Megacitys im Jahr 2030: Gleichheit gegen Naturkatastrophen

Nachhaltigkeit und Klimaschutz | Urbanisierung | Mit neuen Produkten und Dienstleistungen kann thyssenkrupp den ökologischen Fußabdruck künftiger Megacitys spürbar beeinflussen. Weil aber niemand genau vorhersagen kann, was in den nächsten Jahrzehnten geschehen wird, entwickeln wir im Foresight-Prozess stets mehrere Szenarien, die unterschiedliche Entwicklungen beschreiben. Wie könnte etwa eine Metropole aussehen, die in ständiger Angst vor Naturkatastrophen lebt? Genau dieses Gedankenexperiment spielen wir in der fiktiven Stadt Pjongjong durch.

Möglichst nachhaltig zusammenleben? Die Chancen des freien Marktes nutzen? In Pjongjong stehen die Verantwortlichen vor ganz anderen Anforderungen. Hier geht es nicht darum, möglichst profitabel zu investieren – die 40 Millionen Bewohner der Stadt suchen vielmehr Schutz vor den immer häufiger auftretenden Naturkatastrophen und setzen dabei auf die zentrale Koordination aller Aktivitäten durch ihre Regierung. Individualismus und private Investoren spielen in der Megacity keine Rolle. Wohnen ist nicht Ausdruck eines persönlichen Lebensstils, sondern eine rein praktische Notwendigkeit, um die sich der Staat kümmert. Er stellt den Wohnraum zur Verfügung, der im öffentlichen Besitz bleibt und den Menschen zugewiesen wird. Verantwortlich dafür ist Elin Park, die als Ministerin für Wohnen und Infrastruktur das Milliardenbudget der Regierung für den Umund Ausbau von Megacitys wie Pongjong verwaltet.

Wohlstand bedeutet Überleben

Ein Blick auf die zahlreichen Fotos an den Wänden ihres unterirdischen Büros zeigt, wofür das Geld in den letzten Jahrzehnten ausgegeben wurde: Gleichförmige Wohn- und Bürogebäude reihen sich schier endlos aneinander – Effizienz und Langlebigkeit sind nach Meinung der Regierung anders nicht zu erreichen. „Gleichheit bedeutet Wohlstand“ steht darum auch auf den Bannern, die an vielen Fassaden hängen. Gerade diskutiert Park mit ihren Experten über die nächsten Großvorhaben in und um Pongjong. Im Süden der Stadt soll beispielsweise ein 70 Jahre altes Viertel dem Fortschritt weichen und mit der inzwischen üblichen chirurgischen Präzision abgerissen werden – Roboter zerlegen dabei die alten Gebäude und recyceln das meiste Material direkt vor Ort. „Wie viele Wohnungen werden wir dieses Mal unterirdisch bauen?“, will Park von ihrer Assistentin wissen. „Etwa 80 Prozent von 5000, also 4000“, gibt diese zurück. „Oberirdisch haben wir nur wenige Wohneinheiten, dort werden wir vor allem Einkaufsmöglichkeiten und Büros unterbringen.“

Schutz vor der Flut: Die Stadtviertel von Pjongjong stehen auf Stempeln, die im Falle von Naturkatastrophen im Boden versinken.
Schutz vor der Flut: Die Stadtviertel von Pjongjong stehen auf Stempeln, die im Falle von Naturkatastrophen im Boden versinken.

Automatischer Schutz gegen Naturkatastrophen

Das Prinzip hatte sich in den letzten 15 Jahren bewährt: Die standardisierten Wohnungen unter Tage bieten den besten Schutz, wenn das Wetter wegen der starken Klimaveränderung wieder einmal verrückt spielt und die Stadt mit starken Stürmen und sintflutartigem Regen bedroht. Die jüngste Generation der Gebäudekomplexe lässt sich komplett von der Außenwelt abkoppeln: Sobald die Sensoren ein heranziehendes Unwetter erkennen, werden Türen und Fenster automatisch verriegelt und mit stählernen Rollläden gesichert. Manche Ingenieure denken sogar über Stadtviertel auf hydraulischen Stempeln nach, die sich bei Bedarf im Boden versenken lassen. Natürlich ist auch Elin Park klar, dass man damit nur die Symptome und nicht deren Ursachen bekämpft. „Aber was sollen wir machen?“, murmelt sie beim Blick auf eine dunkle Wolkenfront am Rande der Stadt vor sich hin. „Im Moment müssen wir vor allem dafür sorgen, dass alle Stadtbewohner die nächste Naturkatastrophe überstehen.“

Foresight als Wegbereiter der urbanen Zukunft

Noch sind Städte wie Hongtsiu und Chengoho Fiktion. Aber es ist gut möglich, dass sie schon um das Jahr 2030 an vielen Orten vor allem in Asien wirklich werden – falls das Szenario „S.I.M. City UNLIMITED“ (Sustainable & Safe, Innovative, Market-driven) Realität wird, das Experten von thyssenkrupp auf Foresight-Workshops entwickelt haben. Neben den Themen „Zukunft der Arbeit in der Produktion“ und „urbane Mobilität“ war „Megacity Upgrading“ das dritte Thema der Foresight-Reihe, mit der der Konzern sich frühzeitig auf mögliche Entwicklungen in rund 20 Jahren vorbereitet. Im Vergleich zu den heutigen Megacitys mit ihren zehn Millionen und mehr Einwohnern könnten die künftigen Ballungsräume sogar noch bevölkerungsreicher sein – in China denkt man beispielsweise schon über Städtecluster mit mehr als 100 Millionen Einwohnern nach.

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