Entspannen statt lenken

Dank digitaler Assistenzsysteme können sich Autofahrer in immer mehr Fahrsituationen entspannt zurücklehnen. Inzwischen arbeiten Entwickler weltweit sogar daran, das Lenkrad in Zukunft gänzlich überflüssig zu machen – und damit die Fahrgastzelle in eine Art zweites Wohnzimmer zu verwandeln. Was sich nach Science-Fiction anhört, nimmt bei thyssenkrupp in Budapest ganz konkrete Form an.

Zugegeben: Nach wie vor erfordert die Reise in den Familienurlaub mitunter jede Menge geistiges Durchhaltevermögen. Ein Vater, der seinen quengelnden Sohn während der Fahrt zum beruhigenden Kartenspiel einlädt? Unmöglich! Doch zumindest in Sachen Kraftaufwand fährt es sich heute schon entschieden angenehmer: Schleichende Wohnwagen auf der Autobahn überwinden moderne Fahrzeuge mit einer sanften Lenkbewegung mühelos. Zielgenaues Einparken meistern auch ungeübte Fahrer mit nur einem Finger am Steuer. Doch warum eigentlich reagiert das Lenkrad auf dem Parkplatz viel sensibler als auf der Schnellstraße? Ganz einfach: dank intelligenter Lenksysteme – entwickelt von thyssenkrupp in Budapest.

Vom Ein-Zimmer-Projekt zur erfahrenen Fachabteilung

Seit mittlerweile 18 Jahren feilt thyssenkrupp im ungarischen Entwicklungszentrum an Lenksystemen, die dank winziger Computer und künstlicher Intelligenz Fahrzeuge stets unter Kontrolle halten. Von Anfang an dabei ist Dr. László Naszádos. Damals war der heutige Abteilungsleiter einer von 15 Pionieren, die an Soft- und Hardware-Konzepten für assistiertes Fahren arbeiteten – heute arbeiten an seinem Standort rund 350 Menschen. „Die meisten von uns sind eine Kreuzung zwischen Forscher und Auto-Fans“, erklärt Naszádos. „Als wir im Jahr 1999 loslegten, mussten nicht nur das Produkt, sondern auch der gesamte Entwicklungsprozess neu erfunden werden. Damals arbeiteten alle noch in einem Raum. Mittlerweile sind wir eine richtig große Mannschaft, über mehrere Stockwerke verteilt.“ Weltweit forschen aktuell rund 600 Entwickler von thyssenkrupp daran, das Fahrgefühl immer angenehmer zu gestalten.

IAA

Das Entwicklungszentrum hat ein komplexes mechatronisches System entwickelt, das sowohl Software als auch Hardware umfasst. Dadurch erreichen die Autobauer jeweils genau das Gefühl für ihre Lenkradsteuerung, das sie haben möchten. © Gergely Szatmári

Lászlo Naszádos © Gergely Szatmári

Lászlo Naszádos © Gergely Szatmári

Computer-Power mit Feingefühl

Für die Entwicklung der komplexen mechatronischen Systeme hat das Team die Zeiten hydraulischer Servolenkungen längst hinter sich gelassen. Die modernen Lenksysteme arbeiten mit einem Elektromotor, gekoppelt an einen Computer. Der wiederum informiert den Motor darüber, wann und wie er die Bewegung des Lenkrads unterstützen muss. Dadurch erreichen die Autobauer genau das Gefühl für ihre Lenkradsteuerung, das sie haben möchten. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Fahrsicherheit: Allein dafür, dass die Lenkung zu jedem Zeitpunkt einwandfrei funktioniert, reserviert der Computer 50 Prozent seiner Rechenleistung für verschiedene Diagnosefunktionen. „Er sorgt aber auch für ein einzigartiges Lenkungsgefühl und bildet die Grundlage für die anderen Bestandteile des Lenksystems“, ergänzt der Experte. Die wegweisenden Lösungen der Software-Experten aus Budapest stecken bereits in den meisten neuen Modellen der Premiumhersteller wie Mercedes oder BMW.

Das Wohnzimmer der Zukunft

Assistierter Spurwechsel, automatisches Parken, alles schön und komfortabel. Doch abseits intelligenter Lenkungssysteme stellt sich thyssenkrupp ebenso der größten Herausforderung der Automotive-Welt – dem autonomen Fahren. Dabei beschäftigt die Spezialisten insbesondere die Frage, wie sie die Informationen der Kameras und Radargeräte, die die Sinne des Fahrers bereits jetzt oftmals ersetzen, sicher auf die Straße bringen können. Schon heute verfügen die Softwareingenieure über Versuchsträger, die unter Realbedingungen auf der Teststrecke de facto fahrerlos fahren. Damit Fahrer und Passagiere eines Tages entspannen statt lenken, E-Mails statt die Straße checken, Musik statt Verkehrslärm hören und ihre Lieblingsserie statt die Stoßstange des Vordermanns sehen. Dank der Entwicklungsarbeit in Budapest ist das mobile Wohnzimmer keine unerreichbare Utopie mehr. Das könnte auch die Fahrt in den Familienurlaub zukünftig deutlicher angenehmer machen.

 

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Auf dem #engineered-Blog berichtet thyssenkrupp in den Wochen bis zur IAA über Themen, mit denen das Unternehmen die Zukunft des Automobils mitgestaltet. Schließlich bietet der Konzern seit über 100 Jahren Automotive-Lösungen, die immer wieder wegweisend für die Geschichte des Automobils waren. Auf der IAA 2017 konzentriert sich thyssenkrupp dabei insbesondere auf vier Innovationsthemen: intelligente Fahrwerke, Elektromobilität, autonomes Fahren sowie innovative Montage- und Herstellungsverfahren. In den kommenden Wochen stellen wir Menschen vor, die an zukunftsweisenden Produkten und Werkstoffen bauen, zeigen erfolgreiche Kooperationen mit großen wie kleinen Kunden und gewähren exklusive Einblicke in die Zukunft des Unternehmens thyssenkrupp. https://www.thyssenkrupp.com/automobil