20 Jahre nach der Fusion: Happy birthday, thyssenkrupp!

Geschichte | Unsere Marke | Der 17. März ist für unser Unternehmen ein besonderes Datum: Vor genau 20 Jahren beginnt mit der Eintragung der "ThyssenKrupp AG" in das Handelsregister ein neues Kapitel deutscher Wirtschaftsgeschichte. Die Mitarbeiterzeitschrift „Fusion aktuell“ von März 1999 titelt „Die Zukunft hat begonnen". Andreas Zilt, Leiter unseres Konzernachivs, blickt zurück auf Zeit des Wandels.

Die Fusion der beiden Traditionsunternehmen hat eine Vorgeschichte: Auf den Tag genau zwei Jahre zuvor läuft über den Ticker der Deutschen Presseagentur eine Sensation:

„Düsseldorf (dpa) – Der Krupp-Hoesch Konzern (Dortmund/Essen) will den Thyssen-Konzern (Duisburg) übernehmen.“

Thyssen-Sprecher Reiner Hochscheid berichtete am Montag Abend in Düsseldorf, seinem Unternehmen lägen Informationen vor, dass von Krupp-Hoesch eine „feindliche Übernahme“ geplant sei.“

Noch in der Nacht tritt der Thyssen-Betriebsrat zu einer ersten Krisensitzung zusammen, um den Widerstand zu organisieren. Vorstand, Betriebsrat und Belegschaft der Thyssen-Gruppe sowie Gewerkschaften und Parteien protestieren in den folgenden Tagen gegen das Vorhaben mit Betriebsversammlungen, Demonstrationen und Arbeitsniederlegungen.

Fusion statt Übernahme

Parallel hierzu vermittelt die NRW-Landesregierung. Am Abend des 18. März treffen sich Gerhard Cromme, Berthold Beitz, Dieter Vogel und Heinz Kriwet auf Einladung von NRW-Ministerpräsident Johannes Rau zu einem ersten Krisengespräch. Die Übernahme wird verhindert – stattdessen wird die Fusion der Stahlbereiche von Thyssen und Krupp angestrebt. Beide Unternehmen erarbeiten bis Ende März unter Begleitung der Landesregierung ein industrielles Konzept für eine gemeinsame Stahlgesellschaft, in welche Thyssen Stahl und Krupp Hoesch Stahl ihre Flachstahlaktivitäten einbringen.

Im Vorfeld erreichen die Proteste gegen die geplante Übernahme ihren Höhepunkt mit einer Demonstration im Frankfurter Bankenviertel, an der rund 30.000 Menschen teilnehmen. Am Abend des 27. März treffen Vorstände und Betriebsräte beider Gesellschaften, die NRW-Landesregierung und Vertreter der IG Metall zusammen. Die Gruppe verabschiedet eine Vereinbarung, die betriebsbedingte Kündigungen ausschließt.

ThyssenKrupp startet mit Doppelspitze

Noch bevor die Thyssen Krupp Stahl AG am 1. September 1997 ihren Geschäftsbetrieb aufnimmt, verabreden beide Konzerne die Prüfung weiterer Kooperationen. Ende Oktober 1997 sind die Voruntersuchungen zu einer Vollfusion von Thyssen und Krupp abgeschlossen: Die Analysen legen eine Gesamt-Fusion der beiden Konzerne nahe.

Die „Doppelspitze“ Gerhard Cromme (2. v. l.) und Ekkehard Schulz (1. v. r.) – gemeinsam mit den Aufsichtsrats-Ehrenvorsitzenden Günter Vogelsang und Berthold Beitz auf der außerordentlichen Hauptversammlung der Thyssen AG am 4. Dezember 1998.
Die „Doppelspitze“ Gerhard Cromme (2. v. l.) und Ekkehard Schulz (1. v. r.) – gemeinsam mit den Aufsichtsrats-Ehrenvorsitzenden Günter Vogelsang und Berthold Beitz auf der außerordentlichen Hauptversammlung der Thyssen AG am 4. Dezember 1998.

Bereits Anfang Januar 1998 geben die Aufsichtsräte in einer gemeinsamen Erklärung bekannt, dass sie Gerhard Cromme und Ekkehard Schulz beauftragen, ein gemeinsames industrielles Konzept für eine fusionierte Gesellschaft unter dem Namen „ThyssenKrupp“ zu erarbeiten. Mit der Beauftragung von Cromme und Schulz wird vorab die „Doppelspitze“ im neuen Konzern eingeführt – und die Diskussionen um Führungspositionen beendet.

