Die Top Tech-Trends 2020: Von Multiexperience bis Human Augmentation

Digitalisierung und Industrie 4.0 | Ingenieurskunst | Innovationen | Smart Factory | Technologietrends | Zukunft der Produktion | Nie zuvor hat sich die Technologie so schnell entwickelt, wie heute. Ein Trend jagt den nächsten – auch im Jahr 2020. Die analoge und die digitale Welt verschmelzen, riesige Datenmengen bilden die Grundlage für punktgenaue Produktionsentscheidungen, Unternehmen wachsen digital zusammen, Produkt und Produktion stehen im digitalen Dialog – das sind die Industrie 4.0. Top Tech Trends des Jahres 2020 – und wie thyssenkrupp sie bereits nutzt.

Die wichtigsten Technologietrends im Überblick

1. Hyperautomatisierung – Industrie 4.0 auch bei thyssenkrupp

Zu den Top-Technologie-Trends für 2020 gehört unter anderem die Hyperautomatisierung. Klingt nach Science-Fiction, bedeutet aber, dass Maschinen noch viel mehr an Automation gewinnen und sich dabei noch stärker mit Menschen oder anderen Maschinen vernetzen.

Bereits 2017 haben die Experten unseres Materialgeschäfts begonnen, den Maschinenpark digital zu vernetzten. Dabei kommt die selbst entwickelte IIoT-Plattform „toii“ zum Einsatz. Toii – schafft sowohl die Vernetzung von Maschinen verschiedener Generationen und Hersteller untereinander als auch zwischen Maschinen und IT-Systemen – und das standortübergreifend und weltweit. Ziel ist es, Produktionsprozesse transparent zu machen, damit Qualität und Performance zu steigern und gleichzeitig immer mehr Prozesse zu automatisieren.

Der nächste Schritt ist nun die Plattform in Zukunft auch anderen Industrieunternehmen zur Verfügung zu stellen. „Wir haben toii von Anfang an nicht als Projekt, sondern als Produkt gebaut“, so Axel Berger, Head of Digital Transformation der Materialsparte von thyssenkrupp.

2. Multiexperience – Die Welt mit anderen Augen sehen

Wer schon mal ein PC-Spiel mit einer Virtual Reality Brille erlebt hat, der weiß, wovon hier die Rede ist. Die Multiexperience ist einer der wichtigsten Trends, die die User Experience in ganz verschiedenen Bereichen des täglichen Lebens revolutionieren wird. Virtual Reality (VR), Augmented Reality (AR) und Mixed Reality (MR) verändern die Art und Weise, wie wir unsere Welt – und die digitale Welt – wahrnehmen. Hier werden in den nächsten Jahren neue Maßstäbe gesetzt.

Dass Virtual Reality-Brillen in Zukunft nicht nur für die Unterhaltungsbranche relevant sind, zeigt die „HoloLens“ – unsere Industrie-4.0-Lösung für Mess- und Lieferprozesse. Soll z.B. ein Treppenlift in einem Privathaushalt installiert werden, setzen unsere Kundenberater auf die HoloLinc-Technologie. Mit ihr können wir das Treppenhaus genauestens vermessen und so die Lieferzeit um das Vierfache reduzieren.

3. Demokratisierung von Fachwissen – sind wir bald alle IT-Cracks?

Durch digitale Lösungen werden umfangreiche Schulungen laut Experten künftig hinfällig. Fachwissen wird demnach viel einfacher zugänglich sein, für jeden, überall und nicht nur in Institutionen wie Universitäten. Möglich ist das durch leicht verständliche Tools, mit denen Laien etwa komplexe Designs erstellen oder codieren können.

So hat Google bereits eine App konzipiert, um Menschen ein ortsunabhängiges Lernen der Basics von HTML, CSS und JavaScript zu ermöglichen. Coding für Anfänger sozusagen. Auch das Lernen von komplexen Sachverhalten könnte in Zukunft überall und zu jederzeit auf der Welt möglich sein.

4. Human Augmentation – Technik im menschlichen Körper?

Bei Human Augmentation denken wir gerne an Science-Fiction- oder Agentenfilme, in denen sich die Helden einen Chip in die Hand transplantieren lassen, um immer erreichbar zu sein. Ganz so tiefgreifend wird die Entwicklung zu Human Augmentation wohl noch lange nicht sein, aber die Implantation von Technologie in den menschlichen Körper wird in den nächsten Jahren weiter fortschreiten. Das Ziel von Human Augmentation: kognitive und physische Verbesserungen der menschlichen Erfahrung.

