Ein großer Schritt nach vorn

thyssenkrupp hinterlässt Spuren im Klimaschutz: So jedenfalls sah es aus, als Technologiechef Dr. Reinhold Achatz seinen Fuß erst auf eine druckergeschwärzte Platte drückte und dann auf einen weißen Bogen Papier setzte. Aufmerksame Beobachter der Zeremonie waren NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und NRW-Umweltminister Johannes Remmel.

Der Hintergrund: Carbon2Chem, eines der größten Forschungsprojekte von thyssenkrupp, ist in die KlimaExpo.NRW aufgenommen worden. Die KlimaExpo ist eine Initiative der NRW-Landesregierung. Sie will erfolgreiche Klimaschutz-Projekte aus dem Land bekannt machen.

Ziel unserer Initiative Carbon2Chem® ist es, Hüttengase aus der Stahlproduktion als Ausgangsstoff für chemische Produkte zu nutzen – einschließlich des darin enthaltenen CO2. Weitere Infos gibt es hier.

Die Initiative ist auf acht Jahre angelegt und soll mindestens 1.000 solcher Beispiele sammeln – also 1.000 Schritte in die Zukunft tun. Dr. Achatz´ Schuhabdruck markiert den 221. Schritt auf dem Weg zu einem klimafreundlichen Nordrhein-Westfalen.

Hannelore Kraft, die schon beim ersten Spatenstich für das Carbon2Chem Technikum im November 2016 in Duisburg Bekanntschaft mit dem Projekt gemacht hatte, sagte: „Carbon2Chem ist ein visionärer Ansatz, der mich tief beeindruckt.“

Carbon2Chem leitet bedeutenden Beitrag zum Klimaschutz

Bei dem Projekt geht es darum, Emissionen aus Stahlwerken, so genannte Hüttengase, in wertvolle chemische Rohstoffe umzuwandeln. Umgewandelt wird dabei auch das in den Hüttengasen enthaltene CO2. Damit leistet Carbon2Chem einen bedeutenden Beitrag zum Klimaschutz. Außerdem unterstützt es die Energiewende, denn für die chemischen Prozesse wird Überschussstrom aus erneuerbaren Energien eingesetzt. Das Projekt ist auf zehn Jahre angelegt und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Ein großer Schritt nach vorn: Dr. Reinhold Achatz

Ein großer Schritt nach vorn: Dr. Reinhold Achatz

Technologiechef Dr. Reinhold Achatz

Technologiechef Dr. Reinhold Achatz

Hüttengase als Rohstoff für Chemikalien

Hüttengas enthält unter anderem Wasserstoff und Stickstoff. Kohlenstoff kommt darin ebenfalls in großen Mengen vor: als Kohlenmonoxid (CO), als Kohlendioxid (CO2) und als Methan (CH4). Kohlenstoff, Wasserstoff und Stickstoff sind die Basis für zahlreiche chemische Produkte. Hüttengas besteht aus 44 Prozent Stickstoff, 23 Prozent Kohlenstoffmonoxid, 21 Prozent Kohlendioxid, 10 Prozent Wasserstoff und zwei Prozent Methan. Aus Stickstoff und Wasserstoff lässt sich Ammoniak herstellen. Aus Ammoniak wiederum wird Mineraldünger, die Voraussetzung für die Ernährung eines Großteils der Weltbevölkerung. Das so genannte Haber-Bosch Verfahren hierfür gibt es schon seit 1910. Die chemische Reaktion verläuft bei einem Druck von 200 bis 300 bar und einer Temperatur von 350 bis 450 Grad Celsius. Ein Katalysator beschleunigt die Umwandlung.

Carbon2Chem® macht die Stahlproduktion klimafreundlicher

Kohlenstoff ist ein Grundstoff für die Chemie. Das gilt auch für Kohlendioxid. Bei der Chemieproduktion können wir einen großen Teil des CO2 nutzen. Das klimaschädliche Gas wird nicht mehr in die Luft abgegeben. Kohlendioxid ist ein unvermeidliches Nebenprodukt der Roheisenerzeugung. Chemisch gesehen ist das Stahl-Ausgangsmaterial Eisenerz ein Eisenoxid, das heißt eine Verbindung aus Eisen und Sauerstoff. Um daraus Eisen zu gewinnen, müssen die beiden Bestandteile voneinander getrennt werden. Dafür braucht man Kohlenstoff: Er verbindet sich mit dem Sauerstoff zu Kohlenmonoxid und schließlich zu Kohlendioxid. Das Eisen wird frei.

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