Azubi Amadou Bah: Vom Flüchtling zum Karriere-Durchstarter

Ausbildung bei thyssenkrupp | Engagement | Menschen bei thyssenkrupp | 2016 begann Amadou Bah ein Praktikum bei thyssenkrupp. Drei Jahre später steht er kurz vor seinem erfolgreichen Ausbildungsabschluss. Ausbildungsleiter Heinz-Joachim Klose findet nur lobende Worte für seinen Schützling, der einst als Flüchtling aus Guinea nach Deutschland kam – und heute alle Fäden für eine erfolgreiche Zukunft in der Hand hält.

Ob sich denn etwas an der Pünktlichkeit seines Azubis geändert habe, wollen wir bei unserem mittlerweile zweiten Gespräch mit Heinz-Joachim Klose wissen. Der Leiter des Siegener Technikzentrums für Ausbildungen bei thyssenkrupp muss über die Antwort nicht nachdenken: „Da hat sich nichts geändert. Er gehört noch immer zu den pünktlichsten Kollegen.“

Er – das ist Amadou Bah. Über ihn und seine durchgehende Pünktlichkeit sprachen wir mit Ausbildungsleiter Klose bereits vor drei Jahren: Im Jahr 2016 hatte der damals 23-Jährige gerade die ersten Wochen bei thyssenkrupp hinter sich – und kam grundsätzlich lieber 45 Minuten zu früh, als zwei Minuten zu spät.

2016 flüchtete Amadou Bah von Guinea nach Deutschland. Im Praktikum bei thyssenkrupp überzeugte er auf ganzer Linie – heute steht er kurz vor dem Abschluss seiner Ausbildung zum Industriemechaniker.

2016 flüchtete Amadou Bah von Guinea nach Deutschland. Im Praktikum bei thyssenkrupp überzeugte er auf ganzer Linie – heute steht er kurz vor dem Abschluss seiner Ausbildung zum Industriemechaniker.

Amadou Bah: Flüchtling aus Guinea, Vorzeige-Talent in Deutschland

2013 flüchtete Amadou vor der Militärdiktatur aus einem kleinen Dorf in seinem Heimatland Guinea. Schwere Kriminalität, Unruhen und Straßenblockaden waren zu dieser Zeit an der Tagesordnung – und sie sind es noch. Amadou verließ das westafrikanische Land, kam über Portugal nach Deutschland und baute sich im Siegerland eine neue Existenz auf. Gemeinsam mit zwei jungen Männern aus dem Kosovo gehörte er zu den ersten Flüchtlingen, die über ein Praktikum bei thyssenkrupp einstiegen.

Amadou Bah bewies Talent, Motivation und Disziplin – und ist bei thyssenkrupp mittlerweile im dritten Lehrjahr seiner Ausbildung zum Industriemechaniker. Mentor Heinz-Joachim Klose spricht von Amadous Werdegang nicht ohne gewissen Stolz. „Er hat sich sehr gut entwickelt. Sei es sprachlich, hinsichtlich seiner Auffassungsgabe oder von der Bereitschaft, nachzufragen, wenn einmal etwas unklar ist.“

Amadou Bah (links) mit Industriemechanikerin Jasmin Rath und seinem Ausbildungskollegen Enes Kaya, der wie er im dritten Lehrjahr ist. Bei thyssenkrupp in Kreuztal fühlt sich Amadou pudelwohl – nicht zuletzt dank seiner Kollegen.

Amadou Bah (links) mit Industriemechanikerin Jasmin Rath und seinem Ausbildungskollegen Enes Kaya, der wie er im dritten Lehrjahr ist. Bei thyssenkrupp in Kreuztal fühlt sich Amadou pudelwohl – nicht zuletzt dank seiner Kollegen.

Karriere-Start in der Wahlheimat

Auch Amadou selbst ist sehr glücklich: „Die Ausbildung und der Betrieb gefallen mir wirklich gut. Lager montieren und abziehen, Reparaturarbeiten – diese Aufgaben mag ich besonders“, erzählt er. Im Dezember tritt er seine theoretische Prüfung an. Anfang Januar folgt dann die praktische. Wenn alles gut geht, kann Amadou später auf 2020 als das Jahr zurückblicken, in dem ihm der Durchbruch seiner Karriere gelang.

Nach wie vor sieht er Deutschland und die Stadt Siegen dabei als seinen persönlichen Lebensmittelpunkt: „Die Kultur in Siegen ist toll, die Menschen auch. Bei Problemen sind sie immer hilfsbereit – ich komme sehr gut mit allen klar. Die Stadt ist meine Heimat geworden. Deshalb möchte ich hier auch gerne bleiben.“

Auf die Frage, was das Wichtigste sei, das er während seiner bisherigen Zeit in Deutschland gelernt habe, bleibt er gerne im Job-Kontext: „In Guinea müssen Dinge oft mehrmals korrigiert werden, weil man nicht richtig miteinander redet. Da erklärt jemand einem anderen etwas, beide nicken sich zu – und am Ende kommt etwas ganz anderes raus. In Deutschland passiert das nur selten. Das finde ich toll.“

Miteinander sprechen und sich bestmöglich abstimmen – das ist für Amadou bei jeder Aufgabe wichtig. Für den Siegener Ausbildungsleiter Hans-Joachim Klose macht gerade diese Einstellung den Azubi aus Guinea so stark.

Miteinander sprechen und sich bestmöglich abstimmen – das ist für Amadou bei jeder Aufgabe wichtig. Für den Siegener Ausbildungsleiter Hans-Joachim Klose macht gerade diese Einstellung den Azubi aus Guinea so stark.

Für Ausbildungsleiter Klose bestätigt diese Sichtweise genau jene Vorteile, die durch weltweite Zusammenarbeit entstehen können – besonders, wenn wie im Fall Amadous sehr unterschiedliche Kulturen aufeinandertreffen: „Entscheidend bei der Ausbildung von Flüchtlingen ist, wie man mit den möglichen Unterschieden umgeht. Wir haben zum Beispiel gemerkt, dass Azubis wie Amadou ihre Ausbildung oft viel mehr zu schätzen wissen als mancher Schulabgänger aus der Region. Gerade bei Themen wie Pünktlichkeit, Respekt oder Wissbegierde können sich manche Azubis aus Deutschland noch eine Scheibe abschneiden.“

Ausbildungsinitiative für Flüchtlinge: „Wir geben jungen Menschen Startkapital“

Rückblick: Im Jahr 2016 hatten sich 36 deutsche Wirtschaftsunternehmen zusammengetan, um im Rahmen des Projekts „Wir-Zusammen“ die Integration von Flüchtlingen voranzubringen. In Deutschland schuf thyssenkrupp in den darauffolgenden Jahren zusätzliche 150 Ausbildungsplätze und 230 Praktikumsplätze.

Vier von insgesamt 40 Azubis, die als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind und für thyssenkrupp zusätzliche Ausbildungsstellen geschaffen hat. Hier im Bild (v.l.): Seyawash Yousufi, George Abdelahad, Adoulayeh Keita und Rodi Haji Mohamed

Vier von insgesamt 40 Azubis, die als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind und für thyssenkrupp zusätzliche Ausbildungsstellen geschaffen hat. Hier im Bild (v.l.): Seyawash Yousufi, George Abdelahad, Adoulayeh Keita und Rodi Haji Mohamed

Eine Entscheidung, die für Heinz-Joachim Klose die gesellschaftliche Verantwortung von thyssenkrupp ganz konkret gemacht hat: „Solche Projekte sind wichtig, weil wir so jungen Menschen Startkapital geben – nicht finanziell, sondern durch die Integration in den Arbeitsmarkt. Die meisten Flüchtlinge wollen arbeiten und ihre Familien unterstützen, scheitern aber oftmals an der Sprachbarriere. Mit einem Ausbildungsplatz geben wir ihnen über drei Jahre nicht nur fachliche, sondern auch fachspezifische sprachliche Unterstützung. Sollte der Azubi das Unternehmen also später verlassen, hat er durchaus gute Chancen, in einem anderen Betrieb zu arbeiten.“

Genauso ist Klose davon überzeugt, dass mehr Mut zur Vielfalt und neuen Perspektiven auch für die ausbildenden Unternehmen selbst unglaublich wertvoll sein kann. Und er sagt, dass prinzipiell ja auch nichts dagegen spreche, die hier ausgebildeten Fachkräfte eines Tages in thyssenkrupp-Niederlassungen in ihren Heimatländern einzusetzen. Für Amadou ist das aber derzeit kein Thema. Er hat seine Zukunft fest im Blick: „Nach meinem Abschluss möchte ich gerne bei thyssenkrupp bleiben.“

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