Beruf und Familie koordinieren

Menschen bei thyssenkrupp | Privatleben und Job in Balance zu halten, ist für viele Arbeitnehmer elementar wichtig. Wenn ein Unternehmen das nicht bietet, läuft es Gefahr, qualifizierte Leute zu verlieren. Bei thyssenkrupp System Engineering wird daher momentan ein ganzes Bündel an Maßnahmen umgesetzt, wie die Personalerin Mömke Rockmann im Interview berichtet.

Selbst wer seine Arbeit liebt, lebt nicht allein für sie. Den Beruf mit Familie oder Ehrenamt unter einen Hut zu bringen, ist für viele Arbeitnehmer der Alltag – und mitunter sehr mühsam. Die Arbeitgeber wissen längst: Mitarbeiter, die ihren Job als Bremse für private Verpflichtungen wahrnehmen, geben im Beruf nicht mehr alles. Daher haben die Beschäftigten und Führungskräfte bei thyssenkrupp System Engineering gleich ein ganzes Bündel an konkreten Zielen und Maßnahmen erarbeitet, das das Unternehmen als familienbewusst positioniert. Vom Bundesfamilien- und Bundeswirtschaftsministerium bekam es dafür das Zertifikat „audit berufundfamile“. Wir sprachen mit Mömke Rockmann, die das Thema standortübergreifend koordiniert.

Frau Rockmann, warum ist es wichtig, ein familienbewusstes Unternehmen zu sein?
Das wird gerne immer noch als Frauenthema abgetan, was natürlich Quatsch ist. Auch System Engineering mit einem Männeranteil von mehr als 80 Prozent muss familienbewusst sein. Die Zeiten, wo nur die Frau für die Kinder zuständig war, sind größtenteils vorbei. Männer müssen heutzutage ebenfalls Beruf und Familie koordinieren. Darüber hinaus bezieht sich „familienbewusst“ bei uns nicht nur auf Mitarbeiter mit Kindern, sondern auf alle, die versuchen, Arbeit und Privatleben in Balance zu bringen. Beispielsweise hat jemand mit einem ehrenamtlichen Engagement oder der einen Angehörigen pflegt, genauso den Bedarf an flexibler Arbeitszeit, wie jemand, der sein Kind von der Kita abholen muss.

Wo sehen Sie in Ihrem Unternehmen Verbesserungsbedarf?
Insgesamt hielten wir 33 Ziele mit den Prüfern fest, die wir innerhalb von drei Jahren erreichen wollen. Sie lassen sich Themenblöcken zuordnen wie Arbeitszeit, -organisation und -ort, Information und Kommunikation, Führung, Familie sowie Entgelt. Im Moment liegt ein Schwerpunkt unserer Arbeit auf Homeoffice, Kinderbetreuung in den Sommerferien und der Ausbildung von Mitarbeitern zu Pflegelotsen. Das Zertifikat erhält man also anfangs für eine Absichtserklärung: Wir müssen jedoch den Fortschritt sehr genau dokumentieren und uns alle drei Jahre einer neuen Bewertung stellen. Bei uns ist das zum März 2017 der Fall. Unter Beteiligung aller Standorte erarbeiten die Mitarbeiter bis dahin Themen, in denen wir besser werden wollen. Unsere Geschäftsführung formuliert daraus mit dem Auditor die zukünftigen Zielvereinbarungen.

Welche Vorteile bringt System Engineering das Zertifikat der beiden Bundesministerien?
Zum einen ist das Zertifikat „audit berufundfamile“ Werbung nach innen: Die Mitarbeiter sollen System Engineering als guten Arbeitgeber wahrnehmen und Wertschätzung erfahren. Zum anderen werben wir damit in Stellenausschreibungen. Das Zertifikat ist auch im Karrierebereich unserer Homepage zu sehen. Es steht für Qualität ein, ähnlich wie das TÜV-Siegel bei einem Produkt.

Fragen Bewerber in den Auswahlgesprächen gezielt nach Homeoffice oder Kinderbetreuung nach?
Ja, so ist es. Einen Beruf zu finden, der das Privatleben nicht zu sehr beschneidet, ist für viele ein zentrales Anliegen. Wenn wir das nicht bieten können, sagen uns diese Bewerber ab – und wir bekommen eventuell nicht die entsprechend qualifizierten Leute, die wir benötigen.

Wie ist die Betreuung der Kinder in den Ferien organisiert?
Die ist fast an jedem Ort unterschiedlich gelöst. Unsere Angebote richten sich in den Sommerferien an Kinder unserer Mitarbeiter zwischen sechs und zwölf Jahren. Sechs Wochen Urlaub können wenige Eltern meistern. Diese Lücke füllen wir. Entweder, in dem wir uns bei einem Anbieter für Kinderbetreuung mit Belegplätzen einkaufen. Oder ein von uns engagierter Anbieter nutzt Platz und Räumlichkeiten auf dem Betriebsgelände. Dann toben mittags in der Kantine schon einmal Kinder umher. In den vergangenen Sommerferien nutzten 160 Jungen und Mädchen, verteilt über alle Standorte, diesen Service.

Welche Funktion haben die Pflegelotsen?
Sie geben Mitarbeitern Rat, deren Familienangehörige plötzlich ein Pflegefall sind. Zu welchen Behörden muss man, welche Anträge und Formulare gibt es? Die wenigsten sind auf so einen Fall vorbereitet. Der Pflegelotse hat Adressen und Tipps parat. Aktuell bilden wir freiwillige Mitarbeiter dafür aus.

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