Eine lange Tradition: Innovationskraft und Schutz des geistigen Eigentums bei thyssenkrupp

Geschichte | Innovationen | Unternehmen | Wissenswertes | Zum fünften Mal in Folge ist thyssenkrupp unter den 100 aktivsten Unternehmen im jährlichen Ranking des Europäischen Patentamts (EPA). Allein im Jahr 2019 meldete der Konzern mehr als 600 Erfindungen erstmalig zum Patent an. Mit 300 Patentanmeldungen beim Europäischen Patentamt belegt thyssenkrupp dort Platz 12 unter den aktivsten Unternehmen Deutschlands im Jahr 2019. Kein Wunder, denn Innovationskraft und Schutz des geistigen Eigentums haben eine lange Tradition im Unternehmen: Die Patentabteilung von thyssenkrupp gehört zu den ältesten des Landes.

Zum Internationalen Tag des geistigen Eigentums blicken wir auf 125 Jahre Patent-Geschichte und sprechen mit Dr. Stephan Wolke, CEO der zentralen Patentabteilung, über die Arbeit der Patentexperten im Konzern.

Die thyssenkrupp Intellectual Property GmbH wurde erst im vergangenen Jahr von der Fachzeitschrift JUVE zur besten Patentabteilung Deutschlands gewählt. Seit 2016 belegt thyssenkrupp beim EPA dank der Innovationsfreudigkeit seiner Geschäftsbereiche regelmäßig einen Platz unter den 20 aktivsten Patentanmeldern aus Deutschland. „Mittlerweile haben unsere Geschäftsbereiche mit ihren Erfindungen die Grundlage für ein Portfolio von mehr als 22.000 Patenten und Gebrauchsmustern geschaffen, um alle wichtigen Technologien von thyssenkrupp zu schützen., erklärt Stephan Wolke. Jährlich kommen weltweit rund 600 neue Erfindungen dazu.

125 Jahre Innovationskraft und Patentschutz

Und das bereits seit mehr als 125 Jahren. Im März 1895 gründete das Vorgängerunternehmen des heutigen Industriekonzerns, die Friedrich Krupp AG, das erste Patentbüro der Firmengeschichte. Bereits im ersten Jahr meldete Krupp 114 Patente an. Drei Jahre später, 1897, waren es sogar schon 260 patentierte Ideen. Und auch in den Folgejahren stieg der Bedarf am Schutz des geistigen Eigentums der Firma – im Jahr 1902 arbeiteten bereits sieben Menschen in der Abteilung.

Eine Übersicht des Patentbestands im März 1925.

Damit trug die Firma Krupp schon früh zur Entwicklung des Patentschutzes in Deutschland bei. Das Kaiserliche Patentamt in Berlin war als nationale Patentbehörde erst einige Jahre zuvor gegründet worden.“, erklärt uns Stephan Wolke. “Bis dahin war der Schutz geistigen Eigentums nicht einheitlich geregelt.Bei Krupp war man sich aber früh bewusst: Gute Ideen müssen geschützt werden.

Ein Blick ins Patentarchiv

So zum Beispiel der nahtlose Radreifen für die Eisenbahn. Dank der revolutionären Idee Alfred Krupps konnten Züge im 19. Jahrhundert erstmals mehr als 30 km/h fahren. Zuvor gingen die Räder bei diesem Tempo einfach an der Schweißnaht kaputt. Noch vor Gründung des eigenen Patentbüros, ließ Krupp seine Erfindung 1853 in Preußen patentieren, um sie vor Nachahmern zu schützen.

Bis heute findet sich die Erfindung der nahtlosen Eisenbahnradreifen im Logo von ThyssenKrupp wieder.wir auf 125 Jahre Patent-Geschichte und sprechen mit Dr. Stephan Wolke, CEO der zentralen Patentabteilung,

Unverzichtbar war auch der 1912 entwickelte Edelstahl, der mit seiner Rost-, Säure- und Hitzebeständigkeit unter anderem zur Entwicklung der chemischen Industrie in Deutschland beitrug. Was nur Wenige wissen: Auch am ersten Dieselmotor war Krupp beteiligt. Der Antrieb ist eine Gemeinschaftsentwicklung von Rudolf Diesel sowie der Maschinenfabrik Augsburg und Fried. Krupp aus dem Jahr 1897.

Welches das erste Patent überhaupt war, ist leider nicht überliefert.“, erklärt uns Wolke, umso moderner sei heute die Patentarbeit im Konzern.

Damals wie heute: Zum Schutz vor Nachahmern

Heute ist die thyssenkrupp Intellectual Property GmbH weltweit aufgestellt und beschäftigt mehr als 40 Menschen an Standorten in Deutschland, den USA und China, die mit IP-Experten und R&D-Mitarbeitern aus der ganzen Welt eng vernetzt zusammenarbeitet. Damals wie heute haben Patente vor allem ein Ziel: Sie verhindern, dass andere die eigenen Ideen unbefugt nutzen und die Innovation nachahmen. So kann der Erfinder zunächst allein von seiner Idee profitieren oder für die Nutzung Geld verlangen. Unternehmen stecken schließlich viel Zeit und Geld in ihre Forschung- und Entwicklungsabteilungen.“, sagt Wolke.

