LGBTI-Netzwerk bei thyssenkrupp

Menschen bei thyssenkrupp | So bunt kann Arbeit sein

Kürzlich las ich eine Zahl, die ich nur schwer fassen konnte: 46 Prozent der LGBTI-Community, also der  lesbischen, schwulen, bisexuellen, transsexuellen und intergeschlechtlichen Menschen, wurden am Arbeitsplatz schon einmal diskriminiert! Dass in dem Bereich Aufholbedarf besteht, zeigt auch eine aktuelle Studie des Bundesverbands schwuler Führungskräfte (Völklinger Kreis): nur 50 Prozent der Unternehmen gaben an, die LGBTI-Community und ihre Interessen in den Diversity-Bemühungen zu berücksichtigen.

Ich freue mich deswegen ganz besonders, dass es seit Januar 2016 bei thyssenkrupp offiziell ein LGBTI-Netzwerk unter der Schirmherrschaft von Oliver Burkhard innerhalb des tk-Konzerns gibt. Und ich habe deswegen bei Deborah Untheim, Mitgründerin des Netzwerkes, nachgefragt, wie sich Diskriminierung am Arbeitsplatz heute äußert und was sich das LGBTI-Netzwerk bei thyssenkrupp deswegen zum Ziel gesetzt hat.

Debbie, wie kam es zur Gründung des Netzwerkes?

Anfangs waren wir nur zu dritt. Drei Kolleginnen, die sich regelmäßig zum Essen trafen und sich irgendwann fragten: wo sind die anderen? Bei 155.000  Beschäftigten konnten wir doch nicht die einzigen sein, die nicht heterosexuell waren. Irgendwann kam der Kontakt mit dem Bereich „Diversity & Inclusion“ zustande, über den unsere Stammtische allmählich größer wurden. Anfang 2016 riefen wir das Netzwerk lgbti@tk offiziell ins Leben: Personalvorstand Oliver Burkhard übernahm die Schirmherrschaft für lgbti@tk, wozu wir ihm mit einem regenbogenfarbenen Regenschirm gratulierten. Mittlerweile haben sich schon rund 30 Personen im Netzwerk zusammengefunden.

Was sind die Ziele von lgbti@tk?

Wir möchten sichtbar sein und damit Vorurteile auf allen Ebenen abbauen. Um dies zu erreichen, veranstalten wir Workshops, organisieren Podiumsdiskussionen mit Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, um so für das Thema zu sensibilisieren. Für nächstes Jahr möchten wir mit einem eigenen thyssenkrupp-Wagen auf dem Christopher Street Day in Köln teilnehmen. Wünschenswert wäre es, dass wir das Netzwerk nicht mehr brauchen, da für die  Belange der LGBTIs sensibilisiert ist und uns mit Akzeptanz im Arbeitsalltag begegnet wird. Bis dahin veranstalten wir einen regelmäßigen lgbti@tk-Lunch, zu dem auch LGBTI-Friends, also heterosexuelle Kollegen, eingeladen sind.

Wie äußern sich heute Vorurteile bei der Arbeit?

Ich habe einmal erlebt, wie ein Kollege zum Diversity sragte: „Sollen wir jetzt nur noch Schwule einstellen?“. Darum geht es ja gar nicht und das ist auch nicht, was wir mit dem Netzwerk erreichen wollen. Es sind viel mehr die kleinen Dinge, an die man im Berufsalltag nicht immer denkt. Dass man einem Kollegen oder einer Kollegin zu einer eingetragenen Lebenspartnerschaft gratuliert, zum Beispiel. Oder, dass in einem solchen Fall natürlich auch ein Tag Sonderurlaub gestattet wird. „Ist ja keine richtige Hochzeit“, gab es schon zu hören; und das ist schon eine Form von Diskriminierung. Es sollte beispielsweise auch Verständnis dafür herrschen, dass in einigen Ländern Homosexualität unter Strafe steht.

Es gibt viele Dinge, die für jeden anderen Mitarbeiter vollkommen normal sind z.B. Ehepartner zu Firmenveranstaltungen mitzubringen oder das Bild des Partners auf dem Schreibtisch zu haben. Auch für LGBTI-Community in der Arbeitswelt soll dies allmählich normal werden.

Beobachtest du eine Veränderung bei thyssenkrupp?

Wir haben uns als Netzwerk beim diesjährigen thyssenkrupp Diversity Day vorgestellt und da habe ich einige Aha-Erlebnisse bei den Kollegen und Kolleginnen wahrgenommen, vor allem aber ein großes Interesse. Viele wollen verstehen, wie sie im Alltag aufmerksamer gegenüber Kollegen und Kolleginnen werden, um Situationen zu vermeiden, die unpassend oder diskriminierend sind. Selten geschieht dies vorsätzlich, sondern eher aus Unsensibilität gegenüber dem Thema. Generell wird das Thema LGBTI in der Berufswelt immer präsenter. thyssenkrupp ist zum Beispiel Teil des „PROUTEMPLOYER“-Netzwerkes, das sich für die Belange von lesbischen, schwulen, bisexuellen, transsexuellen und intergeschlechtlichen Menschen einsetzt und dem zahlreiche bekannte Unternehmen in Deutschland angehören.

Welchen Wunsch für die Zukunft hast du?

Ich wünsche mir, dass es nicht mit Toleranz getan ist, sondern Akzeptanz Einkehr in den Arbeitsalltag erhält und niemand seine sexuelle Orientierung oder Identität am Arbeitsplatz verstecken muss.

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