Kommt überall gut an: Roboter als Zimmerservice der Zukunft

Digitalisierung und Industrie 4.0 | Innovationen | Technologietrends | Urbanisierung | Eine neue Technologie von thyssenkrupp lässt Roboter und Fahrstühle in den USA jetzt miteinander in einer Cloud kommunizieren – und ermöglicht so, dass Roboter zu voll-autonomen Servicekräften in Hotels werden.

Bislang konnten Roboter nicht autonom in Gebäuden agieren – spätestens an der Aufzugstür war für sie Schluss, die Fahrt in andere Stockwerke blieb ihnen ohne menschliche Hilfe verwehrt. Damit war ihr Wirkungsbereich eingeschränkt. Die neue Schnittstelle von thyssenkrupp ermöglicht es Robotern jetzt, den Fahrstuhl wie ein normaler Fahrgast zu nutzen. Und sich damit vollkommen eigenständig in Gebäuden zu bewegen.

Hohe Nachfrage bei Hotels: Liefer-Roboter dringend gebraucht!

Die neue Technologie erweitert die Einsatzbereiche von Robotern immens. Javier Sesma, General Manager des thyssenkrupp Elevator Innovation Centers im spanischen Gijón, erklärt, dass der Launch in den USA mit dem dortigen Bedarf zusammenhängt: „Die erste Anfrage zu einer solchen Technik kam von US-amerikanischen Hotelketten. Dort bestellen immer mehr Gäste online zum Beispiel Essen beim Lieferservice oder Pakete. Die Hotels haben zunehmende Schwierigkeiten, dieses erhöhte Aufkommen mit dem klassischen Concierge-Service auf die Zimmer zu bringen und gleichzeitig effizient zu wirtschaften.“

Das Prinzip der neuen Generation Service-Roboter für Hotels ist denkbar einfach: Der Gast bestellt wie gewohnt beim Zimmerservice oder externen Dienstleistern. Die Lieferung übernimmt die Lieferung auf das Zimmer dann ganz autonom – dank Cloud-Kommunikation mit den hauseigenen Aufzügen

Das Prinzip der neuen Generation Service-Roboter für Hotels ist denkbar einfach: Der Gast bestellt wie gewohnt beim Zimmerservice oder externen Dienstleistern. Die Lieferung übernimmt die Lieferung auf das Zimmer dann ganz autonom – dank Cloud-Kommunikation mit den hauseigenen Aufzügen

Mit der neuen Schnittstelle zwischen Aufzug und Service-Roboter löst thyssenkrupp dieses Problem: Die Roboter können in einer Cloud direkt mit dem Aufzug kommunizieren und sich innerhalb des Hotels laut Javier Sesma „genau wie ein freier Mensch bewegen“. Am Zielort angekommen öffnet sich eine Klappe „im Kopf“ des Roboters – die Lieferung kann vom Gast dann einfach entnommen werden.

Dieses Prinzip unterstützt aber nicht nur Hotels. Auch viele andere Einrichtungen können ihre hauseigene Logistik durch die Flexibilität und Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit der Service-Roboter erheblich verbessern. Die Aufzugsschnittstellen können unter anderem so programmiert werden, dass sie eng mit der Reinigungskolonne oder mit den (automatisierten) Sicherheits-Systemen koordiniert werden. „Im Moment sind ganz klar zwei Stränge für uns von großem Interesse: Krankenhäuser und Hotels“, sagt Javier Sesma. Denn auch Krankenhäuser setzen immer mehr auf die mobile Unterstützung durch Roboter. Etwa bei der Lieferung von Medikamenten und Blutkonserven, auf Krankenpflegestationen, in Warteräumen und in Behandlungszimmern. Bereits im Jahr 2017 waren knapp 3.000 Service-Roboter im medizinischen Bereich im Einsatz – 73 Prozent mehr als noch 2016.

Alles in einer Cloud – hauseigene Technik und einfache Installation

Wie das funktioniert? Die gesamte Kommunikation des Aufzugs erfolgt drahtlos über die sogenannte TAC-Steuerung von thyssenkrupp. Die Schnittstelle, die nur mit der hauseigenen Soft- und Hardware kompatibel ist, kann innerhalb eines Tages installiert werden. „Der Roboter hat eine Karte des kompletten Gebäudes gespeichert, auf die er zugreifen und sich danach bewegen kann“, erklärt Javier Sesma. „Wie bei einem Menschen bringen wir dem Roboter zuerst bei, sich im ganzen Gebäude zurechtzufinden. Dafür scannt er sämtliche Räumlichkeiten und erstellt eine digitale Karte, die sich der Roboter ähnlich wie ein Mensch so gemerkt und abgespeichert hat. So kann er sich frei im Gebäude bewegen.“

Javier Sesma freut sich über das große Interesse der neuen Robo-Technologie. Der General Manager des thyssenkrupp Innovation Center in Gijón sieht vor allen in Hotels und Krankenhäusern enorme Möglichkeiten für die autonomen Helfer

