Meine bessere Hälfte

Karriere bei thyssenkrupp | Menschen bei thyssenkrupp | Unternehmenskultur | Sibylle May steht auf der Liste Germany’s Top 100 out Executives 2019. Eine Liste mit lesbischen, schwulen, bi-, trans- und intersexuellen Personen aus der Wirtschaft in Deutschland, die geoutet und beruflich erfolgreich sind.

Germany’s Top 100 out Executives ist ein gemeinsames Projekt der Prout at Work Foundation und der Uhlala GmbH, das LGBTI+ als erfolgreiche Vorbilder in der Öffentlichkeit erkennbar machen will. Seit 2002 ist die studierte Diplom Elektro-Wirtschaftsingenieurin im thyssenkrupp Konzern. Nach verschiedenen Stationen ist Sibylle May seit 2018 in der thyssenkrupp Business Services GmbH verantwortlich für Standards der Shared Services HR und Teil des Lenkungskreises des LGBTI-Netzwerkes bei thyssenkrupp.

Frau May, wie landet man auf dieser Liste?

Es gibt zwei Wege, man kann sich selber vorschlagen oder man wird vorschlagen. Wird man vorgeschlagen, muss man noch zustimmen, dass man auf die Liste aufgenommen werden möchte.

Wie war es in Ihrem Fall?

Ich wurde vorgeschlagen, nachdem ich als Jury-Mitglied bei einem Wettbewerb für LGBTI Nachwuchsführungskräfte teilgenommen habe. Der Veranstalter hat vor vielen Jahren die erste Jobmesse für LGBTI-freundliche Unternehmen ins Leben gerufen und auch Veranstaltungen für die Förderung von Frauen in Führungspositionen mit initiiert – und an so einer habe ich damals teilgenommen und fand es super inspirierend. So viel Feedback zur eigenen Wirkung erhält man sonst nie. Ich fand es eine gute Sache und habe mich gerne als Jury-Mitglied zur Verfügung gestellt.

thyssenkrupp hat nichts mit der Nominierung zu tun?

Nein. Doch die thyssenkrupp AG ist seit 2016 PROUTemployer und somit ein großer Befürworter des Themas in Deutschland.

Macht es Sie stolz, vorgeschlagen und in die Liste aufgenommen worden zu sein?

Ja, sicherlich. Doch nach meinem Geschmack stehen immer noch nicht die wirklich prominenten Menschen auf der Liste, das finde ich schlimm.

Warum ist das so?

Diese Menschen machen beispielsweise Geschäfte mit Saudi-Arabien und haben als CFO Sorge, dass diese Länder nichts mehr mit ihnen zu tun haben wollen. Wenn man internationale Geschäfte macht, sind viele nicht bereit, sich auf solche Listen setzen zu lassen, da sie Schaden für ihr Unternehmen befürchten. Gerade die prominenten Menschen in der Wirtschaft netzwerken oft nur im geschützten Raum, wie im Völklinger Kreis oder den Wirtschaftsweibern.

Sie wurden auf Platz 30 der 100 Germany’s Top 100 out Executives gewählt.

Der Platz ist für mich unwichtig. Viel wichtiger wäre es, dass sich noch mehr Menschen aus der Wirtschaft outen und sich für das Thema einsetzen würden. Mal ganz salopp gesagt: Auf diesen Veranstaltungen sieht man oft dieselben Personen. Man geht davon aus, dass 5 bis 10 Prozent der Bevölkerung der LGBTI-Gruppe zugehörig sind, dann frage ich mich, wo sind die alle? Sagen wir mal, wenn nur jede hundertste Führungskraft in Deutschland dazuzählt, dann hätten sich locker mehrere Tausend auf die Liste setzen lassen müssen – und ich wäre sicherlich unter ferner liefen gelandet.

Sehen Sie sich in einer Vorbildrolle?

Weniger, ich würde eher sagen, dass ich anderen Mut machen möchte, sich zu outen und sich für das Thema zu engagieren.

