Ein Pilotprojekt, das Schule macht

Ausbildung bei thyssenkrupp | Karriere bei thyssenkrupp | Ein innovatives Pilotprojekt gegen den Fachkräftemangel entwickelt sich bei thyssenkrupp in den USA zum Erfolgsmodell. Im letzten Sommer ging das duale Jugend-Ausbildungsprogramm „Youth Apprenticeship Program“ bei thyssenkrupp in Danville, Illinois, bereits in die fünfte Runde.

Um das produzierende Gewerbe machten viele Einwohner im Vermilion County in Illinois lange Zeit einen großen Bogen. In den 90er Jahren mussten in der Gegend viele Fabriken schließen, tausende Jobs gingen verloren. „Es war klar, dass die Eltern ihren Kindern von einer Laufbahn im produzierenden Gewerbe abraten würden“, erzählt Donnie Robinson, Head of Learning & Development bei thyssenkrupp Presta. Qualifizierte Arbeitskräfte waren schwer zu bekommen, die Fluktuation auf hohem Niveau. Der damalige CEO, Mario Gropp, trat 2013 die Flucht nach vorn an: Ein zweijähriges, bezahltes Ausbildungsprogramm sollte Jugendlichen eine Karriere bei thyssenkrupp schmackhaft machen.

Mit Erfolg: Letzten Sommer startete bereits der fünfte Jahrgang eine Art duale Ausbildung nach deutschem Vorbild – für die Region ein einmaliges Pilotprojekt. Jetzt dürfen pro Jahrgang zehn Highschool-Absolventen im ersten und zweiten Jahr bei thyssenkrupp Werkluft schnuppern. Morgens besuchen sie die Schule, nachmittags lernen sie abwechselnd am College für einen Abschluss im Bereich Metallverarbeitung und arbeiten bei thyssenkrupp.

Zwischen sechs und zehn Stunden pro Woche verbringen die Jugendlichen im Werk. Dabei lernen sie sechs Abteilungen kennen, von der Produktion über die Qualitätssicherung bis hin zur Logistik. „So können die Auszubildenden herausfinden, welcher Arbeitsbereich ihren Interessen am meisten entspricht“, sagt Robinson. Ziel des Projektes: die jungen Leute dauerhaft an das Unternehmen binden.

Nicht nur bei den Jugendlichen stößt das Programm auf große Resonanz. Auch die örtlichen Schulen und die Wirtschaftsförderung „Vermilion Advantage“ ließen sich von dem Modell überzeugen – und gingen mit thyssenkrupp eine Partnerschaft ein. „Das Besondere an unserem Projekt: Der Antrieb kommt von Unternehmensseite“, sagt Robinson.

Musste thyssenkrupp anfangs noch kräftig die Werbetrommel rühren, sind die besten Werbeträger inzwischen die Teilnehmer des Programmes selbst. Am Tag der offenen Tür führen die Jugendlichen Interessenten durch das Werk – und sprühen dabei vor Begeisterung. „Die Erfahrungsberichte und der Stolz unserer Auszubildenden wirken schon für sich als Personalwerbung. Ihre Begeisterung ist ansteckend – und genau das wollen wir erreichen“, erzählt Robinson. Zusätzlich trage der unermüdliche Einsatz der Programmkoordinatoren an den Schulen zum wachsenden Interesse an dem Projekt bei.

Der Erfolg der Absolventen kann sich sehen lassen. Viele wurden im Anschluss an das Programm von thyssenkrupp fest eingestellt. Andere setzen ihre Ausbildung im Fertigungsbereich fort. Zu ihnen hält thyssenkrupp den Kontakt – um sie später als Mitarbeiter zurück zu gewinnen.

Nach Überzeugung von Mario Gropp eignet sich das Youth Apprenticeship Program auch für andere Unternehmen – selbst wenn die örtlichen Ausbildungssysteme das nicht vorsähen. Das produzierende Gewerbe müsse selbst für qualifizierten Nachwuchs sorgen. Wichtigste Voraussetzung: „Es muss von der Führungsebene ausgehen! Aktive Überzeugungsarbeit, nicht nur einfache Unterstützung, ist absolut notwendig“, so Gropp.

Ohnehin könnten Modelle wie das Youth Apprenticeship Program in den USA bald Schule machen: Beim Besuch von Kanzlerin Angela Merkel in Washington zeigte sich US-Präsident Donald Trump vom Dualen Ausbildungssystem angetan – und beauftragte sein Team, ein ähnliches Modell zu entwickeln.

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