Mit Carbon ganz nach oben

#tkgoesPyeongChang | Ingenieurskunst | Menschen bei thyssenkrupp | Seit 2014 kooperiert thyssenkrupp mit den Rennrodel-Weltmeistern Toni Eggert und Sascha Benecken. Das Ziel ist klar: Gold in Südkorea. Dieses Mal stellen wir in unserer Reportage-Reihe über das Team hinter den Weltmeistern Christoph Pawelski vor.

Gemeinsam tragen Toni Eggert und Christoph Pawelski eine weitere Carbon-Matte hinüber zum Werktisch und legen sie vorsichtig auf die bereits laminierten und gepressten Matten der Rennrodelverkleidung. Schicht für Schicht setzen sie diese im Technikraum bei thyssenkrupp zusammen. Die fertige Verkleidung wird Teil des Schlittens, auf dem das Weltmeister-Duo Eggert/Benecken derzeit Siege beim Weltcup einfährt. Mit viel Fingerspitzengefühl und höchster Konzentration tragen sie mit Pinsel und Rollen Epoxidharz auf die Carbon-Matten auf. Jede Falte oder Beschädigung des Fasermusters könnte die Stabilität gefährden und die muss bei Geschwindigkeiten von über 120 km/h gewährleistet sein. Aber Christoph ist als Maschinenbau-Ingenieur im Fachbereich Carbon, Leichtbau & Faserverbundstoffe geübt im täglichen Umgang mit dem Werkstoff, der durch seine Leichtigkeit und Festigkeit die ideale Wahl für die Verkleidung des Rennrodels ist.

Carbon-Know-how für das Rodel-Projekt

Seit 2012 arbeitet Christoph im TechCenter Carbon Composites in Dresden und leistet Know-how-Transfer bei Projekten des gesamten thyssenkrupp-Konzerns. Denn faserverstärkte Kunststoffe sind vielseitig einsetzbar und finden bei modernen Aufzugskabinen, Flugzeugen, Felgen und auch in Rennrodeln Anwendung. Vor diesem Hintergrund war es nicht verwunderlich, dass Alex Meier, der „Head of Schlittenbau“, Christoph im März 2015 um Unterstützung bei der Optimierung und der Fertigung des Rodels von Toni Eggert und Sascha Benecken bat. Gemeinsam mit Toni besuchte er Christoph in Dresden und warb ihn für die Boxencrew an. Das Rodelprojekt faszinierte Christoph sofort und für ihn stand fest: „Da können wir auf jeden Fall was tun.“

Sportler und Ingenieur sprechen eine Sprache

Als Carbon-Fachmann hat er die entscheidenden Impulse für die Kabine des neuen MULTI-Aufzugssystems von thyssenkrupp gegeben. MULTI soll das bisher bekannte Seilsystem ablösen, es ist die Zukunft des Aufzugbaus. Als Antrieb kommt eine Magnetschwebe-technologie ähnlich der des Transrapids zum Einsatz. Durch die seillose Konstruktion können mehrere Aufzugskabinen in einem Aufzugsschacht betrieben werden. Und das sowohl vertikal als auch horizontal. Nach viel Arbeit am Schreibtisch, im Technikraum und unzähligen Tests wurde die neuartige Leichtbaukabine des MULTI dieses Jahr im Testturm vom thyssenkrupp präsentiert.

Wissen trifft Bauchgefühl

Mit so viel Expertise im Gepäck war Christoph auch genau der richtige Ansprechpartner für die Entwicklung und Umsetzung einer neuen Rennrodelverkleidung, denn neben Steifigkeit und Aerodynamik zählt vor allem eins: das Gewicht. Im Austausch zwischen dem Ingenieur und den Sportlern wurde schnell klar: „Wir sprechen eine gemeinsame Sprache.“ Also übernahm Christoph die Projektleitung im Bereich Carbon und tüftelte im thyssenkrupp-Team mit dem Technik-Ass Toni zielführende Formänderungen und Anpassungen des Aufbaus aus. „Das Ingenieurswissen musste sich mit dem Bauchgefühl der Rodler messen“, erinnert sich Christoph. Jede Anpassung im Labor wurde mehrfach im Praxistest erprobt, bis das optimale Ergebnis erreicht war.

Christoph Pawelski mit seinem Kollegen Michael Kirsch vor der MULTI-Leichtbaukabine aus Carbon.

Christoph Pawelski (rechts) mit seinem Kollegen Michael Kirsch vor der MULTI-Leichtbaukabine im Testturm Rottweil.

Zuversicht auf dem Weg zu Gold

Obwohl Christoph vor dem Rodel-Projekt keine Berührungspunkte mit dem Wintersport gehabt hatte, konnte er sich schnell für das Thema begeistern. Insbesondere durch die direkte Verbindung zum Bauteil. „Bei anderen Projekten dauert es manchmal Jahre von der Idee zum fertigen Element. Hier konnte ich das Teil sofort im Eiskanal einsetzen und habe hautnah direkt den ersten Sieg miterlebt“, freut sich Christoph. Gewinnchancen rechnet Christoph dem Rodler-Duo auch für PyeongChang aus: „Ich weiß, was thyssenkrupp kann und was die Rodler können. Toni und Sascha sind exzellente Sportler auf einem ausgetüftelten High-Tech-Rodel. Diese Kombination kann Gold holen.“

Die thyssenkrupp-Boxencrew

Seit 2014 kooperiert thyssenkrupp mit den Rennrodel-Weltmeistern Toni Eggert und Sascha Benecken. Drei Ingenieure des Konzerns bringen ihr Know-how ein, um den Schlitten jedes Jahr noch schneller und besser zu machen. Die Carbon-Verkleidung wurde weiterentwickelt, das Fahrwerk optimiert und das Herzstück des Schlittens, die Schienen, noch schneller gemacht. Zudem unterstützen zwei Kommunikationsexperten die Rodler bei ihrer Arbeit. Das Ziel ist klar: Gold in Südkorea.

Mehr über die langjährige Zusammenarbeit der Rennrodel-Duos mit thyssenkrupp erfahrt ihr hier. Ein Portrait zu unserem „Head of Schlittenbau“ findet ihr hier. Im Artikel „Der Mann für Stahl“ stellen wir unseren Fachmann für das Herz des Rodels vor.

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