Wie haben Sie Ihr Outing bei thyssenkrupp erlebt?

Anfangs habe ich immer von meiner besseren Hälfte gesprochen, weil ich auch nicht wusste, wie mein Umfeld damit umgeht. Mein Kollege baute mir damals aber ganz charmant eine Brücke und fragte einfach, wie der Urlaub mit meiner Lebensgefährtin war. Es hat lange gedauert, bis ich in meinem beruflichen Umfeld, z.B. bei Schulungen, ganz selbstverständlich von meiner Partnerin gesprochen habe. Hätten Sie mich im letzten Jahr gefragt, ob ich mich auf die Liste setzen lassen möchte, hätte ich das noch nicht gewollt.

Warum nicht?

Erst im letzten Jahr kam es durch private Ereignisse und einem Seminar dazu, anders mit dem Thema umzugehen. Wie gesagt, es war für mich ein langer Prozess.

Wie ist die Outing-Quote bei thyssenkrupp?

Auf unserer internen Social Business Plattform, genannt we.connect haben wir eine eigene Gruppe, die sogenannte Allies. Hier sind 120 Mitarbeitende aktiv; rund 25 davon würde ich als „out“ bezeichnen. Nicht alle im Netzwerk sind aktiv. Aber Engagement ist ja auch oft eine Zeitfrage. Rechnerisch müssten es in unserem Konzern mit >150.000 Mitarbeitenden um die 10.000 sein, die zur LGBTI-Gruppe zählen. Wir haben viele Leute, die sagen, das gehört nicht ins Arbeitsleben und outen sich deshalb nicht. Die Gründe für die Zurückhaltung sind natürlich sehr individuell.

Seit wann gibt es das Netzwerk?

Etwa seit vier Jahren.

Wie stärkt das Netzwerk die Sichtbarkeit und Akzeptanz des Themas im Konzern?

Wir machen am Coming-Out Day oder dem IDAHOT immer wieder verschiedene Aktionen, aber auch dieses Interview oder Postings in den Sozialen Medien sind für uns wichtig, um unsere Sichtbarkeit zu erhöhen. In und um Essen kennt man uns am ehesten, aber die Reichweite im Konzern könnte größer sein, damit wir mehr Menschen zeigen können, dass bei thyssenkrupp offen damit umgegangen wird. Und sollte das an einem Arbeitsplatz schwierig sein, man sich an uns wenden kann.

Unterstützt der Konzern die Arbeit des Netzwerks?

Sehr sogar. Wir werden von Oliver Burkhard, Mitglied des Vorstandes und Arbeitsdirektor der thyssenkrupp AG, gefördert. Immer wieder unterstützt er uns als Verbündeter in unseren Belangen. Er ist aktiver Fürsprecher und begleitet Aktionen, wie den CSD, wenn es ihm zeitlich möglich ist.

Was stellt das Netzwerk außerdem auf die Beine?

Wir planen die 4. Teilnahme mit unseren rund 350 Friends & Straight Allies beim CSD in Köln und möchten gerne bei den Eurogames 2020 in Düsseldorf erkennbar als thyssenkrupp Mitarbeitende am Start stehen. Außerdem möchten wir regionale Chapter aufbauen.

Steht schon das Team für die Eurogames?

Nein, es dürfen sich noch gerne Leute bei uns melden. Ich persönlich zum Beispiel würde gerne im Tanzwettbewerb antreten. Ich führe hauptsächlich und suche noch eine interessierte Folgende.

Unter welcher Email-Adresse kann man das Netzwerk erreichen?

lgbti@thyssenkrupp.com

Woran arbeiten Sie noch?

Aktuell arbeiten wir an der Transition-Policy. Quasi ein Leitfaden für Führungskräfte, der hilft, Mitarbeitende, die sich als Trans-Personen identifizieren, auf dem Weg ihrer Umwandlung zu unterstützen.

Vielen Dank für das interessante Interview, Frau May!

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