Daher schützt ein Patent die eigenen Entwicklungen, allerdings maximal für 20 Jahre.

Zusätzlich treiben Patente auch die allgemeine Innovationskraft voran, da es die Wettbewerber zwingt, Alternativlösungen zu entwickeln, um Lizenzzahlungen an den Patentinhaber zu vermeiden. Gleichzeitig sorgen Patente auch für Transparenz, da sie 18 Monate nach der Anmeldung für die Allgemeinheit veröffentlicht werden. So können es Unternehmen mit aktiver Patentbeobachtung vermieden, ein fremdes bereits vom Wettbewerb angemeldetes Patent, zu verletzen und Strafzahlungen zu erleiden.Der staatliche „Deal“ lautet: für eine bestimmte technische Lösung wird ein zeitlich begrenztes Monopol gegen Offenlegung des Lösungsweges ermöglicht.“, erklärt Stefan Wolke.

Patente verhindern also, dass an mehreren Stellen zum gleichen Problem geforscht wird und zeigen auf, wo noch Neuerungen möglich sind. Auch die Entwickler von thyssenkrupp, schauen sich den Wettbewerb genau an, bevor weiter an ein einer Lösung geforscht wird. „Um bereits im Entwicklungsprozess zu prüfen, ob nicht schon ein anderes Unternehmen ein Patent für eine technische Lösung angemeldet hat, arbeiten wir bei thyssenkrupp mit einer eigens hierfür entwickelten künstlichen Intelligenz.“, erzählt Patentexperte Stephan Wolke. Die KI kann Ergebnisse der Wettbewerbsbeobachtung mit extrem hoher Trefferquote auf Relevanz prüfen und einsortieren und spart so die kostbare Zeit unserer Entwickler.

Patente fördern und fordern

„Einmal im Jahr gehört das Thema Patente auf den Tisch eines jeden Vorstands.“, sagt Stephan Wolke. „Bei thyssenkrupp diskutieren unsere Patentprofis jährlich mit den Leitern unserer Geschäftsbereiche in zwei Stunden, wie die strategische Aufstellung mit IP die Erreichung der Geschäftsziele unterstützt.“ Das Ziel: Eine vollständige Überprüfung der Patent-Strategie je Geschäftsbereich. „Dabei fragen wir uns: Welche Technologien müssen neu – oder weiterhin – geschützt werden? In welchen Ländern ist dieser Patentschutz nötig? Wo entwickeln, produzieren oder verkaufen die Wettbewerber? Und wie viele Patente melden sie an?“, erklärt uns der Experte.

Wichtige Fragen, um die eigenen Patentschutz-Prozesse richtig und gewinnbringend auszurichten. Außerdem kümmern sich die IP-Experten bei thyssenkrupp um Wettbewerbsbeobachtungen, kontrollieren Patent- oder Markenverletzungen oder initiieren Awareness-Kampagnen und Incentive Programme für mehr Innovationskraft.

„Vorgesetzte sollen ihre Mitarbeiter ermutigen zu erfinden, sie konsequent wertschätzen und auf die Möglichkeit der Patentierung ihrer Ideen aufmerksam machen.“, erklärt Wolke das Ziel des bereits 2014 ins Leben gerufenen Inventor Incentives des Unternehmens. „Einerseits im Unternehmensalltag im Umgang, andererseits finanziell durch eine angemessene Incentivierung.“

Inventor Incentive: Ideen sollen sich lohnen

Hintergrund dieses Vergütungssystems: Das Know-how des Konzerns soll nicht nur geschützt werden, es kann sich für die Erfinder auch finanziell lohnen. „Mit einer Patentanmeldung haben sich schon Einige bei uns etwas dazu verdient“, sagt Wolke. 1.000 Euro erhalten einzelne Erfinder oder ganze Teams, die eine überzeugende technische Idee für eine Patentanmeldung bei thyssenkrupp einreichen. Geprüft werden die Erfindungsmeldungen in den Geschäftsbereichen von einem Gremium aus dem jeweiligen Leiter der Entwicklung, dem Leiter Marketing & Sales sowie einem Intellectual Property Koordinator. „So honorieren wir zeitnah, dass sich unsere Erfinder Gedanken machen“, erklärt Wolke.

Beispiele für jüngst beim Europäischen Patentamt angemeldete Patente sind Innovationen aus dem Klimaschutzprojekt Carbon2Chem, ein Verfahren für die Produktion von gewichtsoptimierten Nockenwellen sowie Verbesserungen bei Anlagen im Bergbau. Zum Internationalen Tag des geistigen Eigentums haben wir spannende Beispiele für thyssenkrupp-Patente auf unserem Blog zusammengefasst.

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