Lieferkette im Lockdown: thyssenkrupp Steering China lokalisiert Produktion in nur zwei Monaten

Automotive-Sektor | Ingenieurskunst | Menschen bei thyssenkrupp | thyssenkrupp weltweit | Unternehmen auf der ganzen Welt sehen sich derzeit aufgrund der Corona-Pandemie mit unvorhergesehenen Herausforderungen konfrontiert - und entwickeln kreative Lösungen, um den Anforderungen ihrer Kunden gerecht zu werden. Unsere Automobilexperten in China sind keine Ausnahme. Dank einer bemerkenswerten Zusammenarbeit mit ihren mexikanischen Kollegen konnten die thyssenkrupp Steering Werke in Shanghai und Changchun Lieferschwierigkeiten überwinden und so die Produktion zweier großer Automobilhersteller sichern.

Als wichtige Akteure in der globalen Lieferkette für Lenkungskomponenten spürten die thyssenkrupp Steering Werke in Shanghai und Changchun den Druck der Corona-Pandemie deutlich. Während große Teile der Welt im April 2020 noch mit dem Höhepunkt der Infektionszahlen rechneten, hatte China bereits die erste Phase der Krise überstanden. Das Ergebnis: Der heimische Markt litt unter den Auswirkungen des Virus auf der anderen Seite des Ozeans, obwohl die Werke im eigenen Land  wieder produzierten.

Eine kleine Komponente mit großen Auswirkungen

Auch die Automobilexperten von thyssekrupp Steering in China sahen Anfang April ihre Lieferungen in Gefahr. „Normalerweise beliefern die Kollegen aus Mexiko unsere Werke in Shanghai und Changchun mit Außenrohren für Spindeln“, erklärt Chang Fei, Logistikleiter im thyssenkrupp Steering Werk in Shanghai. „Teile, die dann hier in China weiter montiert und an unseren Kunden geliefert werden.“ Doch als das mexikanische Werk in der Lieferkette aufgrund von Präventionsmaßnahmen der hiesigen Regierung geschlossen wurde, waren die Werke in Shanghai und Changchun vollständig von ihren Lagerbeständen abhängig. Ein Bestand, der die Kundennachfrage nur einen Monat decken konnte.

Eine kleine Komponente mit großer Wirkung für den Kunden, denn die in China produzierten Rohre halten auf Kundenseite einen monatlichen Absatz von fast 50.000 Einheiten aufrecht.

Eine kleine Komponente mit großer Wirkung. Die in Mexiko und China hergestellte Rohre stellen monatlich Verkäufe von 50.000 Einheiten auf Kundenseite sicher.

„Wir informierten den Kunden und prüften weltweit, ob das Bauteil in anderen thyssenkrupp Lenkungswerken produziert werden konnte. Und auch der Kunde machte in den eigenen Anlagen eine Bestandsaufnahme der Ersatzkomponenten“, erinnert sich Yue Xingguo, General Manager im Werk Changchun. „Aber es ließ sich keine geeignete Alternative finden, die den technischen Anforderungen des Kunden entsprachen.“ Als Folge wurde thyssenkrupp als risikoreicher Zulieferer gelistet.

Teamwork über Kontinente hinweg

Die Kollegen in Changchun machten sich sofort an die Arbeit und informierten das Hauptquartier in Liechtenstein, das sich der gemeinsamen Mission anschloss und aus der häuslichen Quarantäne die Kundenkommunikation, technische Machbarkeitsanalysen und globale Lieferkettenforschung übernahm.

Das Team in Changchun spricht mit dem Kunden, um eine Lösung zu finden

„Wir wurden mit vielen Fragen konfrontiert“, erinnert sich Chang Fei. „Die hohen Anforderungen an den Produktionsprozess des Außenrohrs konnte nur die Ausrüstung in unserem mexikanischen Werk erfüllen.“ Wann könnte das mexikanische Werk wieder produzieren? Wie könnten sie die Lieferung garantieren? Wie könnten sie wirtschaftliche Verluste vermeiden?