In Schweden trägt zum Beispiel schon jetzt jeder fünfte Mitarbeiter eines Tochterkonzerns der TUI einen Mikrochip in der Hand und nutzt ihn für die tägliche Arbeit. Das berge Chancen, sagt Geschäftsführer Alexander Huber: „Bei uns hat jeder Mitarbeiter einen Spind, in den er abends seine Sachen einschließen kann. Die Fächer lassen sich mit dem Chip nutzen. Außerdem können Sie die Drucker aktivieren. Ich schätze es sehr, dass ich damit die Türen am Eingang und im Gebäude öffnen kann. Meine Hand vergesse ich schließlich nie.“

5. Autonome Mobilität – Fahren wir bald vollautomatisch?

Auch im Straßenverkehr werden Mensch und Roboter mehr und mehr gemeinsam ans Ziel kommen. Ein Baustein zur Verwirklichung dieser Vision sind die sogenannten „Steer-by-Wire“-Systeme. Dabei handelt es sich um Lenkungen, die ohne durchgehende mechanische Verbindung zwischen Lenkrad und Rädern auskommen. Der Lenkbefehl wird wie in Flugzeugen rein elektrisch übertragen.

Wenn zukünftig auf längeren Strecken tatsächlich der Autopilot das Steuern übernimmt, ermöglicht „Steer-by-Wire“ aufgrund der fehlenden mechanischen Zwischenebene ein Versenken bzw. Herausfahren des Lenkrades ins Cockpit. So kann der Fahrer den Raum vor sich bald wirklich für ganz andere Dinge nutzen. Für dieses Szenario haben unsere Experten sogar schon eine versenkbare Lenksäule entwickelt.

Auf Versuchsträgern hat thyssenkrupp „Steer-by-Wire“ Systeme bereits getestet. Zusammen mit den Kunden arbeiten die Lenkungsexperten nun daran, diese Technologie zur Serienreife zu entwickeln. Bis es so weit ist, lässt sich die Gegenwart (noch) mit Lenkrad erfahren.

Ein weiteres Beispiel sind die autonomen Fluggastbrücken unserer Aufzugs-Experten. Diese intelligenten Lösungen vereinfachen komplizierte und zeitaufwendige Abläufe, vermeiden Fehler und ermöglichen ein reibungsloses Erlebnis für Fluggäste. Zudem optimieren sie die Standzeiten von Flugzeugen am Gate.

6. Transparenz und Rückverfolgbarkeit – Unsere Daten sind Gold wert

Verbraucher sind sich zunehmend bewusst, dass ihre persönlichen Informationen wertvoll sind und Kontrolle erfordern. Unternehmen erkennen das steigende Risiko der Verwaltung personenbezogener Daten an – die Datenschutzverordnung ist nur ein Beispiel. Unser Leben findet zunehmend im Netz statt. Die Anforderungen an digitale Ethik und Datenschutz werden daher auch 2020 ein wichtiges Thema sein.

Auch im Industrial Data Space bei thyssenkrupp spielt der Schutz von Daten eine Rolle, aber auch wie übergreifende Zusammenarbeit zwischen Unternehmen oder Institutionen trotzdem stattfinden kann. Der Industrial Data Space ist eine Initiative mit dem Ziel, einen sicheren Datenraum zu schaffen, der Unternehmen verschiedener Branchen und aller Größen die souveräne Bewirtschaftung ihrer Datengüter ermöglicht. Der Nutzen für unser Unternehmen, Kunden und Partner: Wettbewerbsvorteile durch neue Geschäftsmodelle, smarte Produkte und Dienstleistungen. Zum Beispiel, wenn Kunden, Lieferanten und Logistikdienstleister ein digitales Ökosystem bilden, in dem alle jederzeit über den aktuellen Standort, den Zustand und den Warenbedarf informiert sind.

7. Empowered Edge – Daten an Ort und Stelle

Beim Edge Computing geht es darum, Datenströme ressourcenschonend zumindest teilweise an Ort und Stelle (z. B. direkt am Endgerät oder innerhalb einer Fabrik) zu verarbeiten, aber trotzdem von den Vorteilen der Cloud zu profitieren. Dieser Ansatz erfordert den Einsatz von Ressourcen, die nicht permanent mit einem Netzwerk verbunden sind wie Controller, Notebooks, Smartphones, Tabletcomputer und Sensoren.

