Biokohle: Saubere Energie aus dem Ofen

Nachhaltigkeit und Klimaschutz | Smart Energy | Stroh, Holzchips oder Grünschnitt in Kohle umwandeln – die von thyssenkrupp entwickelte Technologie POLTORR macht es möglich. Für Mitentwickler Karl Lampe sind die Vorteile klar: POLTORR liefert eine CO2-sparende Alternative zu fossilen Brennstoffen und macht gleichzeitig Bioabfälle und Restprodukte wieder industriell nutzbar.

„Was in der Natur viele Millionen Jahre dauert, das schaffen wir hier innerhalb kürzester Zeit.“ Verfahrensingenieur Karl Lampe ist überzeugt von seiner Entwicklung, einem Mehretagenofen namens POLTORR, mit dessen Hilfe sich Biokohle aus Biomasse der zweiten Generation herstellen lässt. Wie das funktioniert? Biomassen und biogene Abfallstoffe verschiedenster Art werden zerkleinert, vorgetrocknet und anschließend, ähnlich wie bei der Kaffeeherstellung, bei 220 bis 320 Grad Celsius unter Luftabschluss geröstet.

Durch diesen Vorgang, die sogenannte Torrefizierung, verliert die faserige Struktur der Biomasse an Stabilität und ist somit gut mahlbar. Gleichzeitig steigt der Heizwert an. So lässt sich im industriellen Maßstab ein Produkt mit den gleichen Eigenschaften wie Kohle herstellen.

Karl Lampe an seinem zweiten Arbeitsplatz: Hier, im größten Technikum von thyssenkrupp Industrial Solutions, wurde auch der Mehretagenofen POLTORR entwickelt (© thyssenkrupp Industrial Solutions).

Karl Lampe an seinem zweiten Arbeitsplatz: Hier, im größten Technikum von thyssenkrupp Industrial Solutions, wurde auch der Mehretagenofen POLTORR entwickelt (© thyssenkrupp Industrial Solutions).

Sauber und vielfältig einsetzbar: Biokohle

Während fossile Energieträger jedes Jahr große Mengen an CO2 verursachen, ist Biokohle wesentlich klimafreundlicher. „Dass bei unserer Technologie darüber hinaus natürlicher Abfall als Rohstoff dient, ist ein weiterer großer Pluspunkt“, so Karl Lampe. Während bei anderen Verfahren zur Energieerzeugung aus Biomasse oftmals Nahrungsmittel, d.h. essbare Pflanzen wie Raps, Mais oder Zuckerrohr verarbeitet werden, funktioniert POLTORR mit biogenen Brennstoffen der zweiten Generation.

Zum Einsatz kommen zum Beispiel Produktionsabfälle, Holz, Stroh, Grünschnitt oder Biomüll. Diese Reststoffe werden aufbereitet und in Form von Biokohle wieder industriell nutzbar gemacht. Dadurch wird der CO2-Footprint nahezu um 100 Prozent reduziert.

Mit der POLTORR-Technologie können wir den CO2-Footprint nahezu um 100 Prozent reduzieren.

Dr. Karl LampeVerfahrensingenieur

Möglich wird das durch ein spezielles Ofen-Design, das Karl Lampe gemeinsam mit einem interdisziplinären Team entwickelt hat. An das Projekt erinnert er sich gern zurück: „Unser Team kam aus vielen unterschiedlichen Fachbereichen, was sich heute auch beim Produkt und seinen Einsatzmöglichkeiten bemerkbar macht.“ Ob in Bioraffinerien, bei der Zement- und Kalkherstellung, in der Stromerzeugung oder bei der Erzaufbereitung –die POLTORR-Technologie kann in vielen Industriezweigen zum Einsatz kommen und dort für saubere Energie sorgen.

Im Technikum stehen u.a. Drehöfen für wärmetechnische Untersuchungen bereit (© thyssenkrupp Industrial Solutions).

Im Technikum stehen Drehöfen für wärmetechnische Untersuchungen bereit (© thyssenkrupp Industrial Solutions).

Entwickelt wurde POLTORR im Forschungs- und Entwicklungszentrum von thyssenkrupp Industrial Solutions in Ennigerloh. Hier arbeiten rund 100 Mitarbeiter auf 50.000 Quadratmetern an neuen Produkten und Technologien für den Anlagenbau.

 

 

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