„Jedes U-Boot ist einzigartig“ – Ein Gespräch mit Dr. Anika Stein von Marine Systems

Ingenieurskunst | Innovationen | Karriere bei thyssenkrupp | Menschen bei thyssenkrupp | Bis heute sind Frauen in vielen Bereichen unterrepräsentiert - auch in Industrieunternehmen wie thyssenkrupp. Zum Internationalen Frauentag sprachen wir mit Dr. Anika Stein über ihre Leidenschaft für den Sondermaschinenbau. Als Leiterin des Bereichs Defense Systems bei thyssenkrupp Marine Systems in Kiel leitet sie ein Team von hochkarätigen Ingenieuren und Technikern. Gemeinsam mit ihren Kollegen baut Dr. Stein U-Boote. Dabei erklärt sie, warum jedes U-Boot ein einzigartiges Ergebnis von technischem Know-how und Teamarbeit ist - und warum sie ihre Karriere in einer männlich dominierten Branche verfolgt. Dabei erklärt sie, warum jedes U-Boot ein einzigartiges Ergebnis von technischem Know-how und Teamarbeit ist - und warum sie ihre Karriere in einer männlich dominierten Branche verfolgt.

Warum haben Sie sich dazu entschieden, Ingenieurin zu werden?

„Für mich verbindet der Maschinenbau Mathematik und Physik auf wunderbare Weise: Ich habe mich für ein Maschinenbaustudium entschieden, weil es beide Naturwissenschaften in der Anwendung zeigt. Aufgrund dieser greifbaren Konzentration auf die reale, physische Welt entschied ich mich schließlich für eine Karriere im Ingenieurwesen. Komplexe Zusammenhänge zu verstehen, technische Probleme zu erkennen und zu lösen, sind die Tätigkeitsfelder, die mir in meinem Beruf besonders viel Spaß machen – als Maschinenbauer kann ich etwas schaffen und entwickeln.“

Dr. Stein, Leiter des Bereichs Verteidigungssysteme bei thyssenkrupp Marine Systems, erklärt, warum jedes U-Boot ein einzigartiges Ergebnis von technischem Know-how ist.

 Wie sieht die Arbeit im Bereich des Sondermaschinenbaus aus?

„Im Bereich Sondermaschinenbau bei thyssenkrupp Marine Systems entwickeln und bauen wir hochmoderne Verteidigungssysteme. Die technischen Aspekte meiner Arbeit sind nach wie vor die des Maschinenbaus – wobei ich sagen muss, dass sich die Arbeit als Abteilungsleiterin von meiner früheren Tätigkeit dadurch unterscheidet, dass ich jetzt zunehmend strategische Aufgaben übernehme. “

 Worauf müssen Sie als Führungskraft besonderes Augenmerk legen?

„Neben fachlichen Führungsthemen geht es mir vor allem um die Weiterentwicklung meiner Abteilung. Die Anforderung seitens der Kunden an unsere Produkte steigt stetig und dafür müssen wir uns inhaltlich, aber auch strategisch sehr flexibel aufstellen. Deswegen ist mir die weitere Qualifizierung eines jeden einzelnen Teammitglieds durch fachliche Trainings, aber auch durch Coaching und gezieltes Change-Management sehr wichtig, um uns fit für die Zukunft zu machen. Das schließt mich selbst natürlich mit ein – man lernt schließlich nie aus.“

Welche Bedeutung hat denn die Team-Zusammensetzung dabei?

„Eine meiner Aufgaben besteht darin, das Team mit seinem breiten Profil an unterschiedlichen Disziplinen sinnvoll zusammenzusetzen. Um ein paar der Ingenieursgebiete zu nennen, die in unserem Team vertreten sind: Elektrotechnik, Regelungstechnik, Thermodynamik, Konstruktion und Systemintegration. Das Team so zusammenzustellen, dass die Disziplinen ausreichend abgedeckt sind und gut zusammenarbeiten, obliegt meiner Verantwortung. Das bedeutet für mich, mein Team gut zu kennen und richtig einschätzen zu können. Um das tun zu können, muss ich technisches Know-how auf diversen Gebieten mitbringen.“

Was ist, Ihrer Meinung nach, das Erfolgsrezept für gelungenes Teamwork?

„Aufeinander zugehen und gemeinsam die beste Lösung erarbeiten! Natürlich helfen dabei die eigenen Stärken und eine klare Linie, aber das bringen all meine Kolleginnen und Kollegen sowieso mit. Es ist ein Mannschaftssport, wo sich alle Mitspieler idealerweise ergänzen und jeder sein Bestes gibt. Tore werden in der Regel immer von anderen vorbereitet, ein Stürmer allein kann ein Spiel auf Dauer nicht entscheiden.“

Was macht die Entwicklung von U-Booten für Sie als Maschinenbauingenieurin besonders spannend?

„Der Bau eines U-Bootes ist eine technische Herausforderung, und ich als Ingenieurin bin jeden Tag von meiner Arbeit begeistert. Jedes Boot ist einzigartig, und mein Team und ich dürfen mit jedem Projekt technisches Neuland erkunden. Für Ingenieure, deren Beruf sozusagen von Technik, Neugierde und dem Wunsch, Neues zu lernen, lebt, ist die tägliche Arbeit im Sondermaschinenbau bei thyssenkrupp Marine Systems ein ganz besonderes Betätigungsfeld.“

Wie unterscheidet sich die Arbeit an U-Booten von anderen Ingenieurprojekten?

„Es gibt nur sehr wenige Produkte, die so viele Ingenieursdisziplinen kombinieren wie der U-Bootbau. Die Integration der Systeme im gesamten U-Boot ist eine anspruchsvolle Aufgabe – vor allem wenn man bedenkt, wie komplex und vielfältig die Systeme und Komponenten sind. Von der Brennstoffzelle für U-Boote, über die Antriebstechnik, die Schockberechnung, die Elektromotoren, komplexe Batteriesysteme und der Signaturen-Optimierung an Bord, Radar und Unterwassertelefon oder auch die Bewaffnung selbst – all dies sind Komponenten, die Teil unserer U-Boote sind. “

„Der Entwicklungsprozess muss gut sein, damit die Systeme so reibungslos und effizient wie möglich laufen, da wir nicht mehrere Prototyp-Schleifen durchführen können. Denn jedes U-Boot ist eine Sonderanfertigung. Zur weiteren Erklärung: Im U-Bootbau gibt es keine Serienfertigung wie in der Automobilbranche. Natürlich gibt es kleinere Serien, aber selbst innerhalb dieser Mini-Serien-U-Boote gibt es verschiedene Innovationen, die in jedes Unterwasserfahrzeug eingebaut werden.”

Wie gehen Sie als Team mit diesen spezifischen Herausforderungen um?

„Um die Prototypenschleifen kurz zu halten, findet im Vorfeld viel Abstimmungsarbeit innerhalb unseres Teams und mit dem Kunden statt. Darüber hinaus tragen die Erfahrung und das exquisite Know-how unserer Ingenieure und Techniker dazu bei, dass von Anfang an ein gutes und voll funktionsfähiges U-Boot entsteht. Das macht die Arbeit bei Marine Systems zu einem Traumjob für jeden ambitionierten Ingenieur. Unser Team besteht aus Ingenieuren, die auf ihrem Gebiet sehr gut sein müssen. Aufgrund der kurzen Prototyp-Schleifen muss jede Berechnung korrekt sein und jede technische Operation muss mit absoluter Genauigkeit durchgeführt werden – und zwar von Anfang an.

Welche der Technologien, an denen Sie gearbeitet haben, halten Sie für wirklich innovativ?

„Das wäre eindeutig IDAS: „Interactive Defense and Attack System“. IDAS ist ein Verteidigungssystem für U-Boote gegen Angriffe aus der Luft. Das Szenario, in dem IDAS zum Einsatz kommt, ist: Ein Hubschrauber wirft eine Suchboje ins Wasser, die das U-Boot aufspürt und es mit Leichtgewicht-Torpedos angreift. Bisher gibt es keine technische Lösung, um solchen Angriffen entgegenzuwirken. “

In diesem Bild ist ein Hubschrauber mit friedlichen Absichten zu sehen. Für den gegenteiligen Fall gab es jedoch bisher kein Abwehrsystem für U-Boote, mit dem sich die Unterwassergefährte gegen Angriffe aus der Luft schützen konnten.

„Mit IDAS haben wir nun ein Verteidigungssystem entwickelt, das es U-Booten ermöglicht, sich gegen solche Angriffe zu schützen – idealerweise bevor sie unter Beschuss geraten. Mit bestimmten Detektionsmethoden werden gegnerische Angreifer aus der Luft entdeckt, und IDAS wehrt diese ab. Der Flugkörper wird unter Wasser gestartet, durchstößt die Wasseroberfläche und wird zum Ziel, zum Beispiel dem Hubschrauber, geführt. Dies schützt das U-Boot und gibt ihm auch Zeit, unterzutauchen und sich zu verstecken, um weitere Angriffe aus der Luft zu vermeiden. “

IDAS verhilft U-Booten zu genügend Zeit, um abzutauchen und sich vor Angreifern aus der Luft in Sicherheit zu bringen.

Abgesehen von dem aufregenden Produkt, das Sie entwickeln, was macht Ihnen an der Arbeit in Ihrem derzeitigen Team am meisten Spaß?

„Was besonders zur Zufriedenheit mit meiner Arbeit als Ingenieurin bei thyssenkrupp Marine Systems beiträgt, ist die Arbeit für und mit technisch erfahrenen, informierten und interessierten Kunden. Das Engineering wird daher nicht nur isoliert vom Kunden, sondern auch gemeinsam mit den Kunden durchgeführt. Das macht meine Arbeit und die der Mitarbeiter in meinem Team sehr angenehm. Unser Kundenkontakt ist geprägt von einer gemeinsamen Begeisterung für Technik.“

Wie kann frau sich in einer Männerdomäne behaupten?

„Akzeptanz und Durchsetzungsvermögen haben meiner Meinung nach nichts mit dem Geschlecht zu tun. Bei der hohen Komplexität unserer Produkte ist wenig Platz fürs Ego – ob nun männlich oder weiblich. Was zählt ist das fachliche Können und Know-how. Denn Erfolg ist nur im Team möglich. Wir müssen gemeinsam abliefern, ganz unabhängig vom jeweiligen Geschlecht. Dabei sind neben der fachlichen Kompetenz und dem individuellen Know-how vor allem Leistungswille, Umsetzungsvermögen und ein notwendiges Maß an Verbindlichkeit unabdingbar. Wir müssen einander vertrauen und uns aufeinander verlassen können.“

Die verschiedenen Ingenieursbereiche, die am Bau eines U-Bootes beteiligt sind, ermöglichen es Dr. Anika Stein, Head of Defense Systems bei thyssenkrupp Marine Systems, in einem Team von hochkarätigen Ingenieuren aus verschiedenen Disziplinen zusammenzuarbeiten.

„Ich vergleiche unser Teamwork gerne mit dem Reitsport: Beim Springreiten wird das besonders deutlich. Sind Reiter und Pferd nicht im Einklang miteinander, wird es schnell sehr schmerzhaft. Verfolgen jedoch beide das gleiche Ziel und arbeiten zusammen, entstehen große Erfolge. Wenn es allen dabei auch noch Spaß macht, umso besser!“

Warum sollten auch andere Frauen Ihrem Beispiel folgen?

„Weil es ein Super-Job ist, was übrigens auch nichts mit dem Geschlecht zu tun hat. Unsere Produkte bestehen aus Hunderttausenden von Einzelteilen und Komponenten, kilometerlangen Kabelbahnen und hochkomplexen Systemen, die perfekt aufeinander abgestimmt sein müssen, räumlich als auch funktional.“

„Wir bewegen uns stetig in einem Spannungsfeld zwischen bewährten maritimen Schiffbaulösungen und Innovationen im Hightech- Bereich. Im U-Boot ist alles sicherheitsrelevant. Unter Wasser ist wenig Platz für Fehler. Wir tragen eine große Verantwortung und das prägt das Design unserer Systeme wesentlich. Wer sich für Ingenieurskunst auf höchstem Niveau interessiert und gerne Verantwortung übernimmt, für den ist eine Anstellung bei thyssenkrupp Marine Systems genau das Richtige!“

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Ingenieurskunst | Menschen bei thyssenkrupp | thyssenkrupp weltweit | Sie forschen an der Elektromobilität, konstruieren riesige Industrieanlagen, entwickeln Software, die Fertigungsanlagen miteinander kommunizieren lässt und arbeiten auch schon einmal an den entlegensten Orten der Welt:
Ingenieure und Ingenieurinnen sorgen für Fortschritt - und kaum ein Job ist abwechslungsreicher als ihrer. Während der offiziellen „Engineers Week“ richten wir unseren Blick auf ihren Pioniergeist und zeigen die vielen verschiedenen Gebiete, auf denen unsere Ingenieure tätig sind. Maria Kharitonova ist Ingenieurin für Versorgungstechnik (Wärme, Luft und Klima) im Anlagenbau von thyssenkrupp und sorgt selbst im tiefsten sibirischen Winter dafür, dass offene Produktionsanlagen begehbar und sicher bleiben. Maria Kharitonova erzählt uns, warum sie sich für den Ingenieursberuf entschieden hat und warum sie ihn bis heute mit viel Leidenschaft ausübt.