Den Klimakiller dort einfangen, wo er entsteht

Nachhaltigkeit und Klimaschutz | Die Zementproduktion verursacht 7 Prozent der weltweiten CO2-Emmissionen – und der Bedarf am Baustoff steigt. Mit dem Oxyfuel-Verfahren lässt sich das schädliche Klimagas einfangen und nutzbar machen.

Viel hat die Zementindustrie in den vergangenen Jahren dafür getan, den Schadstoffausstoß zu verringern: Sie führte beispielsweise alternative Brennstoffe ein und verbesserte die Energieeffizienz. Dennoch treten bei der Zementherstellung große Massen an CO2 aus. Allein 60 Prozent davon entstehen bei einem Zwischenschritt, wenn Kalkstein zu Klinker verarbeitet wird. „Hier lässt sich das schädliche Klimagas auch gar nicht vermeiden, denn es tritt aus dem Kalkstein aus und resultiert nicht aus dem verfeuerten Brennstoff“, erklärt Georg Locher, Leiter Forschung und Entwicklung bei thyssenkrupp Cement Technologies.

Das Oxyfuel-Verfahren von thyssenkrupp zeigt jetzt einen Weg auf, auch diesen CO2-Ausstoß zu minimieren oder – bei entsprechender technischer Ausführung – sogar komplett zu vermeiden. Das „Oxy“ steht dabei für Oxygen (Sauerstoff) und „fuel“ für Brennstoff. Und darum geht es im Kern auch: Bei dem Verfahren wird nämlich der Brennvorgang der Klinkerherstellung mit reinem Sauerstoff angetrieben. „Das ist neu, denn konventionellerweise kommt dafür Umgebungsluft zum Einsatz“, sagt Locher. „Dank des reinen Sauerstoffs gelangt kein Stickstoff mehr in den Brennvorgang und ein hochkonzentriertes CO2 entsteht.“ Dieses Gas wird schließlich abgefangen, bevor es in die Atmosphäre gelangt, und kann dank seiner Reinheit und mithilfe weiterer Technologien zu einem Rohstoff umgewandelt werden. Der Klimakiller bildet somit die Grundlage für die Produktion beispielsweise von Kraft- und Kunststoffen sowie Düngemitteln.

Ein weiteres Plus der Technologie von thyssenkrupp: Die nötige Ausrüstung lässt sich nachträglich in bereits bestehende Zementwerke einbauen. Locher: „Ein nicht zu unterschätzendes Argument, wenn man bedenkt, dass solche Anlagen üblicherweise für eine Laufzeit von 30 bis 50 Jahren konzipiert werden und Maßnahmen zum Umweltschutz deshalb in der Regel nachrüstbar sein müssen.“

 

Autor

Dietmar Rieth
  • geschrieben von Dietmar Rieth
  • 15. November 2017

Und wieso redet niemand darüber ?

Autor

Eckhard Renner
  • geschrieben von Eckhard Renner
  • 15. November 2017

Frage: ist die Erzeugung von reinem Sauerstoff CO2 frei?

    Autor

    • geschrieben von
    • 16. November 2017

    Das kommt auf die Energiequelle an, die man dafür nutzt. Bei Ökostrom ja. Aber auch bei konventionellen Quellen gilt, dass die Menge CO2, die gesammelt wird, um ein vielfaches höher ist als die Menge aus der bei der Sauerstoffproduktion eingesetzten Energie.

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