BioTfuel – Gas geben mit Abfall im Tank

Nachhaltigkeit und Klimaschutz | Revolution bei den Biokraftstoffen: Die nächste Generation wird aus natürlichen Abfällen hergestellt. Noch ist das sehr teuer, doch thyssenkrupp Industrial Solutions und andere Konzerne wollen mit dem Projekt BioTfuel sie nun zur Marktreife bringen.

Der hohe menschengemachte CO2-Ausstoß ist die Ursache für die Erderwärmung – da sind sich die Forscher einig. Seit Jahren wird weltweit versucht, ihn zu senken. Die Politik wirkte auch auf die Fahrzeugindustrie ein, schließlich sind deren Produkte eine der großen Quellen des klima- schädlichen Gases. Neben sparsamen Motoren sollen mit Biosprit versetzte Kraftstoffe ihren Teil zur CO2-Reduzierung beitragen. Doch für wirklich ehrgeizige Klimaziele sparen Letztere bisher noch nicht genug ein. Die neue Generation des Biodiesels und -kerosins soll bei den umweltfreundlichen Kraftstoffen daher für einen entscheidenden Sprung sorgen – auch dank zweier Technologien von Industrial Solutions.

BioTfuel heißt das 180-Millionen-Euro-Projekt. Ausgesprochen wird es wie das englische „beautiful“ – wunderschön. Ziel ist es, bis zum Jahr 2020 eine Prozesskette für Btl-Treibstoff („Biomass-to- liquids“, dt.: Biomasseverflüssigung) zu entwickeln, die eine günstige und somit massentaugliche Produktion ermöglicht. Neben Industrial Solutions sind Konzerne wie Total, Sofiprotéol und Axens beteiligt. In Frankreich entstehen hierfür momentan zwei Testanlagen: In Venette nahe Paris eine zur Vorbehandlung des Biomasserohstoffs, in Dünkirchen am Ärmelkanal eine zur Herstellung des flüssigen Biokraftstoffs.Bei der Vorbehandlung kommt die Technologie POLTORR von Industrial Solutions zum Einsatz. Mit deren Hilfe werden beispielsweise Grünschnitt, Stroh und Holzreste geröstet. Dass natürlicher Abfall als Rohstoff dient, ist ein großer Vorteil gegenüber der ersten Generation des Biosprits, für die essbare Pflanzen wie Raps, Mais oder Zuckerrohr verarbeitet werden. Das sorgt für viel Kritik, da Lebensmittel im Tank anstatt auf dem Teller landen – und das bei Nahrungsmangel vielerorts auf der Welt.In Dünkirchen wird auf ein weiteres Verfahren von Industrial Solutions gesetzt: PRENFLO. Hierbei wird die in Venette geröstete Biomasse, nachdem sie zu einem Pulver gemahlen wurde, zu Gas umgewandelt. Ein elementarer Schritt bei der Herstellung von Btl-Treibstoff. Beide Verfahren sind nicht neu, sondern in anderen Anwendungen längst erprobt – wie auch alle anderen Technologien, die hier erstmals gemeinsam zum Einsatz kommen.
Die Tests starten 2017. Sollte das Projekt erfolgreich verlaufen, könnte der Btl-Sprit pur oder in einem Mix mit fossilem Kraftstoff angeboten werden – für alle mit Diesel oder Kerosin angetriebenen Fahrzeuge. Eine Umrüstung der Motoren oder anderer Antriebe wird nicht notwendig sein.

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