Recycle Week: Mythos oder Wahrheit? Der Faktencheck zum Abfall

Nachhaltigkeit und Klimaschutz | Wissenswertes | Was passiert mit meinem sorgfältig getrennten Müll? Am Ende wird doch alles zusammengeworfen, oder? Papiertüten sind besser als Plastikbeutel? Was ist dran an all den Mythen rund um unseren täglichen Abfall? Pünktlich zur Recycle Week klären wir sechs Fakten zum Thema.

Seit der Industrialisierung gehört die Müllentsorgung zu einem der Hauptfaktoren für die Umweltverschmutzung. Aber: Abfall ist nicht gleich Abfall. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit kennt ganze 842 verschiedene Abfallarten. Da den Überblick zu behalten ist gar nicht so einfach. Wie trenne ich was? Kann ich Bioplastik auf den Kompost werfen? Hier unsere Top sechs der Recycling-Mythen – und ihr Wahrheitsgehalt:

Recycling Mythos 1: Deutschland ist Recycling-Weltmeister

Deutschland ist in jedem Falle Europameister. Allerdings im Produzieren und Hinterlassen von Verpackungsmüll. Zu unserem vermeintlichen Weltmeistertitel kommen wir, weil in Deutschland als recycelt gilt, was in einer Recycling-Anlage ankommt – also eben auch das, was von der Anlage nicht verwertet werden kann und anschließend verbrannt oder exportiert wird.

Deutschland als das große Vorbild in Sachen Recycling? Experten hegen Zweifel – und sehen vor allem bei der Wiederverwertung von Kunststoff-Abfällen großes Verbesserungspotenzial

Deutschland als das große Vorbild in Sachen Recycling? Experten hegen Zweifel – und sehen vor allem bei der Wiederverwertung von Kunststoff-Abfällen großes Verbesserungspotenzial

Die Bundesregierung geht von einer Recyclingquote bei Kunststoffabfällen von 38 Prozent aus. Experten zweifeln diese Zahl allerdings an. Die Grünen sprechen von einer völlig falschen Berechnungsgrundlage – sie kommen auf 17,3 Prozent. Immer noch zu hoch gegriffen, sagen andere: Hennig Wilts, Abfallexperte beim Wuppertaler Institut für Klima, Umwelt und Energie, macht im Spiegel-Interview Anfang des Jahres eine schockierende Rechnung auf. 2017 wurden in Deutschland von 14 Millionen Tonnen neuem Kunststoff 0,8 Millionen Tonnen recycelt. Eine Recyclingquote von nur 5,6 Prozent. Weltmeisterlich? Wohl kaum.

Recycling Mythos 2: Am Ende wird doch sowieso alles zusammengekippt!

 Allein beim Verpackungsmüll haben die Deutschen laut Umweltbundesamt im Jahr 2016 insgesamt 18,16 Tonnen produziert. Da kommt ordentlich was zusammen.

Nein – unser sorgsam getrennter Müll wird im Müllwagen nicht wieder zusammengeschüttet. Aktuell werden in Deutschland etwa 70 Prozent der weggeworfenen Verpackungen "stofflich verwertet", also recycelt

Nein – unser sorgsam getrennter Müll wird im Müllwagen nicht wieder zusammengeschüttet. Aktuell werden in Deutschland etwa 70 Prozent der weggeworfenen Verpackungen „stofflich verwertet“, also recycelt

Die Industrie hat aber ein großes Interesse daran, bestimmte Stoffe wie Glas, Papier oder Metall zu recyceln, da diese weiter verwertet werden können. Dafür müssen sie natürlich ordentlich getrennt werden. Eine hundertprozentige Mülltrennung gibt es aber leider nicht. Etwa 71 Prozent der Verpackungsabfälle wurden laut des Bundesministeriums für Umwelt im Jahr 2016 stofflich verwertet. Mülltrennung ist also nicht ganz für die Tonne.

Recycling Mythos 3: Immer die Papiertüte und nicht die Plastiktüte nehmen?

Dieser Mythos hält sich wirklich hartnäckig. „Am Ende ist es eine Wahl zwischen Pest und Cholera“, sagt Thomas Fischer von der Umwelthilfe in einem Interview mit der ZEIT.

Papier- oder Plastiktüte – was ist besser für die Umwelt? Weder noch! Thomas Fischer von der Umwelthilfe empfiehlt Mehrweg-Taschen aus Polyester

Papier- oder Plastiktüte – was ist besser für die Umwelt? Weder noch! Thomas Fischer von der Umwelthilfe empfiehlt Mehrweg-Taschen aus Polyester

Was wohl kaum jemand gedacht hätte: die Umweltbilanz der Papiertüte fällt eher schlecht aus. Denn: das Papier benötigt bei der Produktion unglaublich viel Energie. Dazu kämen zahlreiche chemische Stoffe, mit denen die Tüte behandelt werden muss. Wer kennt es nicht: Die Papiertüte wird meist sehr schnell entsorgt, reißt schnell oder macht einem bei Regen den Gang nach Hause zur Tortur. Eine Papiertüte müsste viermal benutzt werden, um die gleiche Umweltbilanz aufzuweisen, wie eine Kunststofftüte. Und selbst die wird im Durchschnitt nur 25 Minuten lang benutzt.

