen, Arbeitsabläufe über Abteilungen und Ländergrenzen hinweg in Echtzeit abzurufen und zu koordinieren.

Nur positives Feedback

Auf diese Weise soll tech tube dafür sorgen, dass Know-how aus der Praxis allen Mitarbeitern zur Verfügung steht – zum Beispiel für die Qualitätskontrolle in der Fertigung. Künftig sollen die Menschen in der Produktion unter anderem Arbeitsanweisungen, Sicherheitsvorschriften sowie Hilfestellungen für die Bedienung und Wartung von Maschinen und Robotern per Datenbrille abrufen können. Auch die Kommunikation unter Fabrik-Kollegen ist damit möglich, etwa wenn ein deutschsprachiger Mitarbeiter ein Problem mit einem Werkzeug oder einem Roboter hat. „In diesem Fall könnte er beispielsweise einen spanischen Kollegen in einem anderen Werk in Echtzeit nach einer Lösung fragen“, erklärt Stolzenburg. „Im Idealfall übersetzt die Technologie wahlweise simultan oder asynchron die Antwort des Mitarbeiters im Ausland. Daran arbeiten wir zurzeit noch.“

Die ersten Tests wurden schon erfolgreich abgeschlossen. „Wir erhalten durchweg positive Rückmeldungen von den Probanden, die die Datenbrille bereits ausprobiert haben“, sagt Stolzenburg. Bald könnte sie zum festen Bestandteil eines allumfassenden Werkzeugkastens eines Facharbeiters werden.“ Die Applikation soll in den gängigsten Sprachen zur Verfügung stehen. Der Rollout der neuen Datenbrillen könnte schon 2018 starten.

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