Neuer Aufzug-Testturm in Atlanta: der nächste Innovationssprung

Digitalisierung und Industrie 4.0 | Ingenieurskunst | Innovationen | Mobilität der Zukunft | thyssenkrupp erweitert sein globales Innovationsnetzwerk im Bereich Aufzüge um einen dritten High-Rise-Testturm. Wir haben mit Elevator CEO Andreas Schierenbeck über das herausragende Projekt und die Bedeutung von Innovationen in der Aufzugsbranche gesprochen.

Herr Schierenbeck, thyssenkrupp hat den Bau eines neuen High-Rise-Testturms und Forschungszentrums in Atlanta angekündigt. Worum geht es bei diesem Projekt?

AS: Wir sind sehr stolz über auf diese neue herausragende Anlage, die dort gebaut wird und unsere Marktführerschaft in Nordamerika repräsentiert. Der in der Nähe des Baseballstadions „Atlanta Braves“ gelegene Aufzug-Testturm ist der größte seiner Art in den Vereinigten Staaten und hier werden wir neue Konzepte und Produkte für die Region sowie für globale Anwendungen entwickeln und testen. In 18 Schächten werden unter anderem Hochgeschwindigkeitsaufzüge, das TWIN-Doppelkabinensystem und der MULTI getestet.

Darüber hinaus wird es die neue Heimat für unseren Hauptsitz der Business Unit Americas sein. Nach der Campus-Fertigstellung im Jahr 2022 werden bis zu 900 Personen in den drei Gebäuden arbeiten, was fast 10 Prozent unseres Mitarbeiterstamms in den USA entspricht. Und das Gebäude wird sicher fantastisch aussehen.

Andreas Schierenbeck, CEO von thyssenkrupps Aufzugspare, ist überzeugt: Genau wie die beiden Testtürme in Rottweil und Zhongshan wird der im Bau befindliche Hightech-Tower in Atlanta das Innovations-Potenzial von thyssenkrupp entscheidend steigern.Andreas Schierenbeck, CEO von thyssenkrupps Aufzugspare, ist überzeugt: Genau wie die beiden Testtürme in Rottweil und Zhongshan wird der im Bau befindliche Hightech-Tower in Atlanta das Innovations-Potenzial von thyssenkrupp entscheidend steigern.

Die drei Türme in Rottweil, Zhongshan und Atlanta – erzählen Sie uns ein wenig über die Besonderheit der verschiedenen Türme?

AS: Mit unseren Innovationen verändern wir die globale Mobilitätsbranche und wollen in Zukunft der erste oder zweite Marktführer werden. Die Testtürme sind unsere Plattformen, um bahnbrechende Innovationen zu entwickeln und zu testen sowie Verbesserungen an unseren Standardprodukten vorzunehmen. Wir sehen einen Wettbewerbsvorteil darin diese Aktivitäten näher an unseren Kunden in diesen für unsere Branche wichtigen drei Regionen durchzuführen. Natürlich erfüllen alle drei Türme ähnliche Aufgaben, aber sie sind auf die spezifischen Bedürfnisse, Produkte, Normen und Standards der jeweiligen Region spezialisiert.

Ein weiteres wichtiges Element ist, dass diese Türme zu Flaggschiffen der Marke thyssenkrupp werden und ein hohes Maß an gesellschaftlichem Engagement generieren. So wurde der Testturm in Rottweil in nur sechs Monaten bereits von über 100.000 Menschen besucht. Es ist nicht nur ein Meilenstein für Technik, Fortschritt und Innovation, sondern auch ein Magnet für die gesamte Region.

Der 2017 fertiggestellte Aufzug-Testturm im schwäbischen Rottweil markierte den Start für thyssenkrupps Ambitionen, Vordenker bei der Entwicklung kommender Aufzug-Generationen zu sein.
Der 2017 fertiggestellte Aufzug-Testturm im schwäbischen Rottweil markierte den Start für thyssenkrupps Ambitionen, Vordenker bei der Entwicklung kommender Aufzug-Generationen zu sein.
Im März 2018 eröffnete thyssenkrupp einen zweiten Testturm im chinesischen Zhongshan ein weiteres unübersehbares Zeichen für seine beträchtlichen Investitionen und die Entwicklungsarbeit des Unternehmens im Reich der Mitte.
Im März 2018 eröffnete thyssenkrupp einen zweiten Testturm im chinesischen Zhongshan ein weiteres unübersehbares Zeichen für seine beträchtlichen Investitionen und die Entwicklungsarbeit des Unternehmens im Reich der Mitte.
Der neue Gebäudekomplex in Atlanta vereint Forschung, Entwicklung und amerikanischen Hauptsitz – und gibt thyssenkrupp so ab 2022 alle Möglichkeiten, neue Konzepte und Produkte zu testen und auch zertifizieren.
Der neue Gebäudekomplex in Atlanta vereint Forschung, Entwicklung und amerikanischen Hauptsitz – und gibt thyssenkrupp so ab 2022 alle Möglichkeiten, neue Konzepte und Produkte zu testen und auch zertifizieren.

„Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, die Aufzugsindustrie durch Innovationen zu verändern.“

Lassen Sie uns über Innovationen in der Aufzugsbranche sprechen. Lange Zeit war diese Branche nicht für ihren Erfindergeist bekannt.

AS: Natürlich wurden neue und bessere Produkte entwickelt, aber grundsätzlich hat sich die Aufzugsindustrie seit ihrer Gründung kaum verändert. Eine Kabine, ein Seil, ein Schacht und ein Gegengewicht: Dieses Konzept ist seit rund 160 Jahren weitgehend unverändert.

Doch heute ist dieses Prinzip des 19. Jahrhunderts eindeutig an seine Grenzen gestoßen. Es ist notwendig, mehr Menschen zu bewegen und dabei weniger Raum, Zeit und Energie zu verbrauchen. Es gibt viel Potenzial für Verbesserungen in der städtischen Mobilität, um die Städte von morgen intelligenter und zu Orten zu machen, in denen wir gerne leben.

Wie werden wir bei thyssenkrupp dazu beitragen, diesen Bedarf zu decken?

AS: Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, die Aufzugsindustrie durch Innovationen zu verändern. Wir sind das „New Kid on the Block“ weil thyssenkrupp erst vor 40 Jahren in die Aufzugsbranche eingestiegen ist. Wir sind weder das älteste noch das größte Aufzugsunternehmen, aber wir haben uns durch unkonventionelles Denken einen Innovationssprung erarbeitet. Das verdanken wir auch unserer weltweit agierenden Forschung und Entwicklungs-Community, die sich an den Kundenbedürfnissen orientiert, aber auch über den Tellerrand hinausschaut. Ein Beispiel dafür ist unser vorausschauendes Wartungssystem MAX, bei der wir mit der Hilfe der Cloud-Technologie die Ausfallzeiten von Aufzügen um die Hälfte reduzieren.

Oder der MULTI, der weltweit erste seillose Aufzug, der auch seitwärts fahren kann.

AS: Der MULTI ist ein zentrales Element unserer Innovationsanstrengungen. Dank seiner Linearmotoren können mehrere Kabinen gleichzeitig in einem Schacht fahren und sich vertikal und horizontal bewegen. Der MULTI verändert die Art und Weise, wie sich Menschen in Gebäuden bewegen. Sie verkürzt die Wartezeiten für die Fahrgäste und erhöht die Nutzfläche des Gebäudes. Sie eröffnet Architekten, Planern und Betreibern völlig neue Perspektiven. Wir haben ein etabliertes System in Frage gestellt, weshalb wir auch in diesem Jahr vom wichtigen Branchenverband „Council of Tall Buildings and Urban Habitat“ (CTBUH) mit dem Innovationspreis ausgezeichnet wurden. Nun ist es unser Ziel, den MULTI auf den Markt zu bringen und den ersten Passagier mitfahren zu lassen. Das wird ein historischer Moment.

Das prominenteste Beispiel für thyssenkrupps Innovations-Fähigkeit: Als weltweit erster Aufzug mit Magnetschwebetechnologie ist der MULTI in der Lage, auch seitwärts zu fahren.Das prominenteste Beispiel für thyssenkrupps Innovations-Fähigkeit: Als weltweit erster Aufzug mit Magnetschwebetechnologie ist der MULTI in der Lage, auch seitwärts zu fahren.

„Die Ideen unserer Kollegen scheinen unerschöpflich.“

Sie wurden kürzlich in den Vorstand der „Alliance to Save Energy“ gewählt. Worum geht es dabei?

AS: In der „Alliance to Save Energy“ treffen sich Entscheidungsträger aus Wirtschaft und Politik, um die Energieeffizienz zu fördern. Ich halte es für entscheidend, dass wir uns austauschen und zusammenarbeiten, um einen wirklichen Wandel des Energieverbrauchs und der Produktivität zu fördern. Als weltweit führendes Unternehmen der Aufzugsbranche unterstützen wir klar definierte Richtlinien für eine höhere Energieproduktivität. Heute werden fast 40 Prozent der weltweiten Energie durch Gebäude verbraucht, bis zu einem Zehntel davon durch Aufzüge.

Was tun wir bei thyssenkrupp zur Steigerung der Energieeffizienz von Aufzügen?

AS: Dieses Thema ist wichtig für Aufzüge, die wir herstellen. Aber ich möchte hervorheben, dass wir die Modernisierung älterer Anlagen nicht vernachlässigen dürfen, um die Energieeinsparung zu maximieren. Wenn man sich vorstellt, dass weltweit mehr als 12 Millionen Aufzüge im Einsatz sind und die Hälfte davon über 20 Jahre alt ist, kann die Ausstattung mit neuer energieeffizienter Technik eine immense Wirkung haben. Wir sind in dieser Hinsicht führend und der einzige in der Branche, der eine Nachrüstlösung für den energieneutralen Betrieb von Aufzügen entwickelt hat. Diese kombiniert die Rückgewinnung durch kinetische Energie, einen optimierten Standby-Modus und Solarmodule und unter optimalen Bedingungen sogar die Energiegewinnung.

Mit welchen zukunftsweisenden Technologien wird thyssenkrupp im Aufzug-Bereich weiter auf sich aufmerksam machen? Auf was sollen wir gespannt sein?

AS: Es gibt so viele Dinge an denen wir gerade arbeiten. Zum Beispiel die Kollegen aus dem bereich Airport Solutions, die bei der Digitalisierung von Flughafenprozessen helfen. Der Einsatz von HoloLens, unseren Mixed-Reality-Brillen, für schnellere Treppenlift-Installationen oder virtuelle Showrooms, die es unseren Kunden ermöglichen, sich durch unser Produktportfolio zu bewegen, indem sie einfach eine VR-Brille aufsetzen. Die Ideen unserer Kollegen scheinen unerschöpflich.

Aber Sie müssen auch die richtigen Partner finden, um Ihre Ideen zu entwickeln. Mit Microsoft profitieren wir von der Stärke ihrer Cloud-Technologien und von HoloLens. Ein weiteres bemerkenswertes Beispiel ist die Zusammenarbeit mit dem Softwareentwickler TeleRetail. Gemeinsam mit ihnen haben wir ein Pilotprojekt gestartet, bei dem autonome Lieferroboter Ersatzteile und andere Materialien direkt zu unseren Servicetechnikern auf die Baustelle bringen. Das wäre für uns die optimale Logistiklösung.

Natürlich sind das Träume für die Zukunft. Aber warten lassen Sie uns abwarten, vielleicht überholt Sie eines Tages ein thyssenkrupp Roboter bei einem Stadtbummel.

Herr Schierenbeck, vielen Dank für dieses Gespräch.

Autor

R. Priemer
  • geschrieben von R. Priemer
  • 16. August 2018

Tolle Technikinnovation.
Idee: ThyssenKrupp baut seinen Multi in den Dresdner Fernsehturm – Leuchtturmprojekt „Fahrstuhlsanierung, aus Seil mach neu“.
Der Turm steht, der alte Fahrstuhl muss raus, ThyssenKrupp erbringt medienwirksam den Beweis, dass der Multi alte Technik ersetzen kann. Das wäre evtl. nicht nur ein Leuchtturmprojekt sondern ein Fernsehturmprojekt und die sind bekanntermaßen höher.

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