Gehörlos: Für Ingrid Bergman kein Handicap

Automotive-Sektor | Karriere bei thyssenkrupp | Menschen bei thyssenkrupp | Ingrid Bergman begeistert sich für Technik, ist handwerklich begabt – und gehörlos. Für die heute 31-Jährige kein Grund, nicht ihren Traum zu leben: Ingrid Bergman machte eine Ausbildung zur Industriemechanikerin und verstärkt seit Oktober das Team von thyssenkrupp System Engineering in Mühlacker.

„Ingrid war schon immer sehr technikinteressiert“, berichtet Mama Marianna. „Schon als Kind schraubte sie immer an Motorrädern und Autos herum.“ Gute Voraussetzungen also für eine Karriere in der Industrie. Das Handicap, von Geburt an gehörlos zu sein – für Ingrid eine Herausforderung, der sie sich stets stellte. Und die sie immer wieder überwand. „Meine Tochter hat eine starke Persönlichkeit“, stellt Marianna Bergman nicht ohne Stolz fest. Auch wenn ihre Kindheit wegen ihres Handicaps nicht immer leicht war, „sie hat sich nie unterkriegen lassen und konnte auch austeilen, wenn sie musste.“

Eine starke Persönlichkeit

Vor etwas mehr als einem Jahr schloss Ingrid ihre Ausbildung zur Industriemechanikerin ab. Ihre Bewerbungen weckten die Aufmerksamkeit von einer Hand voll Unternehmen. Doch das richtige schien nicht dabei zu sein. Bis sich thyssenkrupp System Engineering in Mühlacker meldete. Ingrid war sofort Feuer und Flamme. Der Produktionsstandort für Karosserie-Plattformen von Elektrofahrzeugen weckte ihr Interesse, Ingrid nahm die Einladung zum Bewerbungsgespräch direkt an.

Katharina Knorr aus der Personalabteilung von thyssenkrupp System Engineering erinnert sich: „Insgesamt wussten wir vor der Einladung nicht, was genau auf uns zukommt und wie die Kommunikation verlaufen würde“ – wie sich herausstellen sollte, überraschend gut. „Wir konnten in unserem Termin feststellen, dass sie dem Gespräch gut folgen kann, wenn man langsam, deutlich spricht und sie direkt anschaut. Wenn wir nicht weiterkamen, hat ihre Mutter für die Übersetzung gesorgt.“

Ingrid Bergman beeindruckte im Vorstellungsgespräch

Ingrid hinterließ einen bleibenden Eindruck. Katharina Knorr: „Besonders beeindruckt hat uns im Kennenlerngespräch ihre Motivation, die glänzenden Augen, die positive Energie und die Freude in ihrem Gesicht über unsere Einladung zum Vorstellungsgespräch und den ersten Blick in unsere Fertigungshalle.“ Weil Ingrid zu diesem Zeitpunkt noch keine praktischen Erfahrungen in einem fachlich sehr hoch automatisierten Arbeitsumfeld gesammelt hatte, konnte sie sich zunächst im Rahmen eines vierwöchigen Praktikums selbst vom neuen Arbeitsumfeld überzeugen. Für die 31-Jährige war schnell klar, dass der Job genau das Richtige für sie ist. Das deckte sich mit der Einschätzung von Fach- und Personalabteilung, die Ingrid mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag ausstatteten. „Frau Bergman hat einen qualifizierten Ausbildungsabschluss als Industriemechanikerin und wir bei thyssenkrupp schätzen einander und alle Bewerber sollen die gleichen Chancen haben. Wir haben eine sehr motivierte Mitarbeiterin für unsere Fertigung gewinnen können“, freut sich Katharina Knorr: stellvertretend für das gesamte Unternehmen.

Eine besondere Rolle übernahm Schwerbehindertenvertreter Udo Petrack, der durch seine langjährige Erfahrung und sein Engagement zu der Einstellung viel beigetragen und den Fachbereich Fertigung vorbereitet und sensibilisiert hatte.

Gelungener Start

Für mögliche Verständigungsprobleme begleitete Marianna Bergman ihre Tochter an den ersten beiden Arbeitstagen als Dolmetscherin. Doch die Kommunikation funktionierte besser als gedacht. „Am Anfang musste jeder Teamkollege in der Kommunikation mit Frau Bergman seine eigene Erfahrung machen und experimentierfreudig, offen und kreativ sein, um die richtige Kommunikationsart herauszufinden“, blickt Katharina Knorr auf den spannenden Prozess der Findung zurück. Zu Beginn der Zusammenarbeit wurde auch mal mit Händen und Füßen, mal schriftlich miteinander kommuniziert. „Mittlerweile funktioniert die Kommunikation super und alle haben gelernt, sich aufeinander einzustellen“, freut sich Katharina Knorr.

„Erst haben alle gedacht, ich könnte nicht reden“, berichtet Ingrid. „Ich habe ihnen aber erklärt: Ich bin zwar taub, aber ich kann sprechen“. Und mit einem Schmunzeln ergänzt Mama Marianna: „Sie hat geredet wie ein Wasserfall“. Die Entscheidung der Eltern, bei der Erziehung auf Gebärdensprache zu verzichten, erwies sich einmal mehr als goldrichtig.

Mittlerweile ist Ingrid in ihrem neuen Job angekommen, das gute Gefühl ist geblieben. „Ich verstehe mich mit jedem und fühle mich sehr wohl“, bestätigt Ingrid. „Es fühlt sich an, wie ein zweites Zuhause“.

 

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Autor

Christian Kutz
  • geschrieben von Christian Kutz
  • 13. Juli 2020

Ich habe diesen Artikel mit sehr viel Interesse gelesen. An diesem Beispiel hat sich gezeigt, dass Begeisterung, Engagement und Beharrlichkeit belohnt werden.
Es ist beispielgebend, dass tk hier den „Mut“ hatte, der Kollegin eine Chance zu geben. Hier hat sich gezeigt, dass die vermeintlich „Schwachen“ die Starken sind, die das Unternehmen nach vorne bringen.

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