Javier Sesma freut sich über das große Interesse der neuen Robo-Technologie. Der General Manager des thyssenkrupp Innovation Center in Gijón sieht vor allen in Hotels und Krankenhäusern enorme Möglichkeiten für die autonomen Helfer

Die Schnittstelle ermöglicht den Robotern genau jene Bewegungsfreiheit, die auch Bewohner, Gäste und Patienten in den Gebäuden haben. Der Aufzug wird via WLAN oder 4G LTE innerhalb einer Cloud gerufen, der Roboter bestimmt das Zielstockwerk – und der Aufzug setzt sich in Bewegung. Mithilfe eines künstlichen Sehsystems und Bildverarbeitungstechnologie kann der Roboter zudem erkennen und bestimmen, ob bereits zu viele Menschen im Aufzug sind und er warten muss. Die neue Aufzugsschnittstelle kann übrigens auch in bestehenden Aufzügen nachgerüstet werden. Mit mehr als 40 Milliarden angeschlossenen Geräten in der Cloud im Jahr 2025 und dem 5G-Standard als konnektiven Möglichmacher besteht kein Zweifel daran, dass autonome Liefer-Roboter von dieser Technologie profitieren werden.

Kevin Lavallee, CEO von thyssenkrupp Elevator Nordamerika, sieht darin jedoch nur einen ersten Schritt zum großen Ganzen: „thyssenkrupp gestaltet mit innovativen Technologien und Lösungen die Smart Cities der Zukunft und bietet mit den entsprechenden Lösungen sichere und effiziente Mobilität für jeden – auch für Roboter.”

Bisher nur in den USA im Einsatz, bald auch in Europa

Nach dem erfolgreichen Launch in den USA soll es für die Roboter schon bald auch nach Übersee gehen. Zwar kann Javier Sesma noch nicht genau sagen, wann der Startschuss in Europa fällt – der Experte sieht aber eine steigende Nachfrage nach dem Produkt auf dem europäischen Markt. „Im Jahr 2050 werden mehr als 30 Prozent der europäischen Bevölkerung älter als 60 Jahre sein und eine höhere Lebenserwartung haben. Wir gehen davon aus, dass diese Entwicklung interessante Einsatzmöglichkeiten im Gesundheits- und Tourismusbereich bietet“, so Javier Sesma. „Spanien zum Beispiel wird als eine der führenden Wirtschaften im Bereich für Tourismus und Gesundheit sehr geschätzt. Und wenn es darum geht, ob man ein Land das zweite Mal bereist, sind moderne Serviceangebote ein wichtiges Entscheidungskriterium.“

"Darf es noch etwas sein?" Im Innovation Center Gijón sind die neuen cloud-gestützten Lieferroboter bereits im erfolgreichen Testeinsatz

„Darf es noch etwas sein?“ Im Innovation Center Gijón sind die neuen cloud-gestützten Lieferroboter bereits im erfolgreichen Testeinsatz

Aber mit Europa und den USA soll auf lange Sicht nicht Schluss sein: Neue Zahlen zeigen, dass sich der Markt für Service-Roboter in den nächsten Jahren verdreifachen wird. Hier sieht auch Javier Sesma Anknüpfpunkte: „Wir haben identifiziert, dass die Technologie langfristig besonders für 300 bis 600 Meter hohe Multifunktions-Gebäude interessant sein wird. In solch großen Gebäuden, in denen Gewerbe-, Büro- und Wohnräume koexistieren, können Roboter die Effizienz der Gebäudetechnik maximieren und so die Erfahrung für Bewohner und Besucher verbessern.“

Innovation Center Gijón entwickelt auch die Wartungslösung MAX für Aufzüge

Das Team im Innovation Center in Gijón ist zudem intensiv an der Entwicklung von MAX beteiligt – einer präventiven Cloud-Wartungslösung, die bereits in mehr als 120.000 Aufzügen und Fahrtreppen weltweit eingesetzt wird. Eine weitere Technologie ist AGILE, eine Echtzeit-Überwachungsplattform zur Steuerung des Personenflusses mit künstlichem Sehsystem.

Die Zukunft der Aufzugwartung: Mit der IoT-Lösung MAX können Aufzugtechniker die Reparatur von Aufzügen angehen, noch bevor ein Problem auftritt – und sie sind bestens darüber informiert, wo der Fehler liegt und wie man ihn behebt

Die Zukunft der Aufzugwartung: Mit der IoT-Lösung MAX können Aufzugtechniker die Reparatur von Aufzügen angehen, noch bevor ein Problem auftritt – und sie sind bestens darüber informiert, wo der Fehler liegt und wie man ihn behebt

Javier Sesma ist überzeugt: „Die Kombination von Robotik und der Fach-Expertise von thyssenkrupp in den Bereichen künstliches Sehen und Echtzeitüberwachung wird der Schlüssel zu besseren Kundenerlebnissen in Hotels sein, den Patientenservice in Krankenhäusern erleichtern und die Erreichbarkeit von Menschen – und Robotern – nachhaltig verbessern.“

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