Der Mann für Stahl

Ingenieurskunst | Menschen bei thyssenkrupp | Seit 2014 kooperiert thyssenkrupp mit den Rennrodel-Weltmeistern Toni Eggert und Sascha Benecken. Das Ziel ist klar: Gold in PyeongChang. Im zweiten Teil unserer Reportage-Reihe über das Team hinter den Weltmeistern stellen wir Michael Linnepe vor.

Es war kein alltägliches Unterfangen, als sich Michael Linnepe im Sommer 2017 mit einem hochgenauen 3D-Scanner auf den Weg nach Ilsenburg machte. Der Trip in die Mitte Deutschlands war ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zu Gold bei den olympischen Winterspielen 2018, denn dort traf er zum ersten Mal auf Rennrodler Toni Eggert. Der Weltmeister im Doppelsitzer hat sich in Ilsenburg eine eigene Werkstatt eingerichtet, in der er stetig an seinem Rennrodel und dessen Komponenten arbeitet. Michael war angereist, um die Stahlschiene, das Herzstück des Schlittens, Millimeter für Millimeter zu vermessen. Daraus entstand erstmalig ein komplexes virtuelles 3D-Modell, mit dessen Hilfe Toni Eggert zukünftig die optimalen Schienenvarianten für alle Witterungs- und Eisverhältnisse entwickeln kann. Den passenden Stahl dafür hatte Toni bereits im Vorjahr bei thyssenkrupp gefunden – kaum Reibungswiderstand, gut zu bearbeiten, höchstmögliche Geschwindigkeit.

Vom Rohmaterial zum perfekten Produkt

Michael Linnepe ist nicht nur das neueste, sondern auch das ‚härteste’ Mitglied der Boxencrew, zumindest in Anbetracht seines favorisierten Werkstoffs: Er ist der Fachmann für Stahl. Bei thyssenkrupp in Dortmund ist er als Projektleiter Technologie & Innovation das Bindeglied zwischen Produktentwicklung und Endkunden. Er trägt dafür Sorge, dass die Stahlprodukte letztendlich auch genau den Anforderungen und Erwartungen der Auftraggeber, die in erster Linie aus der Automobilbranche kommen, entsprechen. „Meine Arbeit ist sehr abwechslungsreich. Neben meinem Arbeitsplatz im Büro bin ich oft im Labor, zum Beispiel bei Messungen oder Umformversuchen. Aber ich stehe auch im steten Kontakt zu Kunden oder Instituten und komme somit viel rum“, erklärt Michael.

Aus dem Labor in den Eiskanal

Während für die Rodler mit Weltcup, EM und olympischen Spielen gerade die heiße Phase startet, war das Vermessen für den Ingenieur lediglich der erste Schritt der Zusammenarbeit. Er will langfristig einen Prozess etablieren, der es ermöglicht, die Schienen zunächst komplett maschinell fräsen zu lassen. Dieses Verfahren würde Toni künftig monatelange Handarbeit ersparen und mehr Zeit für das Training bieten. „Das ist für mich auch der besondere Reiz am Rodelprojekt, unser technisches Stahl-Know-how in eine so ursprüngliche Sportart einzubringen“, sagt Michael. „Und mich treibt dieser Formel-1-Gedanke an: Immer noch eine tausendstel Sekunde herausholen zu wollen und die Prozesse technisch zu optimieren.“

Die Wahrheit liegt auf dem Eis

Nun stand wieder eine Reise an. Michael konnte zum ersten Mal den thyssenkrupp Stahl in Aktion erleben. Gemeinsam mit seiner Familie fuhr er zum Weltcup-Rennen nach Winterberg und durfte den zweiten Sieg in Serie miterleben. Toni und Sascha überzeugten bereits nach dem ersten Durchgang mit einem Vorsprung vom 0,215 Sekunden auf die Konkurrenz und standen letztendlich wieder ganz oben auf dem Podest. Ein perfekter Tag für die Rodler und Michael. Die Aussichten für PyeongChang sind somit sehr gut: „Vom Material hat heute alles gestimmt“, unterstreicht Michael. „Der Stahl ist optimal.“ Das Rennen um Gold wird er dann aber wieder am Fernseher verfolgen.

Die thyssenkrupp-Boxencrew

Seit 2014 kooperiert thyssenkrupp mit den Rennrodel-Weltmeistern Toni Eggert und Sascha Benecken. Drei Ingenieure des Konzerns bringen ihr Know-how ein, um den Schlitten jedes Jahr noch schneller und besser zu machen. Die Carbon-Verkleidung wurde weiterentwickelt, das Fahrwerk optimiert und das Herzstück des Schlittens, die Schienen, noch schneller gemacht. Zudem unterstützen zwei Kommunikationsexperten die Rodler bei ihrer Arbeit. Das Ziel ist klar: Gold bei den olympischen Winterspielen 2018 in Südkorea. Im zweiten Teil unserer Reportagereihe über das Team den Weltmeistern stellen wir Michael Linnepe vor. Der Ingenieur arbeitet bei thyssenkrupp in Dortmund/Deutschland.

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