Selbst bei Wiederaufnahme der Produktion in Mexiko wäre es sehr schwierig gewesen, so das Team, da die Maschinenkapazitäten nicht ausgereicht hätte, um das fehlende Volumen zu kompensieren und der Transport zusätzliche Luftfrachtkosten verursacht hätte.

Shanghai: Der letzte Funken Hoffnung

„Zu diesem Zeitpunkt war das Werk in Shanghai unsere letzte Hoffnung, um diese Kette von Problemen zu lösen“, erklärt Yue Xingguo. „In 2018 hat das Werk eine Maschine angeschafft, die Teile für Spindelinnenrohre herstellt und für die Herstellung von Außenrohren modifiziert werden konnte.“ Von dieser Maschine hing nun der Erfolg des Lokalisierungsplans ab.

Versuchen wir’s!

In dieser angespannten Situation zeigte Georg Hasler, Leiter der Abteilung Fertigungstechnik des Werkes Shanghai, starke Nerven und sagte „Versuchen wir’s!“.  Er leitete die Umsetzung der Produktion des Aussenrohres durch die bestehende Maschine.

Georg organisierte ein regelmäßiges Treffen des Werksteams in Shanghai

Verschiedene Teams und Experten rund um den Globus, eine Zeitverschiebung von bis zu 15 Stunden und eine wütende Pandemie machten die ehrgeizige Mission zu keiner leichten Aufgabe.

In Liechtenstein mussten die Kollegen die wirtschaftlich und technisch beste Lösung finden und analysierten immer wieder verschiedene Möglichkeiten. „Auch unsere Kollegen in Mexiko leisteten ihren Beitrag und schickten alle benötigten Ressourcen, Rohstoffe, Halbfabrikate und Werkzeuge innerhalb von nur einer Woche nach Shanghai“, erinnert sich Chang Fei.

Trial-and-Error in Dauerschleife

Sobald das Material aus Mexiko eintraf, lief die Testproduktion auf Hochtouren. Ingenieure, Techniker und Produktionsmitarbeiter arbeiteten an der Realisierung des Projekts – von der Parameterbestätigung bis hin zur Qualitätsanalyse, Kapazitätsanalyse und der technischen Kundenkommunikation. „Trial-and-Error in Dauerschleife“, erinnert sich Georg Hasler, Leiter der Abteilung Fertigungstechnik im Werk Shanghai. „In der Werkstatt herrschte reger Betrieb und alle gaben ihr Bestes, um das Lokalisierungsziel so schnell wie möglich zu erreichen.“

Mitarbeiter überprüfen die Axialumformanlage

An vorderster Front stellten sich die Kollegen der Kundenkommunikation in Changchun in täglichen Telefonkonferenzen geduldig den Frage des Kunden und gewannen langsam sein Vertrauen zurück. Dank ihres Einsatzes hat thyssenkrupp heute eine noch bessere Kundenbeziehung zu dem Automobilhersteller.

Kollegen des Planungsteams Changchun & Shanghai bei einer Telefonkonferenz mit dem Kunden
Kollegen des Planungsteams Changchun & Shanghai bei einer Telefonkonferenz mit dem Kunden

Gemeinsame Anstrengungen führen zum Erfolg

„Nach zwei Wochen Testproduktion und einer fast einmonatigen engen Kommunikation mit dem Kunden lief dann am 18. Mai endlich die erste Serienfertigung von Außenrohren in Shanghai vom Band“, sagt Georg Hasler stolz .

Nur durch den gemeinsamen Einsatz von Kollegen aus aller Welt konnte der Lieferengpass erfolgreich verhindert werden. Rückblickend ist sich Georg Hasler sicher: „Nach dieser Erfahrung können wir jede Herausforderung meistern!

Autor

Stefan
  • geschrieben von Stefan
  • 19. Juli 2020

Steer the future – well done thyssenkrupp

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