Megacitys im Jahr 2030: Leben über dem Smog

Urbanisierung | Mit neuen Produkten und Dienstleistungen kann thyssenkrupp den ökologischen Fußabdruck künftiger Megacitys spürbar beeinflussen. Weil aber niemand genau vorhersagen kann, was in den nächsten Jahrzehnten geschehen wird, entwickeln wir im Foresight-Prozess stets mehrere Szenarien, die unterschiedliche Entwicklungen beschreiben. Zum Beispiel in der fiktiven Metropole Chengoho, die fest in der Hand privater Investoren ist. Dem dichten Smog entflieht die Stadt dank Lego-Ansatz hoch in den Himmel.

In Chengoho betritt gerade der Investor Li Shu den Dachgarten an der Spitze seines Wolkenkratzers und lässt seine Blicke über die Stadt schweifen. Besser gesagt: über das, was von ihr gerade zu sehen ist. Shu lebt in fast 1.200 Meter Höhe und damit weit oberhalb der Smog-Wolke, die Chengoho die meisten Tage bedeckt. Dort unten, innerhalb der Dunstglocke, wohnen Menschen, die nicht so viel Glück hatten wie Shu. Denn in der Stadt lässt sich der soziale Status leicht am Stockwerk ablesen, in dem ein Mensch lebt: Ganz unten sind die Gebäude schmucklose Mietskasernen, eingehüllt in die permanente Luftverschmutzung und den unerbittlichen Lärm der Stadt, der nie eine Pause macht.

Weiter oben, ungefähr ab dem 50. Stockwerk, lebt die Mittelschicht von Chengoho – nicht eben luxuriös, aber deutlich sicherer und geräumiger als die untere Klasse. Begegnungen zwischen den sozialen Schichten gibt es kaum. Man wohnt nicht nur auf verschiedenen Ebenen – auch der Verkehr ist hierarchisch organisiert: Dank horizontaler Verbindungen zwischen den Wolkenkratzern muss sich niemand „von oben“ mehr in das gefährliche Getümmel in den ebenerdigen Straßen wagen. Stattdessen fließt der Verkehr innerhalb der verschiedenen Schichten.

Oben Frischluft, unten Smog

Neben Shu steht die Journalistin Linda Bergsson aus Stockholm. Sie ist nach Chengoho gekommen, um ein Porträt über den milliardenschweren Investor zu schreiben und ihren Lesern in Schweden die fremde Welt der asiatischen Megacity vorzustellen. „Ist es nicht ziemlich unfair, dass Sie hier oben frische Luft genießen können, während Ihre Mitmenschen da unten im Smog husten?“, will die Reporterin wissen. „Wieso?“, entgegnet Shu mit echtem Unverständnis. „Wir sind eine funktionierende Marktwirtschaft. Jeder kann hier etwas aus sich machen, und die Regierung lässt uns dabei zum Glück vollständig in Ruhe.“ Tatsächlich hatte die Politik schon vor Jahren beschlossen, die weitere Entwicklung der Stadt weitgehend privaten Investoren wie Shu zu überlassen.

Der Lego-Ansatz: Bei Bedarf werden weitere Stockwerke aus vorgefertigten Komponenten aufgesetzt – über dem Smog und ohne ästhetisches Konzept.

Der Lego-Ansatz: Bei Bedarf werden weitere Stockwerke aus vorgefertigten Komponenten aufgesetzt – ohne ästhetisches Konzept.

Lego wird zum Baukonzept

Die Folge war ein Wildwuchs von immer größeren Gebäuden, auf die je nach Bedarf und ohne ästhetisches Konzept einfach weitere Stockwerke aus vorgefertigten Komponenten aufgesetzt wurden – ein Vorgehen, das europäische Architekten spöttisch als „Lego-Ansatz“ bezeichnen. Zu diesem Durcheinander tragen auch die ständigen Besitzerwechsel bei: Da die Gebäudeteile oft schon nach Monaten in neue Hände übergehen, sind ständig Baumaßnahmen im Gang – überall wird renoviert, neuer Wohnraum aufgesetzt oder die Fassade etwas aufgehübscht. Und wo durch Erweiterungen kein neuer Wohnraum mehr zu schaffen ist, sorgen die Abrissbirnen für freie Flächen.

Günstig statt nachhaltig

Gebaut wird nach Prozessen und mit Materialien, die seit Jahrzehnten bewährt und kostengünstig zu haben sind. Die einzige sichtbare Innovation sind die Transportdrohnen, die Material zur Spitze der Wolkenkratzer bringen und die klassischen Kräne ersetzt haben. „Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit bei Ihren Investments?“, fragt Bergsson. „Für mich ist die sofortige Wirtschaftlichkeit entscheidend“, sagt Shu. „Das bedeutet: Wer sich den Luxus neuer Materialien oder energieeffizienter Technologien leisten will, kann das alles bekommen. Jeder entscheidet selbst darüber.“

Im fiktiven Hongtsiu dagegen ist Nachhaltigkeit oberste Maxime – in unserem Beitrag „Megacitys im Jahr 2030: Grün zuerst!“ erfahren Sie mehr.

Foresight als Wegbereiter der urbanen Zukunft

Noch sind Städte wie Hongtsiu und Chengoho Fiktion. Aber es ist gut möglich, dass sie schon um das Jahr 2030 an vielen Orten vor allem in Asien wirklich werden – falls das Szenario „S.I.M. City UNLIMITED“ (Sustainable & Safe, Innovative, Market-driven) Realität wird, das Experten von thyssenkrupp auf Foresight-Workshops entwickelt haben. Neben den Themen „Zukunft der Arbeit in der Produktion“ und „urbane Mobilität“ war „Megacity Upgrading“ das dritte Thema der Foresight-Reihe, mit der der Konzern sich frühzeitig auf mögliche Entwicklungen in rund 20 Jahren vorbereitet. Im Vergleich zu den heutigen Megacitys mit ihren zehn Millionen und mehr Einwohnern könnten die künftigen Ballungsräume sogar noch bevölkerungsreicher sein – in China denkt man beispielsweise schon über Städtecluster mit mehr als 100 Millionen Einwohnern nach.

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