Das bedeutet, dass das Datencenter, auf das der Nutzer mit seinen Devices zugreift nicht irgendwo auf der Welt in Form einer Cloud liegt, sondern direkt an Ort und Stelle. Edge Computing bezeichnet die dezentrale Datenverarbeitung am Rand eines Netzwerks, der sogenannten Edge.

8. Distributed Cloud – Die Cloud um die Ecke

Wenn wir heute etwas in eine Cloud hochladen, dann wird diese meist mehrere tausend Kilometer weit entfernt gehostet. Die Folge? Lange Ladezeiten beim Transfer großer Datenmengen. Das wird sich ändern. Mit der Distributed Cloud wird es zukünftig viele Clouds an vielen Orten geben – also näher an den Geräten der Nutzer. Dadurch können sie schneller auf große Datenmengen zugreifen. Vor uns liegt also eine neue Ära des Cloud-Computing, auf die sich die großen Cloud-Dienste einstellen müssen.

Ein thyssenkrupp-Tool aus dieser Kategorie ist MAX. Über zwölf Millionen Aufzüge bewegen weltweit täglich mehr als eine Milliarde Menschen. Aufzüge sind somit das meistgenutzte Transportmittel weltweit – noch weit vor Autos, Bahnen, Bussen oder Flugzeugen. Eine hohe Nutzung bedeutet häufig aber auch einen schnellen Verschleiß – um Ausfällen vorzubeugen, haben wir deshalb gemeinsam mit Microsoft „MAX“ entwickelt.

MAX kontrolliert und analysiert laufend alle Daten des Aufzugs: Wie schnell schließt sich die Tür? Wie schnell beschleunigt der Aufzug? Und: Wie ist der Zustand aller Komponenten? Die Antworten auf diese Fragen werden als Daten in die eigene Cloud geschickt und dort analysiert. Kommt es zu Auffälligkeiten, werden die Daten mit allen verfügbaren Werten der gesamten thyssenkrupp-Aufzugsbasis verglichen. So kann der Aufzug repariert werden, bevor er stillsteht. Ausfallzeiten werden minimiert.

9. Practical Blockchain –  Weniger Korruption bei Geldgeschäften?

Korruption bekämpfen? Zukünftig kann das am einfachsten durch transparentere Transaktionen laufen. Die Transaktionsabwicklungszeiten sollen außerdem schneller werden und Vermögenswerte sollen mit Blockchain bis zu ihrer Herkunft zurückverfolgt werden. Das würde die Möglichkeiten für Substitutionen mit gefälschten Waren erheblich verringern.

Die Rückverfolgung von Vermögenswerten kann auch auf andere Bereiche übertragen werden, z. B. bei der Rückverfolgung von Lebensmitteln in einer Lieferkette, um den Ursprung einer Kontamination leichter zu identifizieren, einzelne Teile zu verfolgen oder um Produktrückrufe zu unterstützen.

„Der globale Austausch von Daten, darunter auch streng vertrauliche Informationen wie Konstruktionsdateien, wird in der industriellen Produktion immer wichtiger“, erklärt Dr. Joachim Stumpfe, Innovationsexperte bei thyssenkrupp.

10. Künstliche Intelligenz – Risiken und Nebenwirkungen

Künstliche Intelligenz (AI) und maschinelles Lernen (ML) werden auch 2020 an Bedeutung gewinnen, z.B. um die Entscheidungsfindung des Menschen zu verbessern. Während die Zusammenarbeit von Mensch und Roboter große Chancen bietet, ergeben sich auch Risikofaktoren. Somit werden 2020 neue Anforderungen an Sicherheitsteams und die Risikoverantwortlichen in Firmen und großen Unternehmen – wie unserem – entstehen.

Künstliche Intelligenz findet bei thyssenkrupp u.a. im Logistikbereich Anwendung. Seit Anfang des Jahres nutzen wir die KI „alfred“ im Materialgeschäft, z.B. um unsere Logistik zu optimieren. Die nach Alfred Krupp benannte KI soll unter anderem dabei helfen, die mehr als 250.000 weltweiten Kunden besser zu bedienen. Dazu optimiert „alfred“ beispielsweise die Auslastung von Maschinen und Transportern, um Materialien schneller an die richtigen Standorte zu verteilen.

Die Top Tech-Trends: Alles eine Frage der Zeit

Wie schnell sich die verschiedenen Trends durchsetzen werden und in welcher Form sie in unserem Alltag stattfinden werden, ist noch nicht abzusehen. Die Top Tech Trends 2020 zeigen aber: Es wird sich viel verändern und die Industrialisierung 4.0 ist auch bei uns in vielen Bereichen und Projekten bereits sichtbar.

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