Und nun? Thomas Fischer von der Umwelthilfe rät dazu, einen zusammenfaltbaren Mehrweg-Polyesterbeutel mitzunehmen.

Recycling Mythos 4: Bioplastik ist eine gute Alternative

Die Antwort ist hier ein ganz klares: Jein! In der Theorie ist kompostierbarer Kunststoff eine gute Alternative. Aber in der Praxis sieht das anders aus.

Gerhard Kotschik ist Verpackungsexperte und spricht gegenüber dem Umweltbundesamt von “einer Mogelpackung”. Der private Kompost bietet nicht die Bedingungen, damit Bio-Plastik richtig verrotten kann. Moderne Kompostieranlagen könnten das. Aber auch hier geht leider einiges schief.

Kompostierbare Plastikverpackungen sind grundsätzlich eine tolle Idee. Weil Bioplastik aber viel Zeit benötigt, ehe es sich zersetzt, ist es für die aktuelle Generation moderner Kompostieranlagen einfach zu "langsam"

Kompostierbare Plastikverpackungen sind grundsätzlich eine tolle Idee. Weil Bioplastik aber viel Zeit benötigt, ehe es sich zersetzt, ist es für die aktuelle Generation moderner Kompostieranlagen einfach zu „langsam“

Einer Stellungnahme des Fraunhofer Instituts IWKS aus dem Jahr 2018 zufolge sind moderne Kompostieranlagen viel zu schnell für das sogenannte Bioplastik. Und alles was sich nach dem Kompostierprozess nicht zersetzt hat, wird verbrannt. Bioplastik könnte also umweltfreundlich sein, wenn es von uns Menschen mehr Zeit bekäme, sich zu zersetzen. Also: Einfach mal eine gute Idee zu Ende denken.

Recycling Mythos 5: Glasflaschen werden alle zusammen geleert

Ein weiterer Irrtum, der sich hartnäckig hält. Aber wer mal die Abhol-Fahrzeuge beobachtet hat, der kommt schnell zu dem Schluss: Die kippen das allen in denselben Container.

Das Gerücht, dass Glasflaschen und Co nach der farblichen Trennung sowieso wieder zusammengepackt werden hält sich hart – ist aber genauso falsch

Das Gerücht, dass Glasflaschen und Co nach der farblichen Trennung sowieso wieder zusammengepackt werden hält sich hart – ist aber genauso falsch

Das sieht aber nur so aus. Für jede Farbe gibt es eine eigene Kammer. Das Trennen lohnt sich also auch hier. Glas wird in Deutschland konsequent recycelt, aber es gibt auch hier einen Stolperstein! Nur moderne Müllanlagen können Deckel oder Korken aussortieren. In manchen Bundesländern gehören sie daher in den Gelben Sack oder in den Wertstoffcontainer.

Recycling Mythos 6: Medikamente gehören in den Müll

Die meisten Medikament dürfen im Restmüll entsorgt werden. Zumindest, wenn es auf der Verpackung keine speziellen Entsorgungshinweise gibt. Um keinen zu gefährden (etwa Kinder) rät das Umweltbundesamt aber, sie so einzupacken, dass sie nicht sichtbar sind (zum Beispiel in Zeitungspapier).

Alte Medikamente gehören meist in den Restmüll – am besten sicher versteckt vor Kinderhänden. Arzneimittel mit Warnhinweis können an Schadstoff-Sammelstellen abgegeben werden. Und die wichtigste Regel: Unter keinen Umständen ist der Abfluss der Ort, um sich Tabletten, Pillen oder Emulsionen zu entledigen!

Alte Medikamente gehören meist in den Restmüll – am besten sicher versteckt vor Kinderhänden. Arzneimittel mit Warnhinweis können an Schadstoff-Sammelstellen abgegeben werden. Und die wichtigste Regel: Unter keinen Umständen ist der Abfluss der Ort, um sich Tabletten, Pillen oder Emulsionen zu entledigen!

Auf keinen Fall sollten alte Medikamente über das Abwasser entsorgt werden, dann können nämlich schädliche Stoffe im Grundwasser landen. Medikamente mit Warnhinweis können in fast allen Städten in Deutschland an Schadstoff-Sammelstellen abgegeben werden. Manchmal nehmen auch Apotheke alte Tabletten und Pillen zurück.

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