Fährt mit Strom, klingt wie ein Rennwagen

Automotive-Sektor | Servolenkung statt Lautsprecher: unsere Kollegen aus Liechtenstein entwickeln einen Prototyp, der leise Elektroautos lauter macht.

Fahrertür auf, Schlüssel rein, Motor an. Es blubbert und vibriert wohligtief. Dann gibt man Gas und der Wagen dreht auf. Das Blubbern wird zum Brodeln, das sanfte Brummen zum kraftvollen Brüllen. Genauso klingt ein Auto, das Spaß macht. Nun gibt es allerdings ein Problem: Elektroautos, die Fortbewegungsmittel der Zukunft, brüllen nicht. Sie haben keine Zylinder, keine Ventile, Ansaugsystem und keine Abgasrohre, durch die der Motor sportlich aufbrüllt oder kraftvoll dröhnt.

Leise Autos sind gefährlich für Fußgänger, die herankommende Fahrzeuge nicht mehr hören können. Es ist aber auch für die Fahrer problematisch. Sie erhalten keine akustische Rückmeldung vom Motor, wie stark sie Gas geben. Und: Ein leises Auto macht schlicht weniger Spaß, das Fahrgefühl ist um den Hörsinn beraubt.

Geräuschumleitung statt Ghettoblaster

Autohersteller suchen seit Jahren nach Lösungen für dieses Problem. Die meisten setzen dabei bislang auf zusätzliche Klangsysteme mit speziellen Lautsprechern, eine Art eingebauter Ghettoblaster. Einen völlig neuen Ansatz verfolgen nun unsere Kollegen aus Eschen (Liechtenstein).  Ein Team aus Lenkungsingenieuren entwickelt Prototypen für ein neues Lenksystem, das zusätzliche Geräuschgeräte überflüssig macht.

„Ein Elektromotor ist ohnehin nie schallemissionsfrei. Wir bekämpfen diese Geräusche nicht, sondern gestalten sie so um, dass sie einen gewünschten Effekt erzielen.“, sagt Martin Meyer, Leiter Akustik & Simulation in Eschen.

Spezielle Software bringt die Motoren der Servolenkung zum Klingen. © thyssenkrupp

Im Tonstudio mit Magnetfeldern und Akustikforschern

Als Klangkörper nutzen die Ingenieure die elektronische Servolenkung. Sie ist nah am Fahrer, bietet durch ihre Bauweise viele Möglichkeiten und ist bereits in jedem Auto verbaut. Das spart Gewicht und Strom. Zur Erzeugung von Motorengeräuschen nutzt das vierköpfige Team um Martin Meyer magnetische Felder. Sie werden durch Software so verändert, dass der gewünschte Klang entsteht. Unterstützt werden sie dabei von Akustikforschern der Fachhochschule München.

Zunächst hat das Team einzelne Töne eingespielt und sie dann so lange bearbeitet, bis sie richtig klangen. Später wurden dann mehrere Töne miteinander kombiniert, um die Akustikprofile variieren zu können. Je nach Kundenwunsch und Fahrzeugtyp sollen sie mal härter, mal weicher, sportlich oder bequem wirken. Hörbar ist der Sound bisher nur im Innenraum des Fahrzeugs.  Es könnte bald aber auch Geräuschprofile geben, die Fußgänger hören, damit sie nicht das Auto übersehen.

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