HoloLinc – die Mixed-Reality-Revolution im Treppenhaus

Digitalisierung und Industrie 4.0 | Ingenieurskunst | Innovationen | Vom ersten Vor-Ort-Besuch zuhause bis zum Einbau eines Treppenlifts vergingen bisher oftmals über zwei Monate. Mit HoloLinc vereinfachen wir den Prozess entscheidend. Und helfen so nicht nur unseren Ingenieuren, sondern vor allem unseren Endkunden, denn sie können ihren neuen Lift schon vor dem Einbau im Treppenhaus sehen – Mixed Reality macht’s möglich.

Eingeschränkte Mobilität hin oder her: Auch im Alter wollen die meisten Menschen weiter zuhause leben. Klar, denn vor allem in der zweiten Lebenshälfte trägt der Verbleib in der eigenen Wohnung maßgeblich zur Lebensqualität bei. Spätestens vor der eigenen Treppe wird der berechtigte Wunsch nach Selbstbestimmtheit und Mobilität in einer zunehmend alternden Gesellschaft aber zur echten Herausforderung.

Um die alltäglichen Barrieren in den eigenen vier Wänden zu überwinden, ist ein Treppenlift oft die praktischste Lösung. Das Prinzip: Ein Sessel bewegt sich über einen Zahnrad-Mechanismus an einer Schiene entlang, die auf der Treppe befestigt ist. Der Nutzer steuert die Bewegung über eine Fernbedienung. Wir bei thyssenkrupp verkaufen und installieren in Europa jedes Jahr rund 30.000 solcher Systeme – Die Tendenz steigend, weil etwa in Deutschland im Jahr 2060 auf 100 Menschen im arbeitsfähigen Alter 65 Menschen kommen, die 65 Jahre und älter sind. Zum Vergleich: Heute sind es nur 37.

Treppenlift: individuell und zeitaufwändig – bis jetzt

Während sich spektakuläre Treppenlifts wie der im saudi-arabischen Makkah Clock Tower in 601 Meter Höhe mit insgesamt sieben Drehungen ein 27 Meter langes Geländer hinaufbewegen, sind die klassischen Lösungen für Privathaushalte meist einfache Installationen über nur eine Etage. Aber auch hier ist Ingenieurskunst gefragt. Einige Hersteller setzen zwar auf vorgefertigte Bauelemente, um ihre Produkte so schnell wie möglich installieren zu können – allerdings führt das oft dazu, dass die Fahrt längst nicht so bequem ist wie bei einem individuell angefertigten Lift.

Unsere Ingenieure achten deshalb nicht nur die körperlichen Besonderheiten des Kunden, sondern beziehen auch die baulichen und statischen Eigenschaften des Treppenhauses mit ein. So ist jedes unserer Treppenlift-Systeme praktisch ein Unikat. Von der Planung bis zum finalen Einbau des Treppenlifts vergehen dadurch aber meist mindestens zehn Wochen – mit zwei Vor-Ort-Terminen und aufwändigen Planungen.

HoloLinc: den Treppenlift anschauen, bevor er gebaut ist

Zumindest bis jetzt. Denn: Unsere Datenbrille HoloLinc verkürzt die Lieferzeit auf zwei Wochen, denn der Vertriebsmitarbeiter vor Ort kann bei nur einem Besuch das komplette Treppenhaus vermessen. „Wir vereinfachen nicht nur das Ausmessen der Treppenhäuser – der Kunde kann sich auch den geplanten Lift in seinem Treppenhaus direkt anschauen“, erläutert Projektleiter Simon Feismann die Vorteile des innovativen Digital-Prozesses.

Aber was verbirgt sich eigentlich genau hinter dem Begriff „HoloLinc“? Nun, „Holo“ steht für die eingesetzte HoloLens genannte Datenbrille – „Linc“ beschreibt ihre Verknüpfung mit der intelligenten Planungssoftware des Systems. Die Planung läuft in zwei Schritten ab: Zunächst vermisst unser Vertriebsmitarbeiter präzise alle Details des Treppenhauses des Kunden. Im zweiten Schritt werden die gesammelten Daten an Microsofts Cloud-Plattform Azure übermittelt und können schließlich visualisiert werden: entweder in der Brille oder auf einem Tablet. So können wir dem Kunden direkt zeigen, wie der vorgeschlagene Lift später in seinem Zuhause aussehen wird.

Weil die eingesetzte Technologie einfach verständlich und spielerisch ist, können unsere Vertriebsmitarbeiter die nötigen Daten schnell und routiniert erfassen, erklärt Feismann. „Und die Kunden sind erstaunt, dass sie den geplanten Lift gleich ansehen können.“ Dank dieser direkten Darstellung via „Augmented Reality“ verlieren mögliche Interessenten so in vielen Fällen ihre anfängliche „Scheu“ vor der Installation eines Treppenlifts.

Mission Digitalisierung: HoloLinc als erster Schritt

Schon vor drei Jahren überlegten unsere Ingenieure bereits, wie sich dieser langwierige Prozess automatisieren und beschleunigen lassen könnte. Gemeinsam mit Microsoft und der Zühlke GmbH verknüpften sie deshalb Mixed-Reality-Technik mit einem Cloud-basierten Konfigurator. Das Ergebnis ist HoloLinc. Nach dem Rollout in vielen europäischen Ländern haben unsere Ingenieure damit das digitale Rüstzeug an der Hand, um die Welt der Treppenlifte wortwörtlich auf die nächste Stufe zu heben.

Zusammen mit Microsoft und Zühlke wollen wir die Digitalisierung aber noch weitertreiben. Unser Ziel: eine komplett digitalisierte Produktionskette, vom ersten Aufmaß bis zur Fertigung – unterstützt durch künstliche Intelligenz und weitere automatisierten Verfahren, zum Beispiel für das Design der Treppenlifte. Der Grundstein ist gelegt.

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