Wartungslösung MAX: Aufzug-Ausfälle vorhersagen – bevor sie eintreten

Digitalisierung und Industrie 4.0 | Innovationen | Technologietrends | Unsere cloud-basierte, vorausschauende Wartungslösung MAX ist auf dem Vormarsch: Weltweit sind bereits zehn Prozent der von uns betreuten Aufzüge an die Plattform angeschlossen – bald sind die ersten Fahrtreppen an der Reihe.

Der Aufzug fällt an diesem Morgen aus. An der Tür hängt nun ein großes „Außer Betrieb“-Schild. Wenn der eilig herbeigerufene Aufzugstechniker in der Hotellobby auftaucht, ist der Kunde verständlicherweise nicht in bester Stimmung. Der Experte steht vor der Herausforderung, den Fehler so schnell wie möglich zu diagnostizieren. Solche Einsätze sind für jeden Aufzugstechniker an der Tagesordnung. Schließlich gibt es weltweit 12 Millionen Aufzüge, die jeden Tag 1 Milliarde Menschen befördern. Das erfordert eine neue Wartungslösung. Ihr Name: MAX.

Mit MAX Ausfälle vorhersagen, bevor sie eintreten

Dank einer kleinen, am Aufzug installierten Box werden solche Szenarien jedoch bald der Vergangenheit angehören. Das System sammelt kontinuierlich Daten und sendet diese drahtlos in eine hochentwickelte Cloud, die dort von komplexen Algorithmen kontinuierlich unter die Lupe genommen werden. So werden Aufzugsstörungen und deren Ursachen auf einen Blick erkennbar.

Dank zukunftsweisender Cloud-Technologie sind die Servicetechniker von thyssenkrupp in der Lage, bevorstehende Aufzug-Ausfälle bereits vor dem Ernstfall zu identifizieren.Dank zukunftsweisender Cloud-Technologie sind die Servicetechniker von thyssenkrupp in der Lage, bevorstehende Aufzug-Ausfälle bereits vor dem Ernstfall zu identifizieren.

In einigen Fällen ist es sogar bereits heute möglich Ausfälle vorherzusagen, sodass Techniker Probleme beheben können – noch bevor sie tatsächlich auftreten und es zu Schäden und einem Ausfall kommt. Das verändert den Wartungsservice von Aufzügen grundlegend. Statt lediglich im Nachhinein reagieren zu können, können die Teams nun vorausschauend agieren und präventiv Maßnahmen einleiten. Möglich macht das MAX: Mit der vor drei Jahren eingeführten Plattform verfolgt thyssenkrupp das Ziel, die Ausfallzeiten von Aufzügen um die Hälfte zu reduzieren.

Dank zukunftsweisender Cloud-Technologie sind die Servicetechniker von thyssenkrupp in der Lage, bevorstehende Aufzug-Ausfälle bereits vor dem Ernstfall zu identifizieren.

Wartungslösung bereits in zehn Prozent der Aufzüge verbaut

Ein Wunschtraum? Überhaupt nicht, denn schon heute ist MAX Wirklichkeit. Weltweit sind bereits über 120.000 Einheiten in den USA, Spanien, Korea, Brasilien und Deutschland installiert. Das ist etwa ein Zehntel aller Aufzüge, die thyssenkrupp wartet. Und täglich werden weiter MAX-Einheiten verbaut.

Auf der CEBIT 2018 erklärten Andreas Schierenbeck (rechts) und Hannes Ametsreiter, CEO von Vodafone Deutschland, ihre Zusammenarbeit bei der IoT-Infrastruktur hinter MAX auf der großen Bühne.Auf der CEBIT 2018 erklärten Andreas Schierenbeck (rechts) und Hannes Ametsreiter, CEO von Vodafone Deutschland, ihre Zusammenarbeit bei der IoT-Infrastruktur hinter MAX auf der großen Bühne.

Die Idee zu MAX entstand im Jahr 2013, als unser Elevator CEO Andreas Schierenbeck in Berlin Steve Ballmer, damals CEO von Microsoft, traf. Geplant war die Digitalisierung des für das Aufzug-Geschäft von thyssenkrupp elementaren Service-Bereichs. Nachdem das Unternehmen die Partnerschaft mit Microsoft initiierte, entwickelten die Aufzug-Experten von thyssenkrupp gemeinsam mit den Microsoft-Experten die Kernlösung, die die Wartungslösung MAX heute ausmacht – gefolgt von einer Partnerschaft mit Vodafone für die digitale Infrastruktur.

Das US-Geschäft ist führend

In den USA kommen die Kollegen besonders gut voran: Mehr als die Hälfte aller Anlagen sind bereits angeschlossen – Effektivität und Nutzen von MAX für den Kunden ist nachgewiesen. Bereits heute können amerikanische Servicetechniker die gesamte Servicegeschichte einer Anlage auf ihrem Smartphone überwachen. Alle benötigten Ersatzteile werden über die sogenannte „Virtual Coach“-Funktion angezeigt, sodass die Servicetechniker das nächstgelegene Ersatzteillager auf dem Weg zum Kunden-Einsatz aufsuchen können. Sowohl der Kunde als auch der Techniker erhalten dann Einblicke in die „Vitalstatistik“ des Aufzugs. Damit sind die Anzahl der Haltestellen pro Etage, die Türbewegungen sowie Fahrten und Anrufe gemeint.

Auf diese Weise wird heute alltäglich, was kürzlich in Dallas passiert ist: Ein Servicetechniker erhält eine Warnung der neuen Wartungslösung. Ein Blick auf die zugesendeten Daten sagt ihm, dass ein Ersatzteil benötigt wird, das er nicht bei sich hat. Also hält dieser beim lokalen Lager von thyssenkrupp, bevor er sich auf den Weg zum Kunden macht. Vor Ort am Aufzug angekommen, sieht er sofort, dass der Hinweis von MAX korrekt war. Der Techniker führt die Reparatur durch – und erspart sich so eine zusätzliche Fahrt und dem Kunden eventuelle Ausfallzeiten.

„Das Tolle an der digitalen Wartungslösung ist, dass es sich jetzt von einer Vision zur Realität wandelt und sich spürbar auf die Kundenzufriedenheit und die Effizienzsteigerung unseres Geschäfts auswirkt“, sagt Andreas Schierenbeck. „Das Projekt ist weltweit zum Vorbild für die Digitalisierung geworden.“

So einfach kann Wartung sein: Noch bevor der Aufzug stehen bleibt, weiß der Servicetechniker mit einem Blick auf's Smartphone Bescheid. So will thyssenkrupp Aufzugausfälle in Zukunft um 50% reduzieren. Die Kunden freut's.
So einfach kann Wartung sein: Noch bevor der Aufzug stehen bleibt, weiß der Servicetechniker mit einem Blick auf's Smartphone Bescheid. So will thyssenkrupp Aufzugausfälle in Zukunft um 50% reduzieren. Die Kunden freut's.
Bereits 24.000 Aufzug-Techniker arbeiten dabei bereits mit HoloLens. Mit der Augmented-Reality-Brille von Microsoft können sie Probleme im Vorfeld eines Auftrags visualisieren und haben vor Ort per Fernzugriff auf alle wichtigen Informationen.
Bereits 24.000 Aufzug-Techniker arbeiten dabei bereits mit HoloLens. Mit der Augmented-Reality-Brille von Microsoft können sie Probleme im Vorfeld eines Auftrags visualisieren und haben vor Ort per Fernzugriff auf alle wichtigen Informationen.

Anfängliche Herausforderungen überwinden

Die Komplexität und die Herausforderungen beim Einsatz von Spitzentechnologien werden oft unterschätzt. Wir sprachen mit Hyun-Shin Cho, der die Digitalisierung beim Aufzuggeschäft von thyssenkrupp vorantreibt. Er arbeitet seit dreieinhalb Jahren an MAX, von der kritischen Phase bis hin zur Masseneinführung.

„Nach einem ersten Pilotprojekt haben wir eine Reihe von schnellen Erfolgen erlebt, die unsere Erwartungen erfüllt haben. Ernüchterung folgte, als die Industrialisierung und Operationalisierung nicht so schnell funktionierten wie erwartet.“ Cho räumt ein, dass gerade in den ersten Jahren, also 2015 und 2016, nicht immer alles glatt lief: „Systemstabilität und Skalierbarkeit sowie Datenqualität waren wichtige Anliegen für uns.“ Eines der größten Herausforderungen war einerseits die Kompatibilität von MAX mit den verschiedenen Steuerungen, die in unterschiedlichen Ländern zum Einsatz kommen. Und andererseits natürlich die End-to-End-Funktion – vom Aufzug über die Cloud bis zum Techniker.

Doch durch das Engagement, die Zusammenarbeit und die intensiven Arbeitstage löste das weltweite MAX-Team diese Probleme letztlich. Dieser Erfolg – und der Erfolg von MAX selbst – überzeugt auch die letzten Zweifler.

Was kommt als nächstes?

Seit Ende 2017 zeigt MAX nun sein volles Potenzial, indem es zunächst die richtigen Daten sammelt und Transparenz schafft. Auf Grundlage eines ständig wachsenden globalen Datenmaterials ist thyssenkrupp mit seiner innovativen Wartungslösung zudem bereits in die zweite Phase eingetreten – die vorausschauende Aufzugswartung. Die Entwicklung ist bereits ein voller Erfolg: Vom reinen Problemlöser wird der von MAX unterstützte Servicetechniker zum Berater unserer Kunden, der auf mögliche Ausfälle im Vorfeld aufmerksam macht.

Als Digital-Experte hat Hyun-Shin Cho das MAX-Projekt von Anfang an begleitet. Aktuell plant er mit seinem Team den Roll-out der innovativen Wartungslösung in Brasilien. Europa und Asien sollen Schritt für Schritt folgen.Als Digital-Experte hat Hyun-Shin Cho das MAX-Projekt von Anfang an begleitet. Aktuell plant er mit seinem Team den Roll-out der innovativen Wartungslösung in Brasilien. Europa und Asien sollen Schritt für Schritt folgen.

Aktuell treibt thyssenkrupp die Einbindung weiterer Aufzüge voran. In Brasilien beginnt derzeit der Rollout einer neuen Hardware-Generation. Die Endgeräte sollen so die Daten mehrerer Aufzüge erfassen können und anschließend die Daten in eine Cloud übertragen. Bisher ist ein Endgerät pro Aufzug nötig. Weitere Länder sind noch nicht festgelegt, Europa und Asien stehen aber bereits auf der Agenda. Darüber hinaus arbeitet das MAX-Team mit ausgewählten Großkunden im Rahmen von Sonderprojekten zusammen. Auch die Ausstattung von Fahrtreppen haben unsere Mobilitäts-Experten bereits initiiert.

Doch wie sieht der nächste Meilenstein bei der Entwicklung der Wartungslösung MAX aus? Die Millionengrenze überschreiten? Diese Frage löst im Projektteam leichtes Kopfschütteln aus. Denn es geht nicht nur um Zahlen, sondern vor allem darum, die Ausfallzeiten von Aufzügen zu halbieren und den Kunden – und damit den Aufzug-Nutzern – Zeit zurückzugeben. Aber natürlich gilt: „Mehr Aufzüge und Fahrtreppen bedeuten mehr Daten, um unsere Modelle und Algorithmen zu verbessern“, erklärt uns Cho. „Bessere Modelle und Algorithmen bedeuten weniger Ausfallzeiten für unseren Kunden.“

Ungefähr 12 Millionen Aufzüge sind weltweit aktuell aktiv. Es gibt also noch viel zu tun.

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