17. März 1999: „Die Zukunft hat begonnen“

Bei einem „Kick-off-Meeting“ am 23. März 1998 im Dreischeibenhaus in Düsseldorf nehmen die Vorstände beider Konzerne und Mitglieder von insgesamt 30 Arbeitsgruppen teil. Immer sind auch die Konzern-Betriebsratsvorsitzenden von Thyssen und Krupp, Dieter Kroll und Paul Ring, im Rahmen einer Begleitkommission beteiligt. Hier beraten Unternehmensleitung, Betriebsrat und IG Metall über wesentliche Personalfragen im Zusammenhang mit der Fusion.

Medienwirksame Enthüllung: das neue Logos der ThyssenKrupp AG am damaligen Verwaltungsgebäude, dem Dreischeibenhaus in Düsseldorf
Medienwirksame Enthüllung: das neue Logos der ThyssenKrupp AG am damaligen Verwaltungsgebäude, dem Dreischeibenhaus in Düsseldorf

Nach umfangreicher Detailarbeit in einem „Kernteam“ und den gemeinsamen Arbeitsgruppen und nach Zustimmung der Aufsichtsgremien erfolgen am 16. Oktober 1998 die Unterzeichnung des Verschmelzungsberichts und die Beurkundung des Verschmelzungsvertrags zwischen Thyssen und Krupp. Die Aktionäre beider Unternehmungen stimmen im November und Dezember auf außerordentlichen Hauptversammlungen der Verschmelzung zu.

Während öffentlichkeitswirksam bereits das neue gemeinsame Konzernlogo präsentiert wird, werden beim Landgericht Duisburg und Landgericht Essen Anfechtungsklagen gegen die Beschlüsse der Hauptversammlungen von Thyssen und Krupp eingereicht. Nachdem diese gescheitert sind, erfolgt die Eintragung in das Handelsregister am 17. März 1999 – die ThyssenKrupp AG nimmt die Arbeit auf. „Die Zukunft hat begonnen“.

Das Mitarbeitermagazin
Das Mitarbeitermagazin "Fusion aktuell" kann in der Märzausgabe 1999 für die Fusion von Thyssen und Krupp endlich Vollzug melden. Das passende Motto: Auf in die Zukunft!

thyssenkrupp startet in eine neue Zukunft

„Die Zukunft hat begonnen“ – ein Motto, das stilbildend war. Wer hätte gedacht, dass 10 Jahre später das Raumschiff U.S.S. Enterprise sein elftes Abenteuer unter eben diesem Titel erfolgreich besteht? Und auch die Fusion kann nach 20 Jahren als eine erfolgreiche „Mission“ bewertet werden.

Bald schon ist thyssenkrupp reif für den nächsten Schritt: thyssenkrupp wird in zwei neue, leistungsfähigere Unternehmen aufgeteilt. thyssenkrupp Materials und thyssenkrupp Industrials werden schneller, fokussierter und erfolgreicher sein. Auf den Punkt gebracht: Getrennt sind wir stärker. Es ist der Start in eine neue Zukkunft – mit zwei thyssenkrupps. Spock würde sagen: „Faszinierend!“

Autor

Claus Noack
  • geschrieben von Claus Noack
  • 17. März 2019

Hallo in die Runde. Am 3. 2. 1969 habe ich meine Laufbahn im Unternehmen bei “ STAHL ZAISER “ als Aufzugmonteur in der Niederlassung Wiesbaden begonnen. Heute ist das ThyssenKrupp Elevator. Am 30. 9. 2010 bin ich dann nach 41 Jahren und 8 Monaten in den Ruhestand gegangen. Von April 2011 bis Ende März habe ich dann nochmal in einem Minijob aufzugtypische Arbeiten verrichtet. Heute – 50 Jahre später – sehe ich meine Entscheidung Aufzugmonteur zu werden als absolut richtigen Weg an. Der Weg – STAHL ZAISER, Rheinstahl Aufzüge, R. Stahl Aufzüge, Thyssen Aufzüge, Thyssen MAN Aufzüge, wieder Thyssen Aufzüge, ThyssenKrupp Aufzüge war sehr lang, die Kollegen sind geblieben, neue kamen hinzu. Viele Jahre war ich auch im Betriebsrat von ThyssenKrupp Aufzüge in Frankfurt. So, im Nachhinein betrachtet, ist von der langen Geschichte von ThyssenKrupp auch ein großer Anteil von mir dabei – Glückwunsch zum Jubiläum – Claus Noack

Autor

Angelika Blaschke
  • geschrieben von Angelika Blaschke
  • 17. März 2019

Ja, genau so war es. Demonstriert vor der Krupp Hauptverwaltung in Essen. Dann, letztendlich, wurden die Finanzabteilungen Krupp, TI und TAG zusammengelegt zur TKAG, Sitz in Düsseldorf. 11 Jahre Fahrerei; dann 2010 – endlich- wieder Umzug nach Essen ins